Afganistan-Konferenz
Die vier afganischen Delegationen

dpa An der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn nehmen auf Einladung der Vereinten Nationen vier afghanische Delegationen mit insgesamt 28 festen Mitgliedern teil. Ziel der Konferenz unter UN-Schirmherrschaft ist eine Verständigung über den politischen Übergangsprozess in Afghanistan.

1. NORDALLIANZ

Delegationsführer: Junis Kanuni

Nach ihren militärischen Erfolgen gegen die Taliban übernahm sie weitgehend faktisch die Macht in Afghanistan. Der Nordallianz fällt eine Schlüsselrolle zu, da vor allem von ihr gefordert wird, diese neue Machtposition wieder mit anderen Volksgruppen - vor allem auch Paschtunen - zu teilen. In ihr sind - mit teils unterschiedlichen regionalen Machtinteressen - Tadschiken, Usbeken und Hasara vertreten. Die Nordallianz entsendet elf Delegierte (plus 14 Ersatzdelegierte oder Berater). Geleitet wird die Delegation vom Innenminister des Bündnisses und Sicherheitschef von Kabul, Junis Kanuni. Der Tadschike gilt derzeit als einer der wichtigsten Männer in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Er hat sich zu Kompromissen mit den Paschtunen um Ex-König Sahir Schah bereit erklärt und auf dem Petersberg die "konstruktive Mitarbeit" seiner Delegation betont. Der Anführer der Nordallianz, der Tadschike Burhanuddin Rabbani, kam ebenso nicht nach Bonn wie die regionalen Kriegsherren Raschid Dostum oder Ismail Khan ("Löwe von Herat").

2. ROM-GRUPPE

Delegationsführer: Abdul Sattar Sirat

Die Paschtunen-Fraktion, die sich um Ex-König Mohammed Sahir Schah in dessen römischem Exil gesammelt hat, gilt - ungeachtet ihrer geringen realen Macht - als zweitwichtigster Mitspieler auf dem Petersberg. Dies wird auch durch die Stärke der Delegation von ebenfalls elf Mitgliedern (plus sieben Berater) unterstrichen. Delegationsführer Abdul Sattar Sirat gilt als direkter Beauftragter des 87-jährigen ehemaligen Monarchen, der seit 1973 im Exil lebt. Die Gruppierung gilt als pro-westlich. Aus ihren Reihen kam auch die Forderung zu einer internationalen Friedensstreitmacht für Afghanistan. Dem greisen König wird teils eine Rolle als wichtige Integrationsfigur, teils nicht mehr als eine symbolische Rolle zugewiesen. Zur Rom- Gruppe gehören auch in Deutschland lebende Afghanen.

3. PESHAWAR-GRUPPE

Delegationsführer: Sayed Hamid Gailani

Das breite Bündnis von meist traditionellen Paschtunen wird von Pakistan gestützt, das allerdings auch gemäßigte Taliban an Machtstrukturen beteiligt sehen möchte. Die drei-köpfige Delegation (plus drei Ersatzdelegierte oder Berater) wird von Sayed Hamid Gailani geführt. Er ist der Sohn von Pir Ahmad Gailani, dem geistigen Oberhaupt der kleinen, aber einflussreichen Gruppe der Sufi-Moslems. Dieser ist mit dem Königshaus verschwägert und hat sich mehrfach für die Rückkehr des Königs ausgesprochen. Gleichzeitig gilt er als Protege der pakistanischen Militärregierung. Mit gut 40 % Anteil an der Bevölkerung sind die Paschtunen die zahlenmäßig mit Abstand stärkste Volksgruppe Afghanistans.

4. ZYPERN-GRUPPE

Delegationsführer: Humajun Dscharir

Sie gilt auf dem Petersberg eher als Randgruppe. In ihr sind afghanische Exilpolitiker, darunter Hasara, auch mit Verbindungen in den Iran vertreten. Die dreiköpfige Delegation (plus sechs Ersatzdelegierte oder Berater) wird angeführt von Humajun Dscharir, dem ehemaligen afghanischen Außenminister. Er ist auch ein Schwiegersohn des fundamentalistischen Gotteskriegers und früheren Regierungschefs Gulbuddin Hekmatjar. Der im iranischen Exil lebende Hekmatjar wird für die große Zerstörung Kabuls im Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1996 mit verantwortlich gemacht.

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