Afghanische Kämpfer entschlossen
Terrorjäger auf dem Weg zu bin Ladens Höhle

2000 afghanische Kämpfer wollen den Terroristenführer jagen. Sie brachen auf, um bin Laden in seinem Höhlensystem nahe Tora Bora aufzuspüren.

rtr KABUL/QUETTA. Rund 2000 afghanische Kämpfer sind nach Angaben eines örtlichen Sprechers am Dienstag von Dschalalabad in die Region Tora Bora aufgebrochen, um den dort vermuteten moslemischen Extremistenführer Osama Bin Laden zu jagen. Sie würden voraussichtlich am Mittwoch dort sein, teilte der Sprecher mit. Um die letzte Taliban-Bastion Kandahar wurde derweil weiter erbittert gekämpft. Kämpfer paschtunischer Stämme berichteten am Dienstag, sie hätten den Bezirk Schahwali Kot etwa 20 Kilometer nördlich Kandahars eingenommen. Die Taliban bestritten dies. Von strategischer Bedeutung für die internationale Anti-Terror-Koalition dürfte die am Dienstag bekannt gewordene Entscheidung Kirgisistans sein, seinen Flughafen Manas für ausländische Militärmaschinen zu öffnen.

Die Schura (Rat) von Dschalalabad habe rund 2000 Kämpfer zur Vertreibung der radikal-islamischen Taliban und ihrer Unterstützer aus Tora Bora mobilisiert, sagte ein Sprecher des Militärchefs von Dschalalabad, Hasrat Ali der Nachrichtenagentur Reuters. Die Männer seien mit Allrad-Fahrzeugen ins rund 50 Kilometer entfernte Gebiet unterwegs, wo sich auch eine unterirdische Bunkeranlage Bin Ladens und seiner Organisation El Kaida befinden soll. Ob sich Bin Laden dort aufhält, ist nicht bekannt. Es sei damit zu rechnen, dass die Kämpfe dort am Mittwochmorgen beginnen würde, sagte Sprecher Amin.

Die USA bombardieren die vermuteten Verstecke Bin Ladens im Süden seit Tagen. Eine Sprecherin der Kommandozentrale der US- Streitkräfte in Tampa in Florida sagte, die rund 1300 Marines hätten damit begonnen, die Umgebung des Lagers im Süden zu erkunden. Ein Sprecher der El-Kaida-Gruppe Bin Ladens kündigte an, sie würden den "Heiligen Krieg" fortsetzen, selbst wenn Bin Laden getötet werde. Die USA machen Bin Laden und seine Leute für die Anschläge vom 11. September verantwortlich.

Im Fünf-Minuten-Takt bombardierten US-Kampfflugzeuge am Dienstag weiter den Flughafen und Ziele in den Bergen südlich von Kandahar, wie die Agentur AIP meldete. In den vergangenen fünf Tagen seien 115 Zivilisten getötet worden, hieß es unter Berufung auf Taliban-Kreise. Unabhängige Berichte über die Zahl der Opfer gibt es nicht.

Auf dem US-Stützpunkt südlich von Kandahar haben nach offiziellen Angaben australische Soldaten die US-Eliteeinheiten verstärkt. Wie viele Australier dort gelandet seien, teilte die US-Armee nicht mit. US-Einheiten setzten in der Region ihre Patrouillen am Boden und in der Luft fort.

Die Militäraktion gegen die Taliban und Bin Ladens El Kaida wird nach US-Angaben auch dann weitergehen, wenn eine Übergangsregierung existiert. Daraus müssten keine Spannungen entstehen, sagte der US-Diplomat Richard Haass, der die diplomatischen Aktionen der US-Regierung koordiniert.

In Bukarest forderte US-Außenminister Colin Powell die Mitglieder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf, entschiedener gegen "die Geißel des Terrorismus" vorzugehen.

In der von der Nordallianz eroberten Stadt Masar-i-Scharif kam es nach UNO-Angaben zu neuen Gefechten. Wegen Kämpfen unter Taliban-Gegnern sei eine Rückkehr von Hilfstransporten nach Masar-i-Scharif unsicher, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen (UNO) in Kabul. Truppen der Nordallianz um General Abdul Raschid Dostum hatten unterstützt durch US-Luftangriffe die Stadt am 9. November von den Taliban erobert.Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF mahnte, die Situation tausender Menschen, vor allem Frauen und Kinder in der Region um Kandahar sei wegen des Winters und der anhaltenden Kämpfe sehr ernst.

Ein Berater des kirgisischen Präsidenten teilte in der Hauptstadt Bischkek mit, die ehemalige Sowjet-Republik werde seinen internationalen Flughafen Manas für zunächst ein Jahr Mitgliedern der Anti-Terror-Koalition öffnen. Dort können zwischen 40 und 50 Maschinen landen. US-Außenminister Powell wird auf seiner Rundreise durch mehrere zentralasiatische Staaten am Samstag auch in Kirgisistan erwartet.

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