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Afghanische Nordallianz meldet Geländegewinne

Die afghanische Anti- Taliban-Allianz im Norden des Landes hat am Mittwoch weitere Geländegewinne vermeldet, ihre angekündigte Offensive aber offenbar nicht nicht begonnen. Die USA setzten ihre intensiven Bombardements der Taliban-Stellungen an der Front fort. B-52- Bomber flogen mehrere Angriffswellen. Auch die Städte Kabul und Dschalalabad wurden beschossen.

Reuters RABAT/KABUL. Die Taliban erklärten, die Bombenangriffe hätten ihre Kampffähigkeit nicht beeinträchtigt und würden vor allem Zivilisten treffen. In die Militäraktion der USA sollen weitere Staaten einbezogen werden: Italiens Regierung sagte zu, 2700 Soldaten bereitzustellen.

"Unsere Kämpfer sind bis Schugar vorgerückt", sagte Ustad Mohakik, einer der Anführer der Nordallianz. Der Ort liegt 60 Kilometer von Masar-i-Scharif entfernt, einer strategisch wichtigen Stadt im Norden Afghanistans. Auch die Truppen der usbekischen Minderheit des Generals Abdul Raschid Dostum waren auf Schugar vorgerückt. Am Vortag hatte die Opposition bereits die Einnahme von Positionen 40 Kilometer vor Masar-i-Scharif gemeldet. In den seit Jahren anhaltenden Kämpfen in der Region verschoben sich die Frontverläufe mehrfach. Zuverlässige Informationen über die Lage im Kampfgebiet gibt es nicht.

Die US-Truppen bombardierten auch wieder Taliban-Stellungen nördlich von Kabul. Ein Reuters-Fotoreporter zählte mindestens fünf Angriffswellen. Zunächst warfen die B-52-Bomber besonders schwere Bomben ab. Dann belegten sie die Schützengräben mit vielen kleineren Bomben. "Sie haben die richtigen Stellen getroffen", sagte ein Kommandeur der Nordallianz. Dort hätten sich Kämpfer der El-Kaida-Organisation des Moslemextremisten Osama bin Laden verschanzt, die die Taliban unterstützen.

Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschläge vom 11. September in New York und Washington verantwortlich. Die Taliban gewähren ihnen Unterschlupf.

Nach Taliban-Angaben treffen die Bombenangriffe vor allem Zivilisten. In einem Dorf bei Dschalalabad sollen sechs Menschen getötet und sieben verletzt worden sein. Nach Taliban-Angaben starben durch die US-Angriffe bislang 1500 Zivilisten. Die USA weisen diese Zahl als völlig überzogen zurück.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gab am Dienstag bekannt, dass die Sonderkommando-Einheiten in Afghanistan seit vergangener Woche mehr als verdoppelt worden seien. Sie sollen weiter verstärkt werden. Diese Spezialkommandos sollen Ziele für die Bomber aufklären und zugleich die Nordallianz unterstützen.

Die US-Truppen werden seit Beginn der Angriffe von Großbritannien unterstützt. Derzeit hat auch Frankreich rund 2000 Soldaten im Afghanistan-Einsatz, wie Präsident Chirac mitteilte. Italien kündigte am Mittwoch an, es werde fast 3000 Soldaten zur Verfügung stellen. In Berlin beschloss das Bundeskabinett die Bereitstellung von 3900 Mann der Bundeswehr.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf äußerte bei einem Kurzbesuch in der türkischen Stadt Istanbul die Hoffnung, dass der US-Militäreinsatz nicht im moslemischen Fastenmonat Ramadan anhalten. Er werde darüber mit US-Präsident George W. Bush sprechen, sagte Musharraf, der sich auf dem Weg zur UNO in New York befindet. Musharraf traf in Iran mit dem Vizepräsidenten Mohammad Resa Aref zusammen. Weitere Zwischenstopps sind in Paris und London geplant. Pakistan unterstützt die USA in dem Militäreinsatz und hat dadurch Kritik in der moslemischen Welt auf sich gezogen.

Die Taliban haben unterdessen einen weiteren Opposionellen hingerichtet, wie Mitglieder seiner Familie berichteten. Bei dem 22-jährigen Mann soll es sich um einen Neffen des kürzlich hingerichteten Oppositionsführers Abdul Hak handeln. Die Leiche des Mannes wurde Familienangehörigen in Dschalalabad übergeben. Abdul Hak und sein Neffe Issatullah waren in Afghanistan unterwegs, um die Stämme der Paschtunen zur Abkehr von den Taliban zu bewegen. Hak setzte sich für eine Rückkehr des in Rom lebenden früheren Königs Mohammed Sahir Schahein ein, der als Integrationsfigur der Afghanen gilt. Hak und seine Leute waren von Taliban-Kämpfern gestellt und festgenommen worden.

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