Afghanistan-Hilfe auf Hochtouren
USA läuft Zeit für Militärschlag davon

Die Zeit für einen von den USA geführten Militärschlag gegen Afghanistan wird nach Ansicht von Experten knapp. "Es könnte eine Frage von Tagen und nicht von Wochen sein", sagt ein westlicher Militärattache.

Reuters BRÜSSEL. Zwar dämpft die US-Regierung derzeit Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden Schlag, doch deuten nach Expertenmeinung alle Faktoren auf eine Aktion ab Anfang kommender Woche hin. Zu diesen Faktoren gehören die humanitäre Lage in Afghanistan, der bevorstehende Winter, die öffentliche Meinung und der Beginn des moslemischen Fastenmonats Ramadan.

Die meisten politischen Voraussetzungen für einen Schlag sind gegeben: Die Taliban verweigern die Auslieferung des von den USA als Hauptverantwortlichen der Anschläge am 11. September betrachteten moslemischen Extremisten Osama bin Landen. Die NATO hat dem Beistandsersuchen der USA zugestimmt. Russland hat seine Unterstützung im "Krieg gegen den Terrorismus" zugesagt. Zudem haben die USA Israel und Palästinenser zu so etwas wie einem Waffenstillstand getrieben. Je länger die USA jetzt mit ihrem Militärschlag warten, desto größer wird die Gefahr, dass die breite internationale Unterstützung schwindet und die öffentliche Meinung einen Militärschlag skeptischer bewertet.

Noch immer bemühen sich die USA um weitere Unterstützung. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bereist Länder des Nahen und Mittleren Ostens. Und auch der britische Premierminister Tony Blair, der Anfang der Woche den Ton gegen die Taliban deutlich verschärfte, wird am Freitag in Pakistan erwartet. Großbritannien und die USA können nach Angaben des Militärattaches Stützpunkte in mehreren zentralasiatischen Republiken und in der Türkei nutzen, auch Pakistan hat seinen Luftraum frei gemacht. Erschwert werden könnten Operationen durch die Weigerung Saudi-Arabiens, als Einsatzzentrale zu dienen.

Gleichzeitig laufen die Hilfslieferungen nach Afghanistan auf Hochtouren. Offensichtlich sind die USA daran interessiert, dass die Hilfslieferungen die Zivilbevölkerung vor einem Militärschlag erreichen. Christopher Langton vom Londoner Institut für Strategische Studien verweist zudem auf den herannahenden kalten afghanischen Winter. Es bleibe kaum noch einen Monat Zeit, danach werde der Einsatz von Hubschraubern, Bodentruppen und Spezialeinheiten schwierig. Zudem sind die Regierungen in Washington und in London nach Angaben aus Diplomatenkreisen darauf bedacht, die Aktion vor Beginn des Fastenmonats Ramadan Mitte November abzuschließen, um nicht religiöse Gefühle zu verletzen.

Informationen über Aufenthaltsort bin Ladens sind wichtig

Von entscheidender Bedeutung sei jedoch, dass US-Präsident George W. Bush über glaubhafte Informationen über den Aufenthaltsort Bin Ladens verfüge, sagt Langton. Außerdem müssten Kundschafter vor Ort sein, um Angriffsziele für Luftschläge zu markieren und deren Wirksamkeit zu überprüfen. Zwar wollten weder die USA noch Großbritannien in größerem Umfang Bodentruppen entsenden, doch müssten Gebirgsjäger eingesetzt werden, um notfalls Such- und Bergungsaktionen erfolreich starten zu können. Sondereinheiten beider Länder sind diplomatischen Kreisen zufolge bereits in Afghanistan unterwegs.

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