"Afghanistan ist ein Frauengefängnis"
Afghaninnen bereit zum Kampf gegen Taliban

Faranos Nasirs Stimme ist sanft, als sie sagt: "Wir sind starke Frauen und wollen gegen den Terror der Taliban-Regierung kämpfen." Die 34-jährige Afghanin ist Leiterin einer Frauenvereinigung mit inzwischen über 1000 Mitgliedern im Norden von Afghanistan.

Reuters CHODSCHA BAHAWUDDIN. Sie wünschen sich das Ende ihrer Gefangenschaft in alten Traditionen und eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Tausende von afghanischen Frauen seien bereit, sich gegen die Regeln der Taliban-Regierung zu wehren, sagt Nasir. "Sie machen uns wütend - und zugleich stark, gegen ihren Fanatismus zu kämpfen." Auf Anordnung der Taliban müssen Frauen in Afghanistan von Kopf bis Fuß verhüllt sein. Sie dürfen das Haus nur in Begleitung eines männlichen Verwandten verlassen, dürfen weder zur Schule gehen noch eine Arbeit ausüben. "Afghanistan ist ein Frauengefängnis dank der Taliban. Wir genießen keinerlei Rechte. Wir dürfen nicht einmal zum Arzt gehen. Für alles brauchen wir eine Genehmigung", sagt Nasir.

Sie hat versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Im Jahr 1996, kurz vor der Machtübernahme der Taliban, kehrte die gelernte Elektroingeneurin der afghanischen Hauptstadt Kabul den Rücken. Seither lebt sie im Norden Afghanistans, der von Politikern der ehemaligen Regierung und anderen Gegnern der Taliban verwaltet wird. Anstelle des verordneten Ganzkörperumhangs trägt sie lediglich ein Kopftuch. Hier sei es besser dank der Hilfsorganisationen, sagt sie. "Wir können als Lehrer arbeiten und unsere Kinder zur Schule schicken."

Seit der Gründung ihres Vereins zu Beginn des Jahres sind über 1000 Frauen aus dem Norden Afghanistans eingetreten. Sie sprechen in einem offenen Forum über Bildung, Gesundheit und Arbeit. "Zuerst dachten die Frauen, sie könnten nicht arbeiten. Jetzt haben viele von ihnen einen Beruf", sagt Nasir. Gemeinsam wehren sie sich gegen die Regeln der Taliban - und gegen die traditionellen Ansichten ihrer eigenen Männer.

Ein großes Hindernis stellt nach Ansicht Nasirs das mangelnde Bildungsniveau der Frauen dar. Wären sie gebildeter, fiele ihnen der Kampf um ihre Rechte leichter. "Sie haben große Angst vor der Tradition", sagt sie. Beispielsweise trügen sie die Burka (Ganzkörperumhang), weil sie Angst davor hätten, die Taliban könnten das Gebiet erobern und sie umbringen.

Nasir stellt zwei Anforderungen an eine neue, afghanische Regierung. "Sie muss demokratisch gewählt sein", sagt sie. Und sie müsse den Mut haben, Entscheidungen auch gegen traditionelle Verhältnisse zu fällen. Dazu gehöre, die Rechte der Frauen zu schützen.

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