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«Afrika Remix» - Zeitgenössische Kunst eines Kontinents

Düsseldorf (dpa) - «Aus Afrika kommt immer etwas Neues», wusste schon vor 2000 Jahren der römische Naturkundler Plinius. Neues zur zeitgenössischen Kunst Afrikas bietet eine Ausstellung in Düsseldorf.

Düsseldorf (dpa) - «Aus Afrika kommt immer etwas Neues», wusste schon vor 2000 Jahren der römische Naturkundler Plinius. Neues zur zeitgenössischen Kunst Afrikas bietet eine Ausstellung in Düsseldorf.

Unter dem Titel «Afrika Remix» sind im museum kunst palast bis zum 7. November Arbeiten von rund 90 Künstlern aus 25 Ländern des Kontinents ausgestellt, der im Bewusstsein der restlichen Welt zumeist nur als Herd von Katastrophen oder Krisen und nicht der Kreativität gesehen wird.

Die 140 Malereien, Videos, Skulpturen oder Fotos stammen teils von bereits international bekannten Künstlern wie dem Südafrikaner William Kentridge, der Apartheid und Gewalt zum Thema macht, oder von Bodys Isek Kingelez, der sich in karikierenden Modellen mit Megacitys der «Dritten Welt» beschäftigt. Nach Düsseldorf wird diese erste Übersicht über die moderne Kunst des ganzen Afrika, die in Ateliers zwischen Kairo und Kapstadt entstand, noch in London, Paris und Tokio gezeigt.

Genießt die alte Kunst afrikanischer Völker längst hohe Wertschätzung als Beitrag zur «Weltkunst», sind die zeitgenössischen Strömungen heute in den Fluss des globalisierten Kunstgeschehens eingemündet; sie unterscheiden sich stilistisch nicht von Werken aus anderen Weltecken. Dennoch geht es den afrikanischen Künstlern - zwischen Können und gut gemeintem Polit-Kitsch - im Zeichen des Post-Kolonialismus deutlich um die Frage der kulturellen Identität.

«Der Chef, der Afrika an die Kolonisten verkauft hat», nennt der Kameruner Fotograf Samuel Fosso seinen mit Fell und lächerlichen Modeschuhen ausstaffierten «Häuptling»; Ernest Weangai schneiderte augenzwinkernd aus Bastfasern als europäisches Jackett «Das Kostüm des Negers» und der in London geborene Nigerianer Yinka Shonibare tapezierte einen victorianischen Salon als bunte, raumfüllende Installation mit Tapeten im afrikanischen Textilmuster.

Auf dieses selbstironische Spiel mit Klischees verzichten die Künstler aus dem islamisch geprägten Nordafrika. Der Marokkaner Hicham Benohoud fragt mit seinen Fotos verfremdeter Gesichter nach dem eigenen Selbstbild. Aus Algerien stammt das Video eines Bauchtanzes zum Rhythmus der Marseillaise. Die vielen einfühlsamen Beispiele der Porträtfotografie, älteste der «modernen» Kunstformen Afrikas, gehören zu den Stärken der Düsseldorfer Schau. Eileen Perrier, in London lebende Ghanaerin, illustriert charmant die schwierige Wahrheit, dass alle Menschen gleich geschaffen sind: Sie komponierte zehn Porträts von Weißen und Schwarzen mit identischen Zahnlücken zu einem hintersinnigen Foto-Tableau.

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