AG Bäuerliche Landwirtschaft klagt gegen Unbekannt
Klärung gefordert, wer BSE-Verantwortung übernehmen soll

Jemand soll die Verantwortung für das Ausbrechen der Rinderseuche in Deutschland übernehmen. Die AG Bäuerliche Landwirtschaft klagt gegen Unbekannt.

ap FRANKFURT/MAIN. Nach dem Ausbruch der Rinderseuche BSE in Deutschland will die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft Klage gegen Unbekannt einreichen. Der Grünen-Politiker Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender des Agrarausschusses der Europäischen Union und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, sagte am Dienstag im Berliner DeutschlandRadio, es müsse geklärt werden, wer die Verantwortung für eventuelle Schadensfälle zu tragen habe. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, warnte indessen vor überzogenen Reaktionen.

Baringdorf forderte einen Untersuchungsausschuss zur BSE-Krise. Es müssten verbindliche Regelungen gefunden werden und nicht individuelle Lösungen, die dann den Einzelnen im Regen stehen ließen. Der Europa-Abgeordnete bekräftigte zugleich, dass er das geplante Verbot von Tiermehl befürworte. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel verteidigte dieses Verbot als "absolut richtig".

Wille ist für einheitliches Vorgehen in der EU

Der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Martin Wille, äußerte im ZDF die Erwartung, dass sich die EU-Agrarminister bei ihrer Sondersitzung am kommenden Montag auf ein "gemeinschaftskonformes" Vorgehen einigen. Ein Problem stelle die Entsorgung der Mill. Tonnen Fleischabfälle dar, die wegen der BSE-Krise anfielen.

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet Massenschlachtungen, die wegen mangelnder Absatzchancen auch gesunde Herde betreffen könnten. Der Präsident der Organisation, Wolfgang Apel, beklagte im ZDF, dass Tiere wieder einmal wie eine Ware behandelt und vernichtet würden. Im NDR forderte Apel ein Umdenken bei der Tierhaltung.

Dagegen betonte Sonnleitner, der Rindfleischverzehr in Deutschland sei noch nicht eingebrochen. Das Vertrauen der Verbraucher sei nach wie vor sehr groß, sagte der Bauernpräsident der "Rheinischen Post". Besorgt äußerte er sich über die Zukunft des deutschen Rindermarktes. Schon jetzt gebe es einen Preisverfall.

Millionenschades für die deutsche Landwirtschaft

Der CDU-Agrarexperte Peter Harry Carstensen rechnet mit einem Milliardenschaden für die deutsche Landwirtschaft, wie er im Berliner InfoRadio erklärte. Als Ausgleich solle die Regierung zusätzliche Haushaltsmittel von 300 Mill. DM bereitstellen. Die Gewerkschaft NGG äußerte im Sender FAZ 93,6 Berlin die Befürchtung, dass in der Futtermittelindustrie und auf Schlachthöfen mehr als 10 000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten.

Das Umweltmagazin "Öko-Test" forderte ein Verbot von so genanntem Sepatorenfleisch, wie es in Brühwürstchen verwendet werde. Dieses könne Hirn und Rückenmark enthalten, das mit BSE-Erregern infiziert sein könnte. Der Creutzfeldt-Jakob-Experte Hans Kretzschmar verlangte die Einrichtung eines unabhängigen wissenschaftlichen Beratungskomitees. Ferner solle der Staat Geld für die Entwicklung eines Medikaments gegen die Krankheit bereitstellen, die vom Verzehr BSE-verseuchten Fleisches ausgelöst werden könne, erklärte der Münchner Neuropathologe im "Stern".

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