AGF-Aktie gibt rund 5 Prozent nach
Allianz-Tochter AGF enttäuscht die Börse

Der zweitgrößte Versicherer Frankreichs hat am Dienstag für das Jahr 2001 ein Konzernergebnis vorgelegt, dass am unteren Ende der Expertenerwartungen lag. Das stark wachsende Geschäft mit Lebensversicherungen verhinderte schlimmeres. Sorgenkinder sind die Vermögensverwaltung und das Kreditgeschäft.

PARIS. Gute Erträge aus dem Lebensversicherungsgeschäft dienten dem französischen Versicherer Assurances Generales de France (AGF) quasi als Airbag, um das für die Branche kritische Jahr 2001 mit moderaten Blessuren in der Bilanz zu überstehen. Doch der Gewinnanstieg in dieser Sparte um über 50 Prozent reichte nicht aus, um den Konzerngewinn zu retten. Das Nettoergebnis sank um rund 15 Prozent auf 717 Mill. Euro, erklärte AGF-Vorstandschef Jean-Philippe Thierry auf der Bilanzpressekonferenz. Obwohl ein Ergebnis auf diesem Niveau erwartet worden war, gab die Aktie nach Bekanntwerden der Zahlen rund fünf Prozent nach. Thierry versprach, bis 2004 eine "signifikante" Verbesserung der Profitabilität erreichen zu wollen. Konkretere Angaben machte er aber nicht.

Die AGF ist der zweitgrößte Versicherer Frankreichs und gehört mehrheitlich zum Allianz-Konzern. Das Unternehmen ist vor allem im Lebens-, Sach- und Kreditversicherungsgeschäft aktiv. Bereits im Februar hatte Thierry angekündigt, dass das Ergebnis des Konzerns am unteren Ende der Markterwartungen (700 bis 800 Mill. Euro) ausfallen dürfte.

Der Rückgang beim Konzerngewinn hat mehrere Ursachen. Im Bereich Vermögensverwaltung/Bank AGF hat sich der Gewinn fast halbiert. Er beläuft sich nur noch auf 34 Mill. Euro. Neben dem schlechten Verlauf der Aktienmärkte im vergangenen Jahr liegt die Ursache hierfür laut Thierry auch in den Aufbaukosten der eigenen Bank.

In der Sparte Sachversicherung ging der Gewinn ebenfalls um über 16 Prozent auf 278 Mill. Euro zurück. Zwar war AGF nur marginal an der Deckung der Schäden aus den Terrorattacken in den USA beteiligt. Doch Schäden wie der Unfall in einer Chemiefabrik in Toulouse hinterließen Spuren. Zudem kämpft der französische Versicherer mit Problemen im Ausland, vor allem in Belgien. Insgesamt sank zwar in der Sachsparte das Verhältnis von Kosten/Schäden zu den Prämieneinnahmen (combined ratio), diese Quote liegt aber immer noch bei 113,3 Prozent (Vorjahr: 117,9 Prozent).

Der allgemeine konjunkturelle Rückgang bremste zudem die Entwicklung der Sparte Kreditversicherung. Hier sank der Gewinn um über 20 Prozent. Kreditversicherer der Gruppe ist das der weltweite Marktführer Euler & Hermes.

Darüber hinaus drückten eine Reihe von Sonderfaktoren auf das Ergebnis. Abschreibungen auf Goodwill belaufen sich auf 104 Mill. Euro, Kosten für Abschreibungen von Aktivitäten in Argentinien sowie für ein Frühverrentungsprogramm reduzieren das Ergebnis um weitere 46 Mill. Euro.

Bei den Prämieneinnahmen konnte der Konzern dagegen ein Plus verbuchen: Sie legten um gut fünf Prozent auf 16,62 Mrd. Euro zu.

"Die Zahlen decken sich mit unseren Erwartungen", sagt Thomas Fossard, Analyst bei BNP-Paribas. Im Sachgeschäft erwartet er eine Verbesserung der Ergebnisse, da die Branche nach dem 11. September deutlich höhere Prämien für Versicherungsschutz durchsetzen kann. "In der Lebensparte bin ich aber skeptisch, ob die Margenentwicklung in diesem Maß haltbar ist", meint Fossard. Sollten die Kapitalmärkte nicht wieder deutlich bessere Erträge abwerfen, drohe in der Lebensparte der Gewinn zu sinken. So sind laut AGF die stillen Reserven der Kapitalanlagen (Differenz zwischen Marktwert eines Wertpapiers und Kaufpreises) vergangenes Jahr um zwei Mrd. Euro auf 5,03 Mrd. Euro gefallen.

Für die Zukunft hat sich AGF-Chef Thierry unter anderem eine Verbesserung der Profitabilität der Sachsparte vorgenommen. Damit hier die Ergebnisse weniger schwankungsanfällig werden, hat sich AGF zum Beispiel Ende vergangenen Jahres von seinem Transportversicherer AGF MAT getrennt. Die Allianz hat ihn übernommen.

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