"Aggressiv in den Markt gehen"
Gericom wehrt sich gegen Spekulationen

Die Gericom AG hat am Mittwoch das Ergebnis eines Gutachten vorgelegt, mit dem der österreichische Notebookhersteller neuerlich den Marktgerüchten über angebliche Liquiditätsschwierigkeiten und Bilanzfälschung entgegen tritt.

rtr WIEN. "Beides ist eindeutig entkräftet worden. Unsere Liquidität ist hervorragend und unsere Bücher sind in Ordnung", sagte Hermann Oberlehner, Vorstandsvorsitzender der Gericom, am Mittwoch zu Reuters. Oberlehner kündigte aber auch an, "aggressiv in den Markt zu gehen", um den Umsatzrückgang im ersten Quartal 2002 wett zu machen, der sich aus der verzögerten Markteinführung des neuen P4 Notebooks ergibt. Zahlen für das erste Quartal 2002 will Gericom kommenden Freitag vorlegen, weshalb Oberlehner keine näheren Angaben dazu machen wollte. "Über die "Mediamarkt"-Kette wird ein Notebook mit besserer Konfiguration in Deutschland zum gleichen Preis verkauft als das Konkurrenzprodukt bei 'Aldi'", sagte Oberlehner.

Gericom war am 2. Mai 2002 mit Marktgerüchten konfrontiert worden, dass es Liquiditätsprobleme gebe. Zudem sei womöglich die Bilanz nicht korrekt, hatte der Online-Dienst "Der Aktionär" mit Berufung auf Händlerkreise berichtet. Die Aktie war daraufhin stark gefallen und hat sich seitdem nicht erholt.

Gericom war den Gerüchten vehement entgegen getreten. Zugleich hat der Aufsichtsrat die Wirtschaftsprüfer RölfsPartner in Düsseldorf beauftragt, beide Vorwürfe zu überprüfen.

Erwartungsgemäß habe die Prüfung zu keinen Beanstandungen geführt. Sowohl die gute Liquiditätslage, als auch die durch die österreichische KPMG Alpen GmbH-Treuhand Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft festgestellte Bilanz 2001 seien korrekt und voll umfänglich bestätigt worden, heißt es bei Gericom.

RölfsPartner aus Düsseldorf stellen in ihrem Gutachten fest, dass die Liquiditätslage richtig dargestellt wurde und es auch keinerlei Hinweise auf eine Bilanzfälschung gebe. Zum 30. April 2002 verfügte der Gericom-Konzern demnach über liquide Mittel in Höhe von 47,1 Mill. ?. Ziehe man die freien Kreditlinien dazu, wäre ein Gesamtfinanzierungsrahmen von 104,1 Mill. ? zur Verfügung gestanden, heißt es in einem Schreiben von RölfsPartner an den Aufsichtsratvorsitzender der Gericom, Jochen Tschunke, das Reuters vorliegt.

Oberlehner erneuerte den Anfang Mai gemachten Vorwurf, dass die Gerüchte "ein Untergriff" eines Mitbewerbers seien.

Oberlehner hatte eine Prämie von 100 000 ? aus seinem privaten Vermögen für Hinweise auf die Urheber ausgelobt. Bis heute habe er einige Hinweise, Vermutungen, aber keine konkreten Anhaltspunkte erhalten, sagt Oberlehner. Der Fall werde aber von den deutschen Aufsichtsbehörden untersucht.

Gericom notierten Mittwochmittag am Frankfurter Neuen Markt mit 15,15 (14,80) Euro deutlich fester als zuletzt. Die Aktie war Anfang Mai durch die erwähnten Marktgerüchte stark unter Druck gekommen und hat seither stark an Terrain verloren. Seit Jahresbeginn haben Gericom insgesamt 50,65 % verloren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%