Aggressives Spiel
Schewtschenko schießt Milan ins Finale

Neun Jahre nach dem Triumph von Athen hat der AC Mailand erneut die Chance zum Gewinn der Champions League. In einem emotionsgeladenen Stadtderby trennte sich der 16-malige italienische Meister am Dienstag von Inter Mailand mit 1:1 (1:0) und erreichte damit nach dem torlosen Hinspiel dank des "Auswärtstores" das Finale am 28. Mai in Manchester.

HB/dpa MAILAND. Vor 85 300 Zuschauern im ausverkauften Meazza-Stadion ging Milan durch einen Geniestreich des Ukrainers Andrej Schewtschenko in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit in Führung, die der erst 18-jährige Nigerianer Martins in der 83. Minute ausglich.

Im Endspiel trifft Milan, das zuletzt 1994 durch ein 4:0 gegen den AC Mailand die begehrteste Trophäe im europäischen vereinsfußball gewannn, auf Real Madrid oder Juventus Turin. Während die Rot-Schwarzen damit eine insgesamt verkorkste Saison noch retten können, steht Inter vor einem Scherbenhaufen. Angesichts der verfehlten Saisonziele scheint die Trennung vom ungeliebten Trainer Hector Cuper (Argentinien) unausweichlich.

Wie schon im tor- und trostlosen Hinspiel blieben die Hauptdarsteller auch im 255. Stadtderby weit hinter den hoch gesteckten Erwartungen. Die Partie verlief vor stimmungsvoller Kulisse mit Ausnahme der letzten Minuten in ähnlich unspektakulären Bahnen wie das Kräftemessen vor knapp einer Woche: Beide Teams zeigten wenig Mut zum Risiko, produzierten stattdessen viele Fehler und unzählige Fouls.

Angesichts der immer größer werdenden Aggressionen auf dem Platz forderte der französische Schiedsrichter Gilles Veissiere in einem Sechs-Augen-Gespräch sogar beide Kapitäne auf, beruhigend auf die Teamkollegen einzuwirken. Nach Schewtschenkos Führungstor aber drohte die Situation zu eskalieren, als sich meherere Spieler rangelten und Milan-Kapitän Paolo Maldini dabei zu Boden ging. Veissiere behielt seine Rote Karte aber in der Tasche und schickte die Gemüter zum Abkühlen in die Halbzeitpause.

Der AC Mailand, der schon beide Saisonderbys in der italienischen Meisterschaft gewonnen hatte, war über weite Strecken die feldüberlegene Elf und bemühte sich wenigstens um einen konstruktiven Spielaufbau. Dagegen wurde Inter erneut seinem schlechten Ruf als rigoroser Vertreter des Catenaccio gerecht. Diese Maurer-Taktik ging bis zur Nachspielzeit der ersten Halbzeit auf. Dann überwand Schewtschenko mit einer feinen Einzelleistung die Beton-Abwehr. Nach einem Zuspiel von Clarence Seedorf setzte sich der Ukrainer gegen den Kolumbianer Ivan Cordoba durch und überwand im Fallen auch noch Italiens Nationaltorhüter Francesco Toldo zur verdienten Führung.

Mit dem "Auswärtstor" im Rücken spulte Milan nach dem Seitenwechsel lange Zeit überlegt und überlegen sein Pensum herunter, während Inter weiterhin uninspiriert und mutlos agierte. Umso überraschender fiel nach einem Fehler von Maldini durch den eingewechselten Martins das 1:1. Plötzlich schien das Spiel noch zu kippen, denn Milan verlor auf einen Schlag alle Selbstsicherhei, während Inter endlich - aber erfolglos - zum Angriff blies.

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