Agrarbankgruppe pariert BNP-Attacke auf Credit Lyonnais
Crédit Agricole schlägt zurück

Nachdem sich BNP Paribas ungebeten zum größtem Aktionär bei Crédit Lyonnais gemacht hat, holt Crédit Agricole nun offenbar zum Gegenschlag aus und sichert sich weitere Anteile. Das Wettbieten droht zu eskalieren.

PARIS. Mit dem Verkauf mehrerer Aktienpakete ist am Wochenende die Schlacht um die Kontrolle der französischen Großbank Crédit Lyonnais (CL) offen ausgebrochen. Allein für die drei größten Partien - 3,35 Prozent, 2,12 Prozent und 0,63 Prozent des CL-Kapitals - gingen fast 1,2 Mrd. Euro über den Tisch. Käufer und Verkäufer gaben sich noch nicht zu erkennen. Börsenkreise machten aber hinter den Käufen die genossenschaftliche Crédit Agricole aus. Diese hätte ihren Anteil an CL damit auf 18,3 Prozent erhöht und Mitbewerber BNP Paribas (16,2 Prozent) in seine Schranken verwiesen.

BNP Paribas, Frankreichs größte Privatbank, hatte sich vor zwei Wochen überraschend für 2,2 Mrd. Euro bei Crédit Lyonnais (CL) eingekauft und hat den Anteil seither kräftig aufgestockt.

Die Agrargenossen um Crédit Agricole wollen sich mit einer neuen Strategie für Crédit Lyonnais dennoch Zeit lassen. Der Präsident des Geno-Verbandes, René Carron, und Jean Laurent, Vorstandschef des Spitzeninstituts Crédit Agricole S.A. (Casa), wollen sich vor dem 19. Dezember 2002 auf eine Marschroute festlegen. Beide halten am Ziel der Gruppe fest, CL unter Kontrolle zu bringen. Bankanalysten raten ihnen dabei aber zu mehr Tempo. Denn die Genossen haben in BNP-Paribas-Chef Michel Pébereau, einen harten Gegner. Er hatte 1999 die Banque Paribas gegen den Willen des Managements und der Aktionäre erobert.

Pébereau hatte zwar erklärt, eine Übernahmeofferte für Crédit Lyonnais stehe für BNP Paribas "nicht auf der Tagesordnung". Doch nun ließ er in einem Brief an CL-Chef Jean Peyrelevade erkennen, BNP Paribas werde die Bankaufsicht Cecei um die Genehmigung einer "sehr bedeutsamen Beteiligung am Kapital von Crédit Lyonnais" ersuchen. Wie viel Prozent er unter "sehr bedeutsam" versteht, hat Pébereau bisher aber nicht zu erkennen gegeben. Ein Sprecher der Bank lehnte jeden weiteren Kommentar dazu ab.

In Bankenkreisen ist man sich sicher, dass BNP Paribas die Beute CL nicht mehr loslassen wird. Pébereau macht keinen Hehl daraus, dass er BNP zur in Europa führenden Filialbank machen will. Zudem würde er mit der Übernahme den Konkurrenten Société Générale abschütteln.

"Pébereau übt jetzt mächtig Druck auf CL aus", sagte ein Analyst. "Erst fordert er in eiskaltem Ton eine intensive Kooperation, und dann heizt er dem Management mit der Ankündigung einer wesentlichen Aufstockung ein." Die mit 32 Mrd. Euro bewertete BNP Paribas gilt als stark genug, für CL einen strategischen Preis zu zahlen. Analysten rechnen bei CL mit Kurssteigerungen bis auf 70 Euro. Die Mehrheit an der Bank würde dann etwa zwölf Mrd. Euro kosten. Auch Crédit Agricole, die unter Frankreichs Filialbankgruppen mit rund 18 Prozent den mit Abstand größten Marktanteil hat, gilt als stark für eine Übernahmeschlacht. Allerdings ist das Spitzeninstitut Casa nur mit knapp 15 Mrd. Euro bewertet.

Die Kriegskasse der Gruppe sind die Einlagen der Privatkunden bei den Mitgliedskassen im französischen Hinterland. Diese will Crédit Agricole mit dem vorwiegend städtischen Crédit- Lyonnais-Filialnetz zusammen führen.

Die Ursachen der Frontstellung zwischen Crédit Agricole und BNP Paribas liegen in der politisch gesteuerten Privatisierung des Bankensystems. Deren letzter großer Schritt war 1999 der Börsengang von CL. Die damalige Regierung machte Crédit Agricole zum führenden CL-Aktionär und plädierte für eine Kooperation mit Aussicht auf eine Fusion. Zudem band sie die sechs stärksten CL-Aktionäre mit Vorkaufsrechten für ihre Pakete bis 2003 aneinander. Bis zum Einstieg von BNP Paribas trat niemand den Ansprüchen von Crédit Agricole bei CL entgegen. Zwar rückte die Allianz-Tochter AGF den Agrarbankern vor Monaten mit einer Aufstockung der Anteile auf 10,5 Prozent auf die Pelle. Doch AGF und Allianz streben nach eigener Darstellung keine Kontrolle von CL an. Die übrigen Großaktionäre, die wie AGF/Allianz eine Beteiligung an den Transaktionen vom Wochenende abstritten, haben keine Ambitionen. Sie werden ihre Pakete nach Auslauf der Vorkaufsfrist im Sommer 2003 voraussichtlich dem Meistbietenden andienen.

Bisher gibt es auch keine Gewissheit, dass eines der am Freitag verkauften Pakete an BNP Paribas gegangen ist. Ein CL-Sprecher teilte mit, laut Satzung der Bank müsse sich der Käufer binnen fünf Tagen offenbaren. Doch wird die von Peyrelevade zur Wahrung seiner Unabhängigkeit erdachten Meldepflicht offenbar nicht respektiert, deutete ein Analyst an. Bisher war außer den Kernaktionären sowie BNP Paribas und Société Générale (vier Prozent) kein größerer Aktionär bekannt. Dennoch gab es drei, die ihre Pakete verkauft haben.

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