Agrarminister in Bund und Ländern für Impfung
Maul- und Klauenseuche kaum noch einzudämmen

Die Maul- und Klauenseuche ist kaum noch einzudämmen. In Großbritannien könnte sich die Zahl der MKS-Fälle nach einem Wissenschaftler-Bericht vom Freitag in den nächsten drei Monaten auf bis zu 4 000 erhöhen.

ap BERLIN/LONDON. Deutschland wappnet sich für den ersten MKS-Fall: Bei einem Treffen in Cottbus einigten sich die Agrarminister von Bund und Ländern darauf, dass bei einer Infizierung alle Tiere des betroffenen Bestandes gegen MKS geimpft und danach getötet werden. Der Verdachtsfall in Niedersachsen bestätigte sich nicht.

Wegen der Warnungen vor einer drastischen Ausbreitung von MKS beschloss die britische Regierung, ihr Massenschlachtprogramm auszuweiten. Die Niederlande forderten die EU unterdessen auf, Impfungen gegen die Seuche zuzulassen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs lehnten dies auf ihrem Gipfel in Stockholm jedoch ab.

Bis zum Freitag waren in Großbritannien etwa 490 Höfe von der Tierseuche befallen. Allein in den kommenden zwei Wochen könnte es trotz Vorsichtsmaßnahmen jeden Tag 70 neue Fälle geben.

Ferkel aus den Niederlanden in Hessen

In Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden mehr als 1 300 Ferkel entdeckt, die aus dem niederländischen Maul- und Klauen-Seuchen-Gebiet stammen. Der hessische Betrieb wurde vom Sozialministerium gesperrt. Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn ließ nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen 913 Ferkel auf drei Bauernhöfen töten.

Außerdem untersagte Höhn wegen einer möglichen Übertragung von MKS-Viren die ab Montag geplante Massenschlachtung von Rindern in ihrem Bundesland. Schleswig-Holstein forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast auf, das für Montag geplante BSE-Schlachtprogramm für die 400 000 Rinder zu verschieben. Künast lehnte dies bisher allerdings ab.

Auch weiterhin Tötung ohne Impfung

Die Agrarminister von Bund und Länder legten in Cottbus fest, dass in bestimmten Fällen auch nicht infizierte Tiere in einem begrenzten Radius um den Seuchenherd zu impfen seien. Bei frühzeitigem Erkennen einer Infizierung werde der jeweilige Bestand weiterhin ohne Impfung getötet, heißt es in dem Ministerbeschluss.

Flächendeckende MKS-Schutzimpfungen werde es nach wie vor nicht geben, erklärte Künast. Deutschland sei gut auf die MKS-Gefahr vorbereitet. Die Grünen-Politikerin zeigte sich optimistisch, dass die Seuche bei Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen unter Kontrolle zu halten sei. Sie wolle das Thema MKS-Impfungen nochmals auf EU-Ebene ansprechen, um einen Abbau der Restriktionen zu erreichen.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner und der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel plädierten ebenso wie der FDP-Bundestagsabgeordnete Ulrich Heinrich für MKS-Schutzimpfungen. Heinrich sprach sich für eine "Korridor-Impfung" aus, um deutsche Bestände in einem Streifen von 50 Kilometern an der Grenze zu den Seuchengebieten in Holland zu immunisieren.

FDP-Politiker fordert Verschiebung der Osterferien

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz und die "Stiftung Warentest" rieten von Reisen in Gebiete ab, in denen Tiere an der Maul- und Klauenseuche (MKS) erkrankt sind. Der FDP-Gesundheitsexperte Detlef Parr forderte sogar die Bundesländer auf, angesichts der Seuche eine Verschiebung der Osterferien zu prüfen.

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