Agrarpolitik in Argentinien
Kampf ums Fleisch

Argentiniens Rinderbarone machen mit einem Streik ihrem Ärger Luft. Anlass des Protests ist die Politik von Nestor Kirchner. Der Präsident hat im März einen Exportstopp über die Branche verhängt, um die Preise auf dem internen Markt zu senken. Den Viehzüchtern gingen dadurch bis zu 30 Prozent der Einnahmen verloren.

BUENOS AIRES. Das 34 Hektar große Gelände des gigantischen Viehmarktes "Liniers" vor den Toren von Buenos Aires ist wie ausgestorben. Gerade mal 300 Kühe dösen unbehelligt in den mehr als 2 000 kleinen Holzpferchen. An normalen Tagen drängen sich hier etwa 15 000 Rinder, deren missmutiges Brüllen sich mit den Rufen der Bieter und Käufer auf den Holzgängen über den Pferchen zu einem beachtlichen Lärm vermischt. Liniers ist der größte Viehmarkt Argentiniens, hierher rollen tagtäglich viele tausend mit Rindern beladene Lastwagen aus dem ganzen Land.

Doch in diesen Tagen ist alles anders. Argentiniens Rinderzüchter, genauer die 100 000 Produzenten des landwirtschaftlichen Dachverbands "Confederaciones Rurales Argentinas" (CRA), haben zu einem viertägigen Streik aufgerufen. Seit Samstag und noch bis Mitte dieser Woche werden praktisch keine Rinder nach Liniers geliefert. Auch die Getreidelieferungen sind teilweise eingeschränkt.

"Die Beteiligung am Streik war groß und spiegelt die Stimmung der Produzenten wieder", sagt Alfredo Bel, Repräsentant der argentinischen Agrarföderation. Schon lange fühlten sich die Rinderbarone benachteiligt und beklagten die Abwesenheit eines nationalen Entwicklungsplans für die Rinderzucht, die wohl traditionellste Branche des Landes. Endgültig vorbei war es mit der Geduld der Landwirte, als Präsident Nestor Kirchner die "Rinderoligarchie" und die "großen Landbesitzer" für die zweistelligen Inflationsraten mitverantwortlich machte und im März einen Exportstopp über die Branche verhängte. Auf diese Weise wollte er das Angebot für den internen Markt vergrößern und die Preise senken. Die Fleischpreise waren zuvor stark angestiegen, da die Produktion der hohen Nachfrage im Zuge von Wirtschaftswachstum und einem Exportboom nicht standhalten konnte. Das zarte Fleisch der grasgefütterten Pamparinder erfreut sich spätestens seit den BSE-Skandalen auch weltweit großer Beliebtheit. "Wir haben einen exzellenten internationalen Kontext, Argentinien verliert eine große Gelegenheit", weiß CRA-Chef Mario Llambias.

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