Agressives Wachstum außerhalb Schwedens ist finanzierbar
Deutschland für SEB interessantester Bankenmarkt

Eine anhaltende Schwäche der Finanzmärkte wegen der ungewissen Zukunft nach den Anschlägen in den USA könnte nach Einschätzung des Vorstands-Chefs der deutschen SEB AG, Lars Lundquist, die notwendige Neuordnung des Bankensektors in Europa hinauszögern.

Reuters FRANKFURT. "In unsicheren Zeiten wie diesen sind viele (Banken) sehr zögerlich, etwas zu kaufen oder zu fusionieren", sagte Lundquist am Dienstag in einem Interview. Der schwedische Mutterkonzern SEB werde sich nach der Aufgabe der Fusion mit der Swedbank auf die Integration der in den vergangenen Jahren gekauften Banktöchter konzentrieren. Die Umbenennung der ehemaligen BfG Bank in SEB AG sei bei Kunden und Mitarbeitern auf hohe Akzeptanz gestoßen: "Wir sind mehr als zufrieden."

Deutschland sei aus Sicht des schwedischen Finanzkonzerns Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) wegen des wachsenden Bedarfs an privater Altersvorsorge der interessanteste Bankenmarkt. Die schwedische Gruppe hatte im vergangenen Jahr die BfG Bank AG übernommen. Das Zusammengehen mit der schwedischen Swedbank, das die Banken vergangene Woche wegen aus ihrer Sicht unakzeptabler Auflagen der EU-Kommission aufgegeben hatten, hätte der SEB die Finanzierung "aggressiven Wachstums außerhalb Schwedens" ermöglicht. Lundquist zufolge hätte die Fusion andererseits die Aufmerksamkeit des Managements zu stark auf den heimischen Markt gelenkt. "Ich will eine internationalere SEB. Die Fusion wäre ein Schritt rückwärts zu einer heimischeren Bank gewesen." Langfristig müsse die SEB, die auch in Skandinavien, dem Baltikum und Polen präsent ist, außerhalb Schwedens wachsen. "Wir wollen gerne eine stärkere Bank in Deutschland werden."

Eine weitere Transaktion der SEB in Deutschland schließt Lundquist vor allem wegen der großen Unsicherheit an den Finanzmärkten für die nächste Zeit aber aus. "Wenn die SEB AG gut in Form ist und die Kunden hochzufrieden sind, könnten wir geneigt sein, noch etwas Anderes hier zu tun - das können Allianzen sein, aber wir stehen auch nicht zurück, wenn sich eine Gelegenheit ergibt." Bei seiner Expansion müsse der Mutterkonzern jetzt eine Verschnaufpause einlegen und den Zuwachs von 1,5 auf 5 Mill. Kunden seit 1997 bewältigen. "Bei der Aktienmarktlage zurzeit kann ich mir keine neuen Deals vorstellen, eine faire Bewertung kann nicht vorgenommen werden, und die Aktionäre würden auch nicht zustimmen."

Restrukturierung der Branche nach wie vor notwendig

Das gilt nach Einschätzung von Lundquist nicht nur für die SEB, sondern für die gesamte Finanzbranche in Europa. An den Finanzmärkten sei mit anhaltender Unsicherheit zu rechnen, denn nach den verheerenden Anschlägen in den USA sei ein längerer Krieg zu erwarten. "Die Diskussionen über Fusionen in der Branche werden zwar nicht aufhören, aber drastisch nachlassen", sagte Lundquist. Doch die Notwendigkeit zur Restrukturierung der Branche bestehe nach wie vor und werde bei einer Erholung der Märkte weitergehen. "Das ist nur verschoben, nicht aufgehoben."

Die Umfirmierung der BfG in SEB AG im April sei auf ein durchweg positives Echo bei Mitarbeitern und Kunden gestoßen. Nach der TV-Werbekampagne mit dem Schauspieler Peter Ustinov unter dem Slogan "more than a bank" kenne jeder vierte Erwachsene in Deutschland die SEB. Die frühere BfG Bank habe mit 90 % zwar einen weitaus höheren Bekanntheitsgrad gehabt. "Aber viele lehnten es ab, auch Kunde der BfG zu werden. Mit dem Markennamen SEB wollen wir ein neues Kapitel aufschlagen", sagte Lundquist. Die SEB wolle eine der führenden Multikanal-Banken in Deutschland sein, an die sich die Kunden nicht nur über die 177 Filialen, sondern auch über Telefon und vor allem via Internet wenden können. Als eine der ersten Banken, die in den neunziger Jahren Internet-Banking anbot, habe die SEB viel Erfahrung. So sei der Vertriebskanal Internet von Anfang an integriert und nicht als Satellit behandelt worden.

Von einer Million SEB-Kunden in Deutschland nutzten zurzeit 195 000 Electronic Banking und Online-Brokerage. Bis 2005 sollen dies 500 000 sein. "Wir wollen Kunden durch Kooperationen, zum Beispiel mit der Versicherung Gerling, gewinnen, aber die Mehrheit werden SEB-Kunden sein", sagte Lundquist. Der im November 2000 gestartete Online-Broker SEBdirect.de sei wegen des Markteinbruchs im Wertpapierverkauf via Internet früher als geplant in das E-Banking integriert worden. Reine Online-Broker in Deutschland seien ohnehin eine Ausnahmeerscheinung. "In einigen Jahren wird es keine Online-Broker mehr geben. Die Broker müssen ihre Produkte ausweiten, Filialen öffnen und zu Universalbanken werden. Und die Universalbanken werden das Produkt Online-Brokerage integrieren", erwartet der Chef der SEB in Deutschland. Den Kauf eines Online-Brokers schließe er nicht aus, derzeit gebe es aber keine Pläne dafür.

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