Aids-Bekämpfung als Schwerpunkt – Überschüsse füllen Reserven auf
Die Weltbank wehrt sich vehement gegen Beschneidung ihrer Aufgaben

ink BERLIN. Die Überschüsse der Weltbank im abgelaufenen Haushaltsjahr dürfen nicht dazu führen, dass die Rolle der internationalen Organisation künftig beschnitten wird. Das hat die geschäftsführende Weltbank-Direktorin Mamphela Ramphele unmittelbar vor der Weltbank-Jahrestagung in Prag gegenüber dem Handelsblatt betont.

"Nachdem alle finanziellen Reserven in den vergangenen Jahren abgeschmolzen waren, können jetzt erstmals wieder neue aufgebaut werden", betonte sie. Die Mitgliedsstaaten müssten keine Angst haben, dass damit ein Fonds geschaffen werde, der sich ihrem Einfluss entziehe. Auf Grund eines größeren Mittelrückflusses bei gleichzeitig geringeren Anforderungen hatte die Weltbank in dem am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 1,99 Mrd. $ erzielt.

Der Überschuss hatte jenen Weltbank-Kritikern Auftrieb gegeben, die eine Konzentration der Arbeit auf die ärmsten Länder gefordert hatten. Dies war von der Bank bisher unter anderem mit dem Argument abgelehnt worden, dass sie auch in der Lage sein müsse, sich angemessen zu refinanzieren. Ramphele widersprach deshalb energisch den Forderung, das Aufgabengebiet der Weltbank einzuschränken. "Armutsbekämpfung ist im übrigen auch in Schwellenländern nötig." Würde man eine durchschnittliche Einkommensgrenze von 2 $ pro Tag anlegen, fiele auch ihr Heimatland Südafrika aus der Weltbank-Förderung: "Das wäre absurd, weil dort tatsächlich die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt." Als neuen Schwerpunkt der Arbeit der internationalen Finanzinstitution hob sie das gerade verabschiedete Aids-Programm hervor, für das die Weltbank 500 Mill $ bereitstellt. "Das Hauptaugenmerk wird dabei in Afrika und dort auf Kenia und Äthiopien liegen", betonte sie. Denn bisher sei es mit Senegal und Uganda erst zwei Ländern auf dem Kontinent gelungen, die Krankheit erfolgreich zu bekämpfen. "Und der Kampf gegen Aids ist deshalb so wichtig, weil die Krankheit alle unsere Entwicklungsanstrengungen der letzten Dekade zu zerstören droht."

Finanzprobleme sind beim Kampf gegen Aids aus Sicht Rampheles etwas in den Hintergrund getreten, seit die Industriestaaten die Seuche als eigene Bedrohung wiederentdeckt hätten. Die Weltbank habe heute deshalb insgesamt 1 Mrd. $ für entsprechende Programme zur Verfügung. "Wichtig ist jetzt der politische Wille der Regierungen in den betroffenen Ländern, auch ernsthaft gegen Aids anzugehen."

Ausdrücklich lobte die Weltbank-Direktorin in diesem Zusammenhang die pharmazeutische Industrie. So hatte sich etwa Boehringer Ingelheim bereit erklärt, fünf Jahre lang Aids-Medikamente kostenlos abzugeben. "Die Unternehmen erkennen, dass sie mit diesen Arzneien ohnehin kein Geld verdienen können - dass aber die Abgabe die Zukunft dieser Länder sichert."

Das Bundesentwicklungshilfeministerium will das Angebot der Pharma-Unternehmen begleitend betreuen und in den von Aids betroffenen Ländern die nötige Infrastruktur im Gesundheitswesen aufbauen helfen.

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