Aids in Südafrika
Ein Hospiz zum Weiterleben

Schätzungsweise sechs Millionen Menschen in ganz Südafrika sind mit Aids infiziert - bei einer Bevölkerung von 45 Millionen. Der Kampf gegen HIV scheint aussichtslos. Gewisse Fortschritte gibt es jedoch. Wie eine G8-Initiative den Menschen Hoffnung gibt.

KAPSTADT. Viele hatten ihr abgeraten. Die Pillen würden sie nur noch kränker machen und am Ende umbringen. So verweigerte sich Numvuyo Ngqisha den Ärzten und zog aus Kapstadt fort, um in ihrer Heimatstadt East London zu sterben. Das war vor zwei Jahren. Damals, als Numvuyo Ngqisha akut an Aids erkrankte, wog sie nur noch 48 Kilo, der Lebensmut hatte sie verlassen. Ärzte hatten schon zwei Jahre zuvor bei einer Wundbehandlung am Bein festgestellt, dass sie HIV-positiv ist. "Ich war sicher, dass es keine Hoffnung für mich gab", sagt sie heute.

Als dann auch noch eine Tuberkulose auftrat, entschloss sich die Frau schließlich doch, jene Tabletten zu schlucken, vor denen sie so viel Angst gehabt hatte. Es geschah das Gegenteil von dem, was sie befürchtete: Binnen weniger Wochen stieg Numvuyo Ngqisha aus dem Rollstuhl und lief alsbald ohne Krücken um die Hütte der Eltern. Doch als die heute 41-Jährige nach Kapstadt zurückkehrte, kehrte das typische Kribbeln in Beinen und Füßen plötzlich zurück. Sie hörte auf die Alarmzeichen ihres Körpers und ließ die Behandlung rechtzeitig anpassen.

Seit einigen Wochen liegt Numvuyo Ngqisha nun in einem lichtdurchfluteten Zimmer eines modernen Aids-Hospizes in der Kapstädter Township Philippi. Über dem Bett hängt das Poster eines Eisbergs, daneben steht ein schlichter Holztisch mit ihren Medikamenten, in der Ecke plärrt ein Ghettoblaster. "Ich lasse mich von dem Rückschlag nicht unterkriegen", sagt sie. "Ich will mein Leben in vollen Zügen genießen. Und ich will eines Tages zu meinen beiden Kindern zurück, die nun bei ihrer Großmutter leben. "

Anders als die Bezeichnung "Hospiz" nahe legt, soll die Station für die meisten Kranken nicht die letzte Station in ihrem Leben sein. "Wer hier eingeliefert wird, ist für ein Krankenhaus noch nicht krank genug, aber zu krank, um alleine zurechtzukommen", erklärt Otto Kohlstock. Der Missionar des Berliner Missionswerks arbeitet seit Jahren in Philippi und hat hier rund um die alte Kirche das Zentrum "iThemba Labantu" aufgebaut. Das heißt in der lokalen Sprache der Schwarzen so viel wie: "Den Menschen Hoffnung geben". Die vor kurzem eingeweihte Aidsstation ist Teil der Einrichtung. Sie hat vier Vierbettzimmer und zwei Zweibettzimmer, die jeweils direkten Zugang zu einem Bad haben - ein für die meisten schwarzen Südafrikaner fast ungekannter Luxus.

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