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Aids-Stiftung: Kein Anlass für Entwarnung in Deutschland

dpa BONN. Bei Aids-Erkrankungen und HIV-Infektionen in Deutschland gibt es keine Entwarnung. Es gebe erste Anzeichen, dass die Zahl der Aids-Neuerkrankungen, die in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei, wieder ansteige, sagte Ulrich Heide vom Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung am Donnerstag in Bonn. Das sei eine eigene Einschätzung, die er nach Gesprächen mit Aidszentren, Aids- Schwerpunktpraxen und Beratungsstellen gewonnen habe.

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hat bislang keine Zunahme verzeichnet und erwartet für dieses Jahr auch keinen deutlichen Anstieg. Allerdings sei inzwischen wahrscheinlich die Talsohle erreicht, nachdem die Zahl der Aids-Neuerkrankungen seit 1995 mit Hilfe besserer Medikamente auf jährlich 500 stark gesunken war. Diese verzögern unter anderem den Ausbruch der Krankheit bei Infizierten. «Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl in Zukunft wieder ansteigen wird, weil sich bei einer steigenden Zahl von Patienten resistente Viren entwickeln», sagte Aids-Experte Ulrich Marcus auf Anfrage.

Auch die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen sei gleich bleibend. Das Risikoverhalten beim Sex steige jedoch, was sich an einer Zunahme der Zahlen von Tripper und Syphilis zeige. Marcus: «Es ist daher zu befürchten, dass sich das Verhalten künftig auch in einer Zunahme der HIV-Neuinfektionen niederschlagen könnte.»

Nach wie vor gibt es nach Auskunft der Aids-Stiftung ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Mehr als die Hälfte der Erkrankten lebe in sechs deutschen Großstädten, erläuterte Heide. In größeren Städten sei die medizinische Versorgung weit besser als in ländlichen Regionen. Sie bedeute aber nicht zugleich auch soziale Sicherung. Viele Betroffene seien auf direkte Nothilfe angewiesen.

Die dafür zuständige Aids-Stiftung verzeichnete nach eigenen Angaben im Jahr 2000 bereits im zweiten Jahr hintereinander einen Rückgang der Anträge auf Mittel. Es gingen 4 740 Hilfsanfragen (1999: 5 220) ein. Davon kam fast ein Drittel allein aus Berlin. Bewilligt wurden fast 3,4 Millionen Mark (1999: 3,67 Millionen Mark). Die Spendeneinnahmen stiegen - vor allem durch zwei große Benefizveranstaltungen - auf rund 4,2 Millionen Mark.

Für viele Menschen mit HIV und Aids bleibe die Nothilfe der Stiftung existenziell, betonte Heide. Die Stiftung helfe etwa bei Wiedereingliederung in den Beruf oder mit Zuschüssen, um den beschwerlichen Alltag zu erleichtern. Zuschüsse wurden vor allem zu Reisen, für Wohnungseinrichtungen und Haushaltsgegenstände, Ernährung und medizinische Versorgung gewährt.

In Deutschland lebten nach Angaben des RKI Ende 2000 rund 38 000 HIV-Infizierte. Darunter waren rund 5 000 Aids-Kranke. Die Zahl der Neuinfektionen lag bei rund 2 000. Rund 600 Aidskranke starben im Vorjahr. Nach Angaben der internationalen Organisation UNAIDS leben weltweit 36 Millionen Menschen mit HI-Virus. Rund 22 Millionen seien bereits an Aids gestorben. Im Jahr 2000 infizierten sich fünf Millionen Menschen neu.

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