Airbus bastelt an geräuscharmen und sparsamen Flugzeugen
Wie ein Plattfisch durch die Atmosphäre gleiten

afp PARIS. Wenn die Airbus-Flugingenieure ohne Rücksicht auf Buchhalter und Marktnotwendigkeiten einen Blick in die Zukunft werfen, gelingen ihnen phantastische Visionen. Großraum-Jets für tausend Fluggäste, die eigenwillig geformt durch die Lüfte gleiten. Noch fehlen die passenden Worte für die Modelle, die wie überdimensionale Plattfische aussehen. Eher unelegant werden sie "Nurflügler" genannt. Die Silhouette dieser Passagierjets ähnelt der von Tarnkappenbombern - mit einem übergangslosen Gesamtkorpus aus Rumpf und Flügeln. Den Airbus-Ingenieuren geht es nicht nur um ein ständiges Größer-Weiter-Schneller, sondern um eine neue Partnerschaft zwischen Natur und Technik. Sie wollen den Fluglärm reduzieren und den Kerosinverbrauch drosseln.



Umweltaspekte stehen im Vordergrund

"Wir sind sehr auf die Umwelt bedacht", sagt der Sprecher der französischen EADS-Airbus-Tochter (Ex-Aérospatiale), Jérôme Rondeau. Die neu entwickelten Modelle, die in der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift "Flug-Revue" als "Airbus-Konzepte für übermorgen" vorgestellt werden, könnten nach Rondeaus Einschätzung "in 20 bis 25 Jahren" verwirklicht werden. Eine Gruppe von Aérospatiale-Ingenieuren hat sich auf den Entwurf solcher Vorstudien spezialisiert und dabei die angenommenen Bedürfnisse der Zukunft berücksichtigt. Sie wollen die wichtigsten Bremsfaktoren des Flugverkehrs aushebeln - den Fluglärm, der schon heute die Anwohner von Flughäfen ständig auf die Barrikaden bringt und die Neuplanung von Landebahnen aufhält, daneben aber auch die Energievergeudung, die bei steigenden Kerosin-Preisen eines Tages auch die reiselustigsten Flugtouristen aus dem Rennen werfen könnte.

Am differenziertesten äußert sich die EADS-Airbus-Zentrale in Toulouse zur Lärmvermeidung. Dabei sind grundsätzlich zwei Wege gangbar: Entweder werden die Triebwerke künftig auf die Tragflächen gesetzt - statt sie, wie bislang üblich, darunter aufzuhängen. Oder sie werden gar oben auf den Flugzeugrumpf montiert. Airbus-Maschinen mit Triebwerken auf den Flügeln könnten nach ersten Zielvorgaben rund fünf Dezibel leiser sein, Maschinen mit Triebwerken auf dem Rumpf zehn Dezibel.



Lärmschutz als eines der wichtigsten Ziele

Im Team von Chefingenieur Jean-Jacques Mirat wurde gleich eine ganze Serie solcher lärmreduzierter Maschinen konzipiert, die im Fachjargon "Low Noise Aircrafts" (LNA) genannt werden. Die Verlegung der Triebwerke an die Oberseite der Maschinen hat jedoch den Nachteil, dass die Wartung, die bei den jetzigen Passagiermaschinen ohne großen Aufwand vom Boden aus erledigt wird, künftig komplizierter würde.

Zur Einsparung von Flugbenzin setzt die französische Airbus-Tochter in ihren Projektstudien auf die Montage ergänzender Tragflächen direkt hinter dem Cockpit. So entstünde ein Flugzeug mit drei Tragflächenpaaren ("Three Surface Aircraft", TSA), das auch Triplan genannt wird. Der Spareffekt, der infolge einer Verkleinerung des Höhenleitwerks zu Stande käme, führt jedoch zu flugtechnischen Problemen: Triplane gelten als instabil. So hoffen die Entwicklungs-Ingenieure dem Triplan durch weitere Computer-Studien seine "Wackeligkeit" abtrainieren zu können, so dass es sich dann für Langstreckenflüge mit niedrigem Standardverbrauch anbieten würde.

Beim "Nurflügler" für tausend Fluggäste sind alle diese Zukunftsmelodien in einer Vorstudie zusammen komponiert: Die weiten Schwingen sind auf ganzer Länge mit dem Rumpf verwachsen, die vier Triebwerke an der Heck-Oberkante der gigantischen Flugfläche montiert. Bislang nur als Computer-Simulation vorhanden, wirkt der Großraum-Jet mit seiner Rochen-Silhouette so real, als wenn er schon morgen abheben könne. Das Airbus-Konsortium hat schon ganz andere Kaliber in die Luft gebracht: Der nach einem Wal benannte "Beluga", ein eher unförmig erscheinendes Flugzeug, wurde Anfang der 90er Jahre an den Start geschoben und transportiert inzwischen routinemäßig Schwerlasten quer durch Europa.

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