Airbus setzt auf Größe – Boeing auf Geschwindigkeit
Luftkampf um Milliarden, Teil II

Dabei haben sich die Vorstellungen, die man sich über Boeings neuen Supervogel macht, in den letzten Monaten weiterentwickelt. War vor einem Jahr noch die Rede davon, der "Sonic Cruiser" könne bei entsprechendem Bedarf der Luftlinien auch für 300 Passagiere als ein Super-Langstreckenjet ausgelegt werden, der mit einer Reichweite von mehr als 18 500 Kilometern erstmals in der Luftfahrt "von überall nach überall" ohne Zwischenlandung fliegen könne, so ist man inzwischen davon abgerückt. Den Wünschen potenzieller Kunden entsprechend, setzt man jetzt mehr auf eine Maschine für 200 Passagiere mit der Reichweite heutiger Langstreckenjets im Bereich von 12 000 Kilometern.

DÜSSELDORF. Man habe "ein starkes Signal erhalten", so Pete Rumsey, Boeing-Direktor für neue Flugzeuge, "dass die Luftlinien keine Maschine wollen, die es mit der Geschwindigkeit und Reichweite übertreibt. Man braucht nicht für alle Strecken schwere, große Triebwerke und Flugzeugrahmen." Auch wollten die Fluggesellschaften lieber etwas länger warten und dafür dann ein Flugzeug neuester Technologie, weitgehend aus Verbundwerkstoff mit einem neuen, nicht zu großem und leistungsstarken Triebwerk bekommen. So hat es inzwischen gegenüber den ersten Konzepten der Maschine auch bereits einige Veränderungen gegeben. Die Position der vorderen kleinen Flügel, der so genannten Canards, ist ebenso verändert worden wie das Seitenleitwerk.

Eine Reihe von Interessenten konnte Boeing inzwischen schon gewinnen, obwohl das endgültige Konzept des Sonic Cruisers noch nicht festliegt. Der Boss von American Airlines, Don Carty, meinte etwa, er wäre bereit, eine ganze Anzahl der neuen Maschinen zu kaufen - wenn sie denn im Betrieb nicht teurer würden als die heute fliegenden Düsenjets. Und der Chef von Virgin Atlantic, Richard Branson, der Interesse an drei bis sechs Maschinen bekundete, ging gleich noch einen Schritt weiter. "Wir wollen den Sonic Cruiser keineswegs für die Reichen reservieren", meinte er, "wir wollen ihn vielmehr allen Passagieren anbieten zu vollen Economy-Preisen." Bei Airbus sieht man unterdessen wohlgemut in die Zukunft.

Man hat das Ziel, im vergangenen Jahr 100 Bestellungen und Optionen für die A380 zu erreichen, mit 97 Ordern nur knapp verfehlt. Man fühle sich dadurch bestärkt, so der europäische Flugzeugbauer jetzt in Toulouse, trotz des Konjunktur-Einbruchs nach den Anschlägen in New York und Washington mit dem A380-Programm weiterzumachen. Ähnlich optimistisch ist man auch in Seattle. Man müsse das Design für den Sonic Cruiser sehr genau festlegen, sieht Pete Rumsey voraus, "denn dann wird es in den nächsten 35 Jahren so bleiben, wie es ist." Die Claims sind also abgesteckt. Die nächste Runde im europäisch-amerikanischen Wettkampf um den Weltmarkt für Verkehrsflugzeuge verspricht, interessant zu werden.

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