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Airdata will mit Internet via Funk Marktanteile erobern

Den Computer anschalten, ein paar Mausklicks - und dann ganz entspannt im Internet surfen. Mehr sollte aus Sicht von Christian Irmler nicht nötig sein, um in die Welt des World Wide Web einzutauchen.

dpa-afx STUTTGART. Internet-Anbindung via Funk lautet die Lösung des Mitbegründers und jetzigen Technik-Vorstands der Stuttgarter Airdata AG. Auch die Übertragung von Sprache sei möglich, sagt Irmler. Zielgruppe des Ende 1998 gegründeten Anbieters von drahtlosen Breitband-Internetzugängen sind vorerst kleine und mittlere Unternehmen.

Airdata preist seine Dienste an als eine "ebenso leistungsfähige wie kostengünstige Möglichkeit, die 'letzte Meile' drahtlos zu überbrücken". Als "letzte Meile" wird der Abschnitt von der Ortsvermittlungsstelle bis zum Haushalt des Endkunden bezeichnet. Der selbständige Netzbetreiber leitet die Daten nach eigenen Angaben über das Netz der World-Com Tochter UUNET, um einen sicheren und schnellen Internet-Zugang zu gewähren.

Ist die kleine Airdata mit ihren etwa 60 Mitarbeitern also eine mögliche Konkurrentin der großen Deutschen Telekom Gespräche mit regionalen Anbietern, die das Problem der letzten Meile hätten, würden geführt, sagt Airdata-Berater Wolfgang Keuntje, Ex-Vorstandschef der Telekom-Tochter T-Online. Airdata könne hier Knowhow und Technologie zur Verfügung stellen. "Die letzte Meile könnte spannend werden."

Doch bis dahin wird wohl noch etwas Wasser den Neckar herunterfließen. "In 30 deutschen Ballungsräumen besitzt Airdata Frequenzen, 26 davon sind exklusiv", sagt Irmler. "Bislang sind 300 Kunden fest angeschlossen." Airdata habe sich das Ziel gesteckt, bis 2003 einen Marktanteil von bis zu einem Prozent zu erobern, was etwa 2 000 bis 5 000 Kunden entspreche. Der Break-Even, also der Sprung in die Gewinnzone, soll nach Aussage von Keuntje "in zwölf bis 18 Monaten" erfolgen.

Die Stuttgarter nutzen zwei Frequenzbereiche zur Datenübertragung. Der 2,4-Gigahertz-Bereich (ISM-Band) sei in den meisten Ländern weltweit für den Aufbau lokaler und öffentlicher regionaler Funkverbindungen vorgesehen. Das 2,6-GHz-Band stehe für den drahtlosen Teilnehmeranschluss (wireless local loop) zur Verfügung, heißt es erläuternd auf der Internet-Seite des Unternehmens. Auf dieser Frequenz lässt sich auch Sprache übertragen. "Ein spezielles Handy gibt es schon", verrät Keuntje, ohne die Namen der "zwei internationalen Hersteller" zu verraten, die das Gerät bereits produzieren sollen.

Teuer ist der Netzaufbau nach Angaben von Irmler nicht. "Unsere Infrastrukturkosten sind relativ niedrig." Funkstationen, eine Antenne beim Kunden und ein so genannter "Router", der die Daten von der Antenne in den Computer und umgekehrt weiterleitet. Damit können Daten bis zu acht Mal schneller als per ISDN-Leitung übertragen werden - und das gleichzeitig in beide Richtungen, wie Irmler betont.

Nicht nur mit Schnelligkeit, sondern auch mit dem Preis will Airdata Kunden locken. 99 Euro einmalige Installations-Pauschale, 29 Euro monatliche Grundgebühr - inklusive dem Mietpreis für die Anschlussgeräte sowie 100 Megabyte Datentransfer. "Das sind etwa 100 bis 200 E-Mails mit Anhang", erklärt der Technik-Vorstand. "Jedes weitere Gigabyte kostet 35 Euro."

Im März dieses Jahres hat sich das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. "Bislang hat Airdata weit unter 100 Mill. DM investiert", sagt Keuntje. Das Geld komme von Privatinvestoren. Irmler fügt hinzu: "Kredite haben wir gar nicht aufgenommen."

Gespart haben sich die Stuttgarter bislang auch Lizenzgebühren der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Berlin vom vergangenen September musste die Behörde ihre Gebührenordnung für die Vergabe von Lizenzen in Teilen zurücknehmen. Die Verordnung für Kabel, Richtfunk und Sprachtelefondienste, die einmalige Gebühren von bis zu 10,6 Mill. DM vorsah, sei rechtswidrig, hatte das Gericht erklärt. Airdata war eines der klagenden Telekom-Unternehmen.

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