Airline meldet für 2001 Rekordminus
Lufthansa verprellt die Aktionäre

Die Branchenkrise hat Lufthansa einen Rekordverlust beschert. Die Dividende wurde gestrichen. Vorstand Wolfgang Mayrhuber wurde zugleich als Nachfolger für Konzernchef Jürgen Weber auserkoren.

FRANKFURT/M. Die Lufthansa AG streicht ihren Aktionären für 2001 komplett die Dividende. Denn erstmals seit acht Jahren ist die Airline wegen der schweren Luftfahrtkrise in Folge der Anschläge vom 11. September wieder in die roten Zahlen geflogen. Das Minus von 754 Mill. Euro markiert einen Rekordverlust vor Steuern. Im Jahr zuvor hatte die Gesellschaft noch einen Vorsteuergewinn von 1,2 Mrd. Euro erzielt. Seit 1994 hatte die Airline auch ihre Ausschüttungen kontinuierlich von 0,20 auf zuletzt 0,60 Euro je Anteilsschein erhöht. Damit zählte Lufthansa im Deutschen Aktienindex (Dax) zu den dividendenstärksten Titeln. Neben Kleinanlegern orientieren sich auch defensiv ausgerichtete Fonds an diesem Kriterium.

Überraschend auch, dass der Konzern den bevorstehenden Führungswechsel verkündete. Nachfolger des Ende 2003 ausscheidenden Konzernchefs Jürgen Weber soll Vorstandsmitglied Wolfgang Mayrhuber werden. Der Vorstand des Ressorts Passage wird zum 1. April bereits stellvertretender Vorstandschef. Ein Kurswechsel ist mit dem Wechsel nicht zu erwarten. Mayrhuber und Weber sind alte Weggefährten. Der die Airline seit Jahren dominierende Weber gilt zudem als Mentor Mayrhubers. Mit der Weichenstellung für den Kronprinzen will der als "Mister Lufthansa" geltende Konzernchef Nachfolge-Spekulationen frühzeitig beenden.

Die Börse, von der Dividendenstreichung auf dem falschen Fuß erwischt, bereitete Mayrhuber einen kühlen Empfang. Die Aktien der Airline waren mit einem Minus von mehr als 7 % Tagesverlierer im Dax. Investoren und Analysten werteten den Dividendenschritt als schlechtes Omen, äußerten aber Verständnis. "Aus Sicht des Unternehmens ist die Entscheidung richtig. Denn sie hilft, die Finanzstrukturen rasch zu verbessern. Und davon profitiert auch der Anleger", ist sich Matthias Jörss von Sal. Oppenheim sicher. Experten erwarten, dass es auch 2002 keine Ausschüttung geben wird.

Als eine von ganz wenigen europäischen Fluggesellschaften beendete Lufthansa das Geschäftsjahr 2001 jedoch operativ mit einem Plus von 20 Mill. Euro. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte Anfang März erst das Ziel bekräftigt, 2001 mit einem ausgeglichenen operativen Ergebnis abzuschließen. Als Reaktion auf den Buchungsrückgang nach den Anschlägen hatte die Lufthansa Jets stillgelegt, Verbindungen gestrichen und mit den Gewerkschaften ein Sparpaket zur Vermeidung von Entlassungen ausgehandelt.

Der Umsatz stieg durch den Kauf der restlichen Anteile des amerikanischen Catering-Unternehmens Sky Chefs um 10 % auf 16,7 Mrd. Euro. Bereinigt läge er auf Vorjahresniveau von 15,2 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern betrug minus 591 Mill. Euro nach einem Gewinn von 689 Mill. Euro im Jahr zuvor. Vor allem die Cateringtochter LSG Sky Chefs belastete mit Abschreibungen und Vorsorgerückstellungen das Ergebnis.

Weber dürfte froh sein, 2001 abzuhaken. Die Luftfahrt gilt als eine der Branchen, die am schwersten von den Folgen der Anschläge in den USA getroffen wurden. Die Passagierzahlen auf den Nordatlantikstrecken brachen zeitweise um 40 % ein.

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