Airline-Sektor präsentiert sich stark
Wall Street-Händler träumen von 10 000 Punkte beim Dow Jones

An der Wall Street geraten Händler richtig ins Schwärmen: Am Vormittag hat sich der Dow Jones Index erstmals seit zehn Wochen (und den Terror-Anschlägen des 11. September) der magischen 10.000er-Grenze genähert. Zur Mittagsstunde verlässt das Börsenbarometer der dreißig US-Standardwerte seinen Höchststand, liegt aber mit einem Gewinn von 47 Punkten noch im Plus. Der Index steht auf 9922 Punkten. Der technologie-orientierte Nasdaq Index klettert um 15 Punkte auf einen Stand von 1913 Punkten.

NEW YORK. Besonders stark präsentiert sich erneut der Airline-Sektor. Nachdem die Aktien der Fluggesellschaften schon in der vergangenen Woche auf der Gewinnerstraße fuhren, klettert die Branche auch heute wieder um satte 6,5 Prozent. United Airlines und US Airways führen den Sektor mit Gewinnen von jeweils zwölf Prozent an. Die Rally bei den Airlines dauert nun schon fünf Tage an, das hatte der Markt zuletzt im Januar gesehen. Die Branche profitiert von dem Airline-Security-Gesetz, nachdem die US-Regierung die Kosten für 28 000 Sicherheitsbeamte an Flughäfen übernimmt, und vom niedrigen Ölpreis. Flugbenzin macht 15 Prozent der Kosten einer Airline aus.

Der Ölsektor hingegen notiert erneut im roten Bereich. Zwei Ausnahmen gibt es am "Merger-Monday": Phillips Petroleum und Conoco. Philipps Petroleum hatte am Morgen angekündigt, den Wettbewerber für 15,17 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Zusammen bilden die Partner den drittgrößten Öl-Konzern der USA und können Kosten sparen - das Gebot der Stunde für Firmen in dem angeschlagenen Sektor. Beide Papiere büßen zur Mittagsstunde zwar erste Gewinne ein, notieren aber immer noch mit einem Prozent im Plus.

Zu den Gewinnern gehört am Morgen auch das Papier von AOL Time Warner, das den Entertainmentsektor stützt. Auf dem New Yorker Parkett wird am Montag nämlich eine Frage öfter gestellt als die nach dem verlauf der Kurse: "Hast Du Harry Potter gesehen?" Tatsächlich waren wohl auch zahlreiche Händler am Wochenende im Kino, um den Blockbuster aus dem Hause Warner Brothers zu sehen. An den ersten drei Tagen spielte der kleine Magier 93,3 Millionen Dollar ein. Das ist ein Rekord. Die Aktie von AOL Time Warner eröffnet mit 1,5 Prozent im Plus.

Fünf Prozent gewinnt am Morgen auch die Aktie von Toys?R?Us. Das Unternehmen hatte einen Quartalsverlust von 22 Cents pro Aktie für die vergangenen drei Monate bekannt gegeben. Damit liegt das Unternehmen auf dem von der Wall Street prognostizierten Niveau. Für das Jahr 2001 hat der Spielzeugriese die Gewinnerwartung von 94 Cents pro Aktie bestätigt. Analysten hatten 80 bis 94 Cents Anteilsgewinn erwartet.

Auffällig im Rüstungssektor sind am Montag die Papiere von Lockheed Martin und TRW. Die beiden Unternehmen haben einen 2,7 Milliarden Dollar schweren Auftrag der US Air Force an Land gezogen. Sie sollen bis 2011 eine neue Generation von Kommunikations-Satelliten herstellen. Ursprünglich hatte auch Boeing an dem Projekt mitgearbeitet. Aufgrund eines nicht akzeptablen Risiko-Nutzen-Verhältnisses, so ein Sprecher von Boeing, habe sich der Konzern am Wochenende zurückgezogen. Papiere von Lockheed Martin legen 2,2 Prozent zu, TRW gewinnt 1,2 Prozent, Boeing verliert leicht.

An der Nasdaq hält zum Wochenbeginn der zuletzt bekannte Trend an: Der Netzwerksektor notiert mit einem Branchenplus von 2,5 Prozent am stärksten, Hard- und Software können ebenfalls zulegen, und lediglich der Chip- und Chip-Equipment-Sektor setzen ihre Talfahrt fort. Branchenprimus Intel liegt gut ein Prozent in den Miesen, Zulieferer wie Novellus und Applied Materials verlieren mehr als drei Prozent.

Alle Augen sind indes auf die Handheld-Hersteller gerichtet. Auf dem Parkett wird gemunkelt, die Branchenführer Palm und Handspring führten Fusionsgespräche, nachdem der Vorstandsvorsitzende von Palm, Carl Yankowski, seinen Rücktritt erklärt hat. Papiere von Handspring legen im Handel 26 Prozent zu, die Aktie von Palm gewinnt 13 Prozent.

Die Aktie vom Pharma-Hersteller Andrx legt am Morgen fünf Prozent zu, nachdem das Unternehmen überraschend schnell die Marktzulassung für sein Präparat bekommen hat, das dem bereits eingeführten Prilosec von Astra Zeneca Konkurrenz machen soll. Zwar muss das Unternehmen ab 6. Dezember vor Gericht noch um den Patentschutz für das Generikum kämpfen, doch Analysten sind optimistisch.

Die Wirtschaftsdaten vom frühen Montagmorgen hatten einen so positiven Handel an der Wall Street nicht erwarten lassen. Im Oktober ist die Zahl der neu begonnen Häuser erneut um 1,3 Prozent zurückgegangen. Das zeigt, dass die Amerikaner sich weniger in der Lage sehen, im großen Stil zu investieren. Auch was die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt angeht, gibt es düstere Prognosen: Der Arbeitsvermittler Manpower legt eine Studie vor, nach der nur 16 Prozent der befragten 16.000 Arbeitgeber in den nächsten drei Monaten einstellen wollen. Ebenso viele wollen Entlassungen vornehmen. Noch vor einem viertel Jahr hatten 24 Prozent der Unternehmer Einstellungen angekündigt, nur elf Prozent wollten Leute entlassen. "Wir sind nach wie vor auf dem Weg nach unten. Und das wird noch ein Quartal, wenn nicht zwei, so weiter gehen", meint Jerry Joerres, CEO von Manpower. Die US-Arbeitslosenrate liegt zur Zeit bei 5,4 Prozent.

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