Airline stellt mehr Gewinn in Aussicht
Lufthansa wirft Turbinen wieder an

Die größte deutsche Airline erholt sich von der schweren Krise im Luftverkehr schneller als erwartet. Der Gewinn in diesem Jahr soll höher ausfallen als prognostiziert. Die Börse reagiert mit deutlichen Kursaufschlägen.

hz FRANKFURT/M. Sechs Wochen nach ihrer ersten Gewinnschätzung hat die Lufthansa überraschend ihre Ergebnisprognose für das laufende Jahr deutlich nach oben geschraubt. Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley stellt nunmehr ein operativen Ergebnis von "eher 500 Mill. Euro" in Aussicht. Auf dem Aktionärstreffen Mitte Juni hatte die größte deutsche Airline noch ein Ergebnis von 400 Mill. Euro für 2002 prognostiziert.

Lufthansa liegt mit ihrer neuen Prognose nun oberhalb des Durchschnitts der bisherigen Analystenschätzungen. Grund für die wachsende Zuversicht der Airline seien der bisherige Geschäftsverlauf, eine hohe Auslastung auf der Langstrecke sowie das Greifen der Kostensenkungsmaßnahmen, sagte eine Sprecherin der Airline. Bereits die verbesserten Frachtzahlen, die als Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung gelten, hatten die Hoffnung auf eine Erholung gemehrt.

Die Fluggesellschaften in Europa sehen damit wieder Licht am Horizont: Auch die niederländische Fluggesellschaft KLM sowie die spanische Iberia hatten jüngst mit guten Quartalszahlen überrascht. Die Erwartungen an British Airways, die am Freitag ihre Zahlen vorlegen, steigen damit. Die Börse reagierte auf die Erhöhung der Prognose mit einem kräftigen Aufschlag für den Luftfahrtsektor: Der Lufthansa-Kurs kletterte zeitweise um mehr als 9 %. Im Gefolge verbuchten auch Air France, KLM, Iberia und British Airways deutliche Zuwächse.

Dividende erwartet

Experten sind nach der neuen Prognose sicher, dass die Lufthansa für dieses Jahr auch wieder eine reguläre Dividende ausschütten wird, nachdem die Aktionäre im Geschäftsjahr 2001 leer ausgegangen waren. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte bereits auf der Hauptversammlung bekräftigt, dass die Airline wieder eine Dividende zahlen könne. Luftfahrt-Experte Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank erwartet nun für 2002 eine Ausschüttung wie 2000 von 60 Cent je Aktie.

Neben den wachsenden operativen Gewinnen erwartet Finanzchef Kley zudem im zweiten Halbjahr außerordentliche Erträge von mehr als einer halben Mrd. Euro. Dazu zählen neben dem Erlös von 400 Mill. Euro aus dem Verkauf der Anteile am Expressdienstleister DHL die inzwischen freigegebenen Kompensationszahlungen über 70 Mill. Euro für direkte Folgen aus den Terroranschlägen vom 11. September sowie Buchgewinne über 75 Mill. Euro aus dem Verkauf des Bodenabfertigers Globe Ground. Zusätzliche Erlöse könnten zudem aus der möglichen Auflösung einer Rückstellung stammen. Derzeit werden die Verlust bringenden Catering-Verträge mit der skandinavischen Fluggesellschaft SAS neu verhandelt.

Auch der Mittelzufluss entwickelt sich nach Worten Kleys positiv. "Ich gehe davon aus, dass wir zwei Milliarden Euro erreichen werden." Der Finanzchef betonte, dass die Airline auch dank reduzierter Investitionen die Nettoverschuldung von 3,8 Mrd. Euro zum Jahresende 2001 schneller verringern werde als bisher angenommen. Bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres war der Schuldenberg um 300 Mill. Euro abgebaut worden.

Zugleich bestätigte die Lufthansa die Bestellung von zehn Airbus- -Maschinen. Mit der Entscheidung für den Kauf der Flugzeuge des Typs Airbus A330-300 nutze der Konzern die momentan günstige Marktsituation für Flugzeugbeschaffungen. Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa wegen der weltweiten Krise der internationalen Luftfahrt einen drastischen Einbruch des operativen Gewinns auf 28 Mill. Euro erlitten. Unter dem Strich standen nach Steuern 633 Mill. Euro Verlust nach 689 Mill. Euro Gewinn im Jahr zuvor - das erste Minus seit acht Jahren.

Quelle: Handelsblatt

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