Airline wäre von Krieg besonders betroffen
Im Kriegsfall fliegt Lufthansa die alte Seidenroute

Der Truppenaufmarsch am Persischen Golf war noch nicht richtig im Gange, da lagen bei der Lufthansa die Krisenpläne schon in der Schublade. Kein Wunder, schließlich dürfte ein neuer Irak-Krieg kaum ein deutsches Unternehmen so treffen wie die Lufthansa.

Reuters FRANKFURT. Ein Krieg am Golf würde nicht nur die Flugrouten in der Krisenregion durcheinander bringen, er dürfte nach Einschätzung von Experten auch den Öl- und davon abhängig den Kerosinpreis zunächst weiter in die Höhe treiben. Dazu kämen voraussichtlich weitere Belastungen für die ohnehin schwächelnde Konjunktur, die der Lufthansa schon länger etwa durch einen sinkenden Anteil der Geschäftsreisenden zu schaffen macht.

Außerdem steigen mit einem Krieg am Golf die Gefahr von Anschlägen im Luftverkehr und trotz Sky Marshals und schusssicherer Cockpit-Türen die Flugangst der Kunden. Der Golfkrieg 1991 jedenfalls hatte bei der Lufthansa nach deren Angaben für einen Passagierrückgang von 20 % sowie Belastungen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich gesorgt

Weber: Keine Prognose für Auswirkungen von Krieg

Zu den Auswirkungen eines neuen Irak-Krieges auf sein Unternehmen will Lufthansa-Chef Jürgen Weber denn auch keine konkrete Prognose abgeben. Allerdings kündigte er für den Kriegsfall bereits harte Sparmaßnahmen an, ohne allerdings schon Details zu nennen. Auch das Jahr 2003 werde in der Luftfahrt in jedem Fall eine "Durststrecke" sein, sagt Weber voraus. Schließlich haben die Fluglinien weltweit noch immer mit den Auswirkungen der Anschläge vom 11. September 2001 und der Wirtschaftskrise zu kämpfen - auch wenn die Lufthansa nach Einschätzung von Experten bislang in bemerkenswert guter Form aus der Krise herausgekommen ist.

Aufbauend auf den Erfahrungen von 1991, als wegen der Raketen-Angriffe des Irak zeitweise sogar der Luftraum über Israel gesperrt war, hat sich die Fluggesellschaft mittlerweile mit Planspielen auf die vielfältigen Auswirkungen eines neuen Golfkrieges eingerichtet. So hat sich die Lufthansa bereits Überflugrechte gesichert, falls der Luftraum über der Krisenregion gesperrt werden sollte. Die Ausweichroute in den Fernen Osten soll dann über Russland, China und das nördliche Himalaya-Gebirge führen - streckenweise entlang der alten Seidenstraße. Die Flugzeuge müssten dazu auf bis zu 12 000 Meter Höhe steigen und zusätzliche Sauerstoffvorräte und Navigationsgeräte an Bord haben.

Auch im Golfkrieg 1991 mussten Ziele gestrichen werden

Neben der australischen Qantas sei die Lufthansa die einzige Fluggesellschaft, deren Flugzeuge für derart extreme Flughöhen ausgestattet seien, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Andere Fluglinien würden dagegen zu weit größeren Umwegen gezwungen sein, weil sie die Krisenregion entweder südlich oder weiter nördlich als die Lufthansa umfliegen müssten. Über die Streichung von Flugzielen will die Lufthansa nicht spekulieren. Während des Golfkrieges 1991 konnte sie allerdings zeitweise nicht in die iranische Hauptstadt Teheran, ins jordanische Amman, ins israelische Tel Aviv und nicht nach Kuwait fliegen.

Auch auf einen Rückgang der Passagierzahlen ist die Lufthansa vorbereitet: Die Fluggesellschaft ist bekannt für ihr flexibles Kapazitätsmanagement und hat seit Anfang des Jahres bereits zweimal Flugzeuge wegen eines sich verschlechternden Geschäftsausblicks aus dem Verkehr gezogen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fluggesellschaften kann die Lufthansa dies ohne allzu große Probleme tun, weil ihr bis auf eine handvoll Flugzeuge der größte Teil ihrer Flotte mit rund 320 Maschinen tatsächlich gehört. Andere Fluglinien dagegen leasen ihre Maschinen - und müssen damit auch bei einer zeitweiligen Stilllegung weiter Leasinggebühren berappen.

Auch bei der Treibstoffversorgung hat sich die Lufthansa vorbereitet und nach eigenen Angaben bereits weit über 90 % des Bedarfs für das laufende Jahr preislich abgesichert. Trotz dieser Vorsorge jedoch schlagen die Rekordpreise der vergangenen Wochen auch auf die Lufthansa durch. "Wenn das in dieser Höhe weiter geht, werden wir hundert Mill. ? mehr ausgeben als im vergangenen Jahr", prognostiziert Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley.

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