Airline will hausgemachte Konkurrenz vermeiden
Lufthansa brütet über Billigboom

Etablierte Airlines rätseln, wie sie auf den Angriff der Billigflieger antworten sollen. British Midland kontert mit einem eigenen Angebot: "bmibaby". Lufthansa lehnt eine Billig-Airline unter dem eigenen Konzerndach ab.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt/Köln, wird keine eigene Billigfluggesellschaft in ihren Konzern eingliedern. Netzmanagement-Vorstand Ralf Teckentrup betonte im Gespräch mit dem Handelsblatt, ein solches Geschäftsfeld setze völlig andere Strukturen als die der Lufthansa voraus: "Wenn wir in diesen Markt einsteigen, müsste dies mit neuen Mitarbeitern und einem völlig neuen Produkt geschehen. Es würde mit der klassischen Netz-Airline Lufthansa nichts mehr zu tun haben", sagte Teckentrup.

Die etablierten Fluggesellschaften rätseln seit Monaten, wie sie der Expansion der Billig-Carrier begegnen sollen. "Natürlich ist das ein Markt, über den man bei einem Wachstum von 20 bis 25 % nachdenken muss", so Teckentrup. Immer stärker breiten sich Ryanair, Easyjet, Go und Buzz über Europa aus, und längst ist auch Deutschland ins Visier der Billigheimer gerückt. Die meisten Linien-Carrier schauen dem Treiben noch tatenlos zu, doch mit jeder Erfolgsmeldung der Aldis der Lüfte wächst der Wunsch, auch in diesem Segment mitmischen zu wollen.

BMI British Midland, die Nummer zwei in Großbritannien, hat sich bereits für den Start einer Billig-Airline entschieden. Unter der Marke "bmibaby" bietet der Lufthansa-Partner neuerdings Europaflüge schon ab 25 Pfund an - allerdings ohne Bordservice und ohne Anbindung an das Netzwerk der Star Alliance. Der Billigableger wird von einem eigenen Management geführt, das eine rundum schlanke Kostenstruktur durchhalten soll.

"Das ist kein Nachahmermodell für uns", entgegnet Lufthansa-Manager Teckentrup. Ihn stört in erster Linie, dass sich "bmibaby" sehr eng an die Hauptmarke BMI anlehnt. Schließlich fürchten Airlines, dass sie sich damit die Konkurrenz ins eigene Haus holen.

British Airways (BA) kann ein Lied davon singen: Ihre inzwischen verkaufte Billig-Airline Go flog auf einigen Routen in engem Wettbewerb zu BA und nahm dem Mutterkonzern bald Passagiere weg, die nur noch die Billigpreise auf der Nachbarstrecke zahlten.

Für Lufthansa komme ein solches Modell nicht in Frage, betonte Teckentrup. In der Branche wird vielmehr spekuliert, Lufthansa könne Billigflüge bald über einen Fremd-Carrier abwickeln. Steuerung und Kontrolle würden bei Lufthansa bleiben, nicht jedoch der Flugbetrieb. Den könnte ein Partner übernehmen, dessen Kostenstruktur günstigere Flüge erlaubt. Lufthansa will das nicht kommentieren.

Offiziell zeigt sich die Führung des Konzerns von den aggressiven Ryanair-Attacken nicht sonderlich beeindruckt. Dessen Chef Michael O? Leary prophezeit, Lufthansa werde auf Kurzstrecken bald viele Kunden an die Billigflieger verlieren. Teckentrup ist anderer Meinung: "Die Strategie ist so unterschiedlich, als ob sie uns mit der Bahn vergleichen. Wir bieten jeden Tag 30 000 Reisewege, Ryanair fliegt 94 Strecken im Point-to-Point-Verkehr." Bei derart verschiedenen Geschäftsmodellen werde man sich kaum ins Gehege kommen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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