Airlines fliegen rosigeren Zeiten entgegen
Touristikbranche: Ungebrochene Reiselust überrascht Anbieter

Den US-Bürgern ist offenbar die Lust am Reisen nicht vergangen. Trotz der anhaltenden Terrorangst und dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld planen 70 % der Befragten in dieser Saison einen Urlaub, so ergab eine Umfrage der New Yorker Beratungsgesellschaft Accenture. Mehr als drei Viertel der Urlauber wollen für ihre Reise genauso viel oder sogar mehr als im vergangenen Jahr ausgeben. Eine frohe Botschaft für die Branche, die nach den Anschlägen vom 11. September zu den am schwersten mitgenommenen gehört.

NEW YORK. Für die Airlines kam die rasche Erholung überraschend. Die US-Fluglinien haben ihre Sommerpläne um rund 10 % gegenüber Vorjahr reduziert, errechnete Airline/Aircraft Projects Inc., eine New Yorker Consultingfirma. Insgesamt haben die US- Gesellschaften sowie ihre europäischen Konkurrenten 14 % der Kapazitäten bei den Überseeflügen abgebaut. Die Folge: deutliche Preissteigerungen, Billigtickets sind gesucht. Denn es sind weniger die Geschäftsreisenden, die nach wieder vermehrt Flügen fragen, sondern vor allem Touristen.

Rosigere Zeiten für die Airlines in Sicht

Angesichts der wieder anlaufenden Nachfrage, sehen auch die Analysten die Airlines rosigeren Zeiten entgegenfliegen. So hat JP Morgan die fünf großen Fluggesellschaften auf seine Kaufliste gesetzt: Continental, Delta, Northwest, die American Airline-Holding AMR und allen voran United Airlines. Ebenso sehen es die Aktienexperten von UBS Warburg. Sie erwarten sogar, dass die Kurse innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate abheben. Dabei gehen sie von einer Steigerung von mindestens 30 Prozent aus. Dieser Anstieg dürfte dann die Verluste der vergangenen zwei Monate ausgleichen. Dabei macht den Flugunternehmen nicht allein die anhaltende Angst vor neuen Anschlägen zu schaffen, sondern auch der gestiegene Ölpreis.

Die finanziellen Folgen der Ausfälle nach dem Anschlag auf das WTC hat die Fluggesellschaften in Finanznöte gebracht. Zwar will die US-Regierung mit einem Milliardenprogramm der Branche unter die Flügel greifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig, da die Regierung weitgehende Auflagen mit einer Auszahlung verbunden hat. So haben sich aus Angst vor möglichen Pleiten viele Investoren aus der Branche verabschiedet. Das hat die Preise drastisch zum abstürzen gebracht. United Airlines ist bei den Analysten vor allem deshalb so beliebt, weil die Aktie derzeit wieder auf neuen Tiefständen seit dem Septembereinbruch gehandelt wird. Gleichzeitig zeichne sich das Unternehmen durch hohe Liquidität aus.

Was den fünf Großen gemein ist: Sie schreiben rote Zahlen. Die Investmentsparte von UBS Warburg schätzt, dass im Geschäftsjahr 2002 lediglich Delta Airlines den Verlust leicht verringern werde. Dagegen werden AMR und Continental prozentual betrachtet noch stärker ins Minus rutschen. Michael Linenberg, bei Merrill Lynch zuständig für den Sektor, empfiehlt Investoren, den Bestand an Aktien der großen drei amerikanischen Fluggesellschaften auszubauen. "Continental, Northwest und Delta Airlines werden die Gewinnschwelle als erstes erreichen." Salomon Smith Barney-Analyst Brian Harris vermutet etwas dunkel, dass "versteckte Perlen in der Wildnis der Airline-Branche verbergen." Um 29 Prozent ist der Sektor eingebrochen. Harris sieht eine Wende zum Guten in den nächsten vier Monaten.

Überflieger Southwest, die Nummer sieben auf dem US-Markt, will auch im Krisenjahr 2002 profitabel sein. Es wäre das 30ste Jahr in Folge, dass Southwest in der Gewinnzone landet. Im vergangenen Jahr war die Airline, die schwerpunktmäßig den Südwesten bedient, die einzige unter den Großen mit einem Gewinn. Die Branchenkollegen mussten teilweise bis zu neun Mrd. $ Verlust hinnehmen. Southwest ist der einzige Carrier, der nach dem 11. September weder Kapazitäten zurückgefahren, noch Mitarbeiter entlassen hat.

Hotels warten noch auf den Aufschwung

Am Boden sieht es nicht so positiv aus. Der Mai hat dem Hotelsektor nicht den erhofften Aufschwung gebracht. Durch Lockangebote versuchten die Hoteliers ihre Häuser zu füllen. Trotzdem ist in fast allen Regionen der Vereinigten Staaten der Umsatz pro Zimmer gesunken, so die Schätzungen der Aktienexperten von UBS Warburg. Durchschnittlich rechnen sie mit einem Rückgang von mindestens 10 % im Mai?. Ausnahmen sind Philadelphia und San Diego. Dort konnte die Unterkunftsbranche den Umsatz um bis 10 % steigern. Schlechte Nachrichten hatte das Imperium der Hilton Hotels, das zu den weltweit führenden Ketten gehört. Hilton senkte die Umsatzprognosen pro Zimmer für das zweite Quartal nach unten. Vor allem der Rückgang der Zimmerpreise ist laut Stephen Bollenbach für die Korrektur verantwortlich. Im Vergleich zum Vorjahr rechnet Hilton Hotels mit einem Rückgang der Übernachtungspreise um 5 %. Beim Konkurrenten Marriott, der größten US-Hotelkette, rechnet man inzwischen mit einem Minus von 7 % beim Umsatz pro Zimmer. Laut Smith Travel Research sind die Einnahmen pro Zimmer in fünf der vergangenen sechs Wochen gefallen.

Zu schaffen macht vor allem den Anbietern von Unterkünften der oberen Preisklasse die anhaltende Reiseunlust der Geschäftskunden. Mark Foster, zuständig für die Investments bei Kirr Marbach & Co, sieht die US-Unternehmen weiter auf hartem Sparkurs: " Während einer wirtschaftlichen Erholungsphase tendieren alle dazu im Rückspiegel die negativen Trends der vergangenen 12 Monate zu sehen. Das sorgt bei den Unternehmen dafür, den Deckel auf dem Topf für Reiseausgaben zuzuhalten."

Silberstreif am Horizont

Doch die Analysten von UBS Warburg sehen dennoch einen Silberstreif am Horizont: Dank Verbesserungen bei den Gewinnmargen und Kosteneinsparungen durch niedrigere Energiepreise sowie Stellenkürzungen werden die Hoteldirektoren bessere Ergebnisse als im vergangenen Jahr präsentieren können. Sorgen bereitet der Branche, dass die Kunden immer kurzfristiger buchen. Das macht die Planung für die Hoteliers schwierig. Buchungen selbst für Gruppenreisen werden im Moment 30 bis 60 Tage vor Reiseantritt vorgenommen. In der Vergangenheit lag der Wert noch bei 90 bis 120 Tagen. Auch die Unternehmen schicken ihre Angestellten immer kurzentschlossener auf den Weg. Innerhalb von 3 bis 7 Tagen nach der Reservierung checken die Firmenreisenden bereits ein. Aufgrund der angespannten finanziellen Situation und Kostensenkungsprogrammen warten viele Firmenchefs bis knapp vor dem Abreisedatum mit der Reisegenehmigung.

Nicht nur die Buchhalter schauen genau auf den Dollar. Die US-Bürger sind vor allem in Sachen Reisen ein Volk von Schnäppchenjägern geworden. Das kommt den Internetbörsen zugute, die Flüge, Mietwagen und Hotelzimmer vermitteln. Die Möglichkeit günstigere Angebote zu finden, lässt immer mehr Reisewillige Online gehen. Große Fluggesellschaften offerieren Anbietern wie Expedia.com oder auch Travelocity Überkapazitäten zu Discountpreisen, die diese dann an private Kunden weiterreichen. Priceline.com dagegen lässt Kunden den Wunschpreis nennen und sucht dann einen Anbieter, der willens ist, zu diesem Preis einzuschlagen. Ein Konzept, das offenbar Anklang findet. Demnächst wird Priceline sein Online-Geschäft in Singapur starten. Das Online-Reisebüro arbeitet inzwischen mit 25 Fluglinien und weltweit 8000 Hotels zusammen. Auch immer mehr Hotels vermitteln ihre Zimmer inzwischen per Internet. Dadurch lassen sich Marketing und Vertriebskosten sparen.

Diese Vorteile sind auch den Airlines nicht entgangen. Mit Orbitz betreiben Continental, Delta, United, American und Northwest Airlines seit Juni 2001 eine eigene Plattform im Netz. Noch schreibt Orbitz Verluste (103,2 Mio. $), doch verfügt nach eigenen Angaben über 6 Mio. registrierte Nutzer. Jetzt will die Airline-Tochter an die Nasdaq. Analysten sehen den geplanten Börsengang positiv.

Ein weiterer Trend: Die Urlauber bleiben im Heimatland. Zur Freude etwa von Walt Disney. Die Übernachtungen im Vergnügungspark in Orlando, Florida, sind um 25 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Da kann auch die Mickey Maus wieder lächeln.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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