Airlines rechnen mit bis zu fünf Milliarden Euro Verlust
Terroranschläge treffen Luftverkehrsbranche hart

Die Ereignisse in den USA treffen die ohnehin schwächelnde Luftverkehrsbranche hart . Neben dem Imageverlust durch die Verwendung von Passagierflugzeugen als fliegende Bomben müssen sich die Fluggesellschaften nach Meinung von Analysten auf sinkende Passagierzahlen einstellen.

ap DALLAS/PARIS. Der Einbruch in den nächsten zwölf Monaten dürfte noch stärker ausfallen als nach dem Golfkrieg Anfang der 90er, sagt Uwe Weinreich von der Münchner Hypo-Vereinsbank am Donnerstag. Damals sank die Zahl der Kunden weltweit um fünf Prozent.

"Das war ohnehin schon ein schlechtes Jahr für die Airlines", betont Ray Neidl von der Bank ABN Amro: "Jetzt könnte es ein Rekordverlustjahr werden." Nach einigen Boomjahren steuerten viele Fluggesellschaften bereits in die roten Zahlen; auch die Lufthansa machte im ersten Halbjahr nach Steuern einen Verlust von 43 Millionen Euro. Analysten bezifferten das mögliche Minus der großen Airlines auf insgesamt 2,8 Milliarden Euro. Nach den Anschlägen könnten es durchaus auch 5 Milliarden Euro werden, erklärt Neidl.

Einen solchen Verlust musste die Branche zuletzt 1992 nach der Kuwait-Krise hinnehmen. "Wenn es einen Gegenschlag der Amerikaner gibt, werden die Auswirkungen bei den Passagierzahlen stärker sein als damals", befürchtet Weinreich. Diesmal sei der wichtige nordamerikanische Markt direkt betroffen. "Es wird zu einem drastischen Rückgang auf der Nordatlantikroute kommen, vor allem in Richtung Europa."

Einige Reisende dürften Flugzeuge aus Sicherheitsgründen meiden und eine weitere Abkühlung der Weltkonjunktur, wie sie nach der Terrorwelle zu befürchten steht, schlägt ohnehin stets direkt auf die Luftverkehrsbranche durch. Die Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen könnte zudem zu einer leichten Verteuerung der Ticketpreise führen, wie der Chefredakteur der "Fliegerrevue", Lutz Buchmann, sagt.

"Lufthansa weniger betroffen als British Airways"

Tagelang fielen zudem alle Flüge in die USA aus, was sich in den Bilanzen niederschlagen wird. So mache die Lufthansa 20 Prozent ihrer Verkehrserlöse in der Passage auf der Nordatlantikroute, erklärt Unternehmenssprecherin Christine Ritz. Zahlen kann sie nicht nennen. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen sei derzeit unklar. Noch sei nicht abzuschätzen, wie es wirtschaftlich und politisch weitergehe.

"Wir wissen noch nicht, wie sich das Reiseverhalten verändern wird." Ritz weist darauf hin, dass viele Geschäftsleute Lufthansa wählten. Viele von ihnen müssten aus beruflichen Gründen weiter fliegen. Weinreich erwartet, dass die Lufthansa und die Air France wirtschaftlich etwa gleich stark betroffen sein dürften. Am härtesten dürfte es seiner Meinung nach British Airways mit ihren zahlreichen Nordamerikaverbindungen treffen. Eine kleine Airline in den USA hat es unmittelbar nach dem Tag des Terrors schon erwischt. Midway Airlines im US-Staat North Carolina mit 1.700 Beschäftigten setzte den Flugverkehr am Mittwoch aus. Es sei zu erwarten, dass die Nachfrage nach den Angriffen stark zurückgehen werde, erklärte das Unternehmen zur Begründung.

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