Airlines und Flugzeugbauer kündigen Stellenstreichungen an
Luftverkehrswirtschaft in schweren Turbulenzen

Noch sind die weltwirtschaftlichen Auswirkungen des fürchterlichen Terrorschlags vom 11. September nicht abschätzbar. Doch eine Branche leidet schon seit Tagen spürbar an den Folgen.

ap SEATTLE/FRANKFURT. Nach den Stellenstreichungen bei zahlreichen Airlines kündigte der amerikanische Hersteller Boeing den Abbau Zehntausender von Arbeitsplätzen an. Airbus hält sich im Gegensatz zu seinem US-amerikanischen Konkurrenten weiter bedeckt, musste am Mittwoch aber befürchten, dass die Lufthansa auf die Anschaffung des Großraumflugzeuges A 380 vorerst verzichtet.

Boeing-Chef Alan Mulally sprach am Dienstagabend in Seattle von 20 000 bis 30 000 Entlassungen bis Ende 2002. Er begründete die Stellenstreichung mit der derzeit schwierigen Lage der Fluggesellschaften und bedauerte die Auswirkungen auf die betroffenen Beschäftigten. Im kommerziellen Luftfahrtsektor des Unternehmens sind insgesamt etwa 93 000 Arbeitnehmer beschäftigt. Der Gouverneur des Staates Washington, Gary Locke, äußerte sich beunruhigt über die Auswirkungen der Terroranschläge auf die Luftfahrtindustrie und stellte massive staatliche Hilfe in Aussicht. Die Luftfahrtindustrie hofft auf 24 Milliarden Dollar. Die Regierung und der Kongress prüften derzeit Bundeshilfen in Milliardenhöhe für die ebenfalls angeschlagenen Fluggesellschaften der USA.

Airbus-Sprecherin Barbara Kracht konnte am Mittwoch noch nicht sagen, ob die Produktion des Boeing-Konkurrenten der verschlechterten Lage in der Luftfahrtindustrie angepasst werden müsse: "Wir beobachten die Situation genau, aber für eine endgültige Einschätzung ist es noch zu früh." Bislang habe ihres Wissens nach noch keine Fluggesellschaft um eine verzögerte Auslieferung von bestellten Maschinen gebeten. Es wird erwartet, dass die Airbus-Mutter EADS auf ihrer Pressekonferenz am (morgigen) Donnerstag zu den Auswirkungen des Terrorschocks Stellung nehmen wird, zu denen seit dem 11. September auch ein Rückgang des Aktienkurses um ein Drittel gehört. Analysten wiesen darauf hin, dass der europäische Flugzeugbauer "eine andere Philosophie" habe. So habe Airbus im Gegensatz zu Boeing bisher auch in Krisen Massenentlassungen vermieden und vor allem gezögert, sich von qualifizierten Mitarbeitern zu trennen.

Stellenabbau, aber keine Entlassungen bei der Lufthansa

Nach zahlreichen anderen Airlines kündigte am Mittwoch auch die Deutsche Lufthansa Stellenstreichungen an. Unternehmenssprecher Thomas Jachnow sagte auf Anfrage, die Auswirkungen des Terroranschlags machten Anpassungen an die verschlechterte Geschäftslage erforderlich. Jachnow versicherte jedoch, dass es keine Entlassungen geben werde. Nach einer Aufsichtsratssitzung wollte das Unternehmen am Mittwochabend (20.00 Uhr) eine Stellungnahme zu dem Arbeitsplatzabbau sowie einer möglichen Stornierung von Bestellungen des geplanten Großraumflugzeuges A380 abgeben. Bereits in den vergangenen Tagen hatten amerikanische Fluglinien, aber auch einige europäische Carrier zusammengenommen rund 30 000 Entlassungen angekündigt. Einige Airlines wollen auch ihr Angebot langfristig reduzieren.

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