Airport-Chef stellt Großübernahme in Aussicht
Flughafen Frankfurt will im M-Dax landen

Der Frankfurter Flughafen will nach einem Rekordjahr voraussichtlich im Juni dieses Jahres an die Börse gehen. Experten schätzen das Emissionsvolumen auf 3 bis 5 Mrd. DM.

FRANKFURT/M. Der zweitgrößte Flughafen Europas, dessen Börsengang zu den größten Platzierungen in diesem Jahr in Deutschland zählt, strebt unter dem Namen Fraport in den M-Dax der Frankfurter Börse. Der Flughafen erwägt angesichts seiner Bedeutung für die Region unter anderem, Anleger aus dem Rhein-Main-Gebiet bei der Zeichnung zu bevorzugen. Das sagte Fraport-Chef Wilhelm Bender im Gespräch mit dem Handelsblatt. Voraussichtlich sollen auch Frühzeichnerrabatte Kaufanreize geben. Bereits die Jenaer Jenoptik hatte beim Börsengang vor drei Jahren Anleger aus Thüringen bei der Zuteilung bevorzugt.

Mit den erwarteten Börsenmilliarden will Bender sich die Mittel für weiteres Wachstum verschaffen. Die bisherigen Besitzer - das Land Hessen (45,2 %), die Stadtwerke Frankfurt (28,9 %) und der Bund (25,9 %) - sind nicht mehr gewillt, anstehende Megainvestitionen weiter allein zu finanzieren. Rund 31 % der Anteile, die aus einer Kapitalerhöhung stammen, sollen an die Börse gebracht werden. Noch sei aber unklar, ob das in einer oder zwei Tranchen geschehe, sagte Bender. Die Mehrheit soll jedoch nicht in private Hände wechseln: Die öffentliche Hand will mindestens 51 % der Anteile behalten.

Der Frankfurter Flughafen, dem der gesamte Emissionserlös zugute kommen soll, will in den nächsten Jahren hoch hinaus. Denn der Luftverkehr wächst enorm. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl der Passagiere in Frankfurt um 7,5 % auf knapp 50 Millionen. Frankfurt liegt im Passagieraufkommen in Europa hinter London auf Platz zwei, beim Frachtumschlag sogar an der Spitze. Bis 2006 will der Flughafen, der die Heimatbasis der Lufthansa ist, seine Kapazität mit einem dritten Terminal und einer neuen Landebahn massiv ausbauen. Kalkulierte Kosten für die beiden Projekte: Gut 5 Mrd. DM. Der weitere Ausbau stößt jedoch auf Widerstand in der Bevölkerung - was Anleger verschrecken könnte.

Die ausgebaute Heimatbasis soll darum nur als Startrampe für die weltweite Expansion dienen - wofür auch der neue Name steht. Denn Fraport ist die Abkürzung für Frankfurt Airport Services Worldwide. Benders Ziele sind ehrgeizig: Er will Fraport bald zu einem der drei leistungs- und renditestärksten Flughafenkonzerne der Welt machen.

Der Top-Manager setzt dafür auf internationale Beteiligungen. Derzeit ist der Airport an 43 Standorten in aller Welt tätig, darunter Athen, Manila, Antalya und Lima. Im Vergleich zum größten Konkurrenten, dem Londoner Flughafenbetreiber BAA, ist Frankfurt jedoch noch ein kleines Licht. Das Ziel von Bender ist klar: "Wir wollen bei einem internationalen Großflughafen aus der ersten Liga der Flughafenbetreiber einsteigen." Im Rennen ist der Flughafen unter anderem bei Privatisierungen in Bangkok und Mexiko. Große Hoffnungen setzt Fraport auf die weltweit erste Airport-Allianz mit dem Amsterdamer Flughafen Schiphol. Beide bündelten ihre Auslandsaktivitäten in der gemeinsamen Tochter Pantares, der jetzt auch Rom beitreten will.

Analysten sehen die Perspektiven für Airport-Aktien durchaus positiv. Mario Kristl, Autor einer Studie der Helaba Trust zu europäischen Flughäfen, sieht in den Airports eine interessante Alternative zu den Airline-Aktien. Die Abhängigkeit der Flughäfen vom Ölpreis sei gering und der Verdrängungswettbewerb am Boden sei schwächer als der am Himmel. Das größte Wachstumshemmnis seien nur die sich bereits heute abzeichnenden Kapazitätsengpässe der Flughäfen, erklärte Kristl.

Bis zum Börsengang muss Bender Anleger, Fondsmanager und Analysten überzeugen, dass es sich beim Streit um den Ausbau des Flughafens nur um die üblichen Querelen handelt. Der Countdown für den milliardenschweren Börsengang ist längst angelaufen. Ende April will Bender die Eckdaten für den von den Investmentbanken Dresdner Kleinwort Wasserstein und Morgan Stanley Dean Witter begleiteten Sprung an den Aktienmarkt präsentieren.

Auch die Konkurrenz macht sich für die Börse startklar. Neben dem Frankfurter Flughafen drängen die Airports von Brüssel und Frankfurt-Partner Schiphol ebenfalls dieses Jahr noch an die Börse. Bender sieht hierin keine Konkurrenz. Die neuen Aktien würden die Aufmerksamkeit des Kapitalmarkts für das bisher kleine Segment der notierten Flughäfen verstärken - und die Auswahl für den Anleger erhöhen.

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