Akquisitionen in den USA haben die Abhängigkeit von der amerikanischen Konjunktur gesteigert
Niederländische Konzerne hängen besonders stark am Dollar

Eine wesentliche Stärke der niederländischen Industrie hat sich in den vergangenen Monaten zu einer Schwäche entwickelt: die starken Verbindungen in die USA. Viele niederländische Unternehmen exportieren nicht nur in großem Umfang nach Nordamerika, sondern haben dort in den vergangenen Jahren auch stark zugekauft. Das war jahrelang ein entscheidender Grund für ihr dynamisches Wachstum.

BRÜSSEL. Aktien solcher Konzerne seien zur Hälfte Anlagen in US-Unternehmen, sagen Analysten. Auch wenn sie einen Großteil ihrer Umsätze und Gewinne in Dollar realisieren, bilanzieren sie in Euro. So sehr der starke Dollarkurs also in den vergangenen Jahren die Gewinne zum Beispiel der Finanzriesen Aegon und ING, der Handelskette Ahold und des Chemiekonzerns Akzo Nobel mehrte, so dämpfend wirkt sich der derzeit schwächere Dollar nun auf die Ergebnisse dieser Konzern aus. "Niederländische Aktien sind mit die dollarempfindlichsten in Europa, weil die niederländische Wirtschaft traditionell stark in den USA engagiert ist", sagt ein Händler.

26 niederländische Unternehmen an US-Börsen notiert

Weil das US-Geschäft so wichtig für sie ist, sind bereits 26 niederländische Unternehmen auch an US-Börsen notiert. Zum Vergleich: Der viel größere Nachbar Deutschland kommt gerade mal auf 22 in den USA notierte Aktiengesellschaften. Da ist es auch kein Wunder, dass die Amsterdamer Börse regelmäßig viel stärker auf US-Konjunkturdaten reagiert als die meisten anderen europäischen Börsen.

Nicht nur wegen der Dollar-Einflüsse halten sich derzeit besonders viele Vorstände mit Voraussagen zur Geschäftsentwicklung der kommenden Monate zurück. Oft resultierten kräftige Gewinnzuwächse im vergangenen Jahr vor allem aus Akquisitionen des Vorjahres. Diese Effekte sind nun verbraucht, beispielsweise bei dem Büroeinrichter Buhrmann und den Verlagsgruppen Reed Elsevier und VNU. Aus eigener Kraft erreichen die Unternehmen längst nicht so ein starkes Ergebniswachstum.

Dieser Trend hat sich bereits 2001 gezeigt: Die 25 tonangebenden Unternehmen im Amsterdamer Börsenindex AEX beispielsweise steigerten ihren Umsatz aus eigener Kraft nur um 2 % nach 6,8 % im Vorjahr. Das berechnete die Wirtschaftszeitung "Het Financieele Dagblad". Bei 16 dieser 25 Top-Unternehmen schrumpfte der Gewinn.

Wenig Wachstum resultiert aus Übernahmen

Abgesehen von der Handelsgruppe Ahold, die Ende 2001 noch zwei große Zukäufe tätigte, haben die großen Konzerne wenig Wachstum aus Übernahmen in der Pipeline. Der Chemiekonzern DSM, der Nahrungsmittelhersteller Numico und VNU müssen sogar mit Umsatzrückgängen rechnen, weil sie komplette Sparten veräußerten.

Vorsichtig sind die Konzernchefs auch, weil die Präsentation der Jahresergebnisse 2001 so anders verlief als die Verkündung der 2000er-Zahlen im vergangenen Jahr. Damals verkündeten strahlende Gesichter Rekordgewinne. In diesem Jahr mussten zerknirschte Top-Manager Verantwortung übernehmen für enttäuschende Ergebnisse, missglückte Strategien, Sanierungsrückstellungen - und bisweilen für Rekordverluste. Viele sahen sich zu Abschreibungen auf den Wert übernommener Firmen oder hohen Rückstellungen gezwungen. Das drückte die Ergebnisse wiederum so stark, dass selbst magere Ergebnisse für 2002 im Vergleich dazu gut aussehen könnten.

Reingewinn sagt kaum noch etwas über Geschäftsverlauf aus

Immer weniger sagt deshalb der Reingewinn über den tatsächlichen Geschäftsverlauf aus. Die Betriebsergebnisse boten oft ein positiveres Bild. Aber nur wenige Unternehmen übertrafen die Leistungen des Jahres 2000. Dazu gehören etwa Ahold, die Brauerei Heineken und Unilever.

Tief in den roten Zahlen hingegen landete erneut der Elektronikkonzern Philips. Vorstandschef Gerard Kleisterlee klagte über ein "verlorenes Jahr." Auch bei anderen Vertretern der Informations- und Kommunikationsbranche lief es 2001 schlecht. Getronics, der drittgrößte europäische Anbieter von Computernetzen, rutschte 2001 erstmals in seiner Geschichte in die roten Zahlen, weil er 930 Mill. Euro auf den Firmenwert des 1999 erworbenen Rivalen Wang Global abschreiben musste. Das Unternehmen habe aber in schlechter Marktlage die richtigen Schritte zum Schuldenabbau und zur Kostensenkung ergriffen, loben Analysten. Das erste Halbjahr 2002 brachte schwarze Zahlen.

ASML hingegen schrieb einen noch höheren Verlust als befürchtet. An der Börse herrschen Zweifel, ob der weltgrößte Hersteller von Chipmaschinen im zweiten Halbjahr ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen kann.

Heil wird in Besitzerwechsel gesucht

Manche Firmen in angespannter Lage suchten ihr Heil im laufenden Jahr in einem Besitzerwechsel. So wurde beispielsweise Laurus - einst als ernsthafter Konkurrent von Marktführer Ahold angetreten - im Juli durch eine Beteiligung von 38 % des französischen Supermarktkonzerns Casino vor dem Untergang gerettet.

In neue Hände kam nach einem langen Übernahmegefecht auch der größte niederländische Baukonzern HBG. Obwohl er 2001 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt war, übernahm den Konzern im April zunächst ein spanisches Unternehmen. Das wiederum hat offenbar Begehrlichkeiten geweckt: Nun hat auf einmal der niederländische Konkurrent BAM NBM Interesse an HBG.

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