Akquisitionen von kleineren Firmen wahrscheinlich
Schering kündigt weitere Biotech-Zukäufe an

Der Pharmakonzern Schering hat in einer zuletzt von Gewinnwarnungen geprägten Branche ein positives Gegensignal gesetzt. Schering habe die Analysten im ersten Halbjahr sowohl durch den leichten Anstieg beim Betriebsergebnis trotz hoher Markteinführungskosten für neue Medikamente als auch durch den Anstieg des Konzerngewinns um 26 % überrascht, sagte Finanzchef Klaus Pohle in einem Reuters-Interview am Freitag.

rtr BERLIN. Er erwarte, dass der geplante Verkauf des 24-Prozent-Anteils an der Aventis CropScience an Bayer beschlossen werde. Mit einer "Kriegskasse" von zwei bis drei Mrd. ? wolle Schering weitere BioTech-Firmen zukaufen und vor allem sein Amerika-Geschäft verstärken.

Zum Erfolgsrezept seines Unternehmens, das nach einem Anstieg des Halbjahresgewinns zum zweiten Mal seine Gewinnprognose für 2001 heraufsetzte, sagte Pohle: "Das schaffen wir ganz einfach durch die Kraft unserer Innovation." Im Sinne dieser Strategie wolle Schering den Erlös aus dem geplanten Verkauf seiner 24-prozentigen Beteiligung an der Aventis CropScience verwenden, um den Durchbruch in Amerika zu schaffen. "Unsere Strategie war auch, den Gewinnsprung von Aventis sofort wieder in verstärkte Marketing-Aufwendungen zu investieren, damit wir in den USA vorankommen", sagte Pohle.

Zur anvisierten Verkaufsentscheidung für den 24-Prozent-Anteil an Aventis CropScience an Bayer sagte Pohle: "Ich rechne damit im Monat August." Er fügte hinzu: "Wir rechnen aber damit, dass wir Aventis für das ganze Jahr 2001 zu konsolidieren haben." Die Genehmigung der Transaktion durch die Europäische Union könne noch bis zum nächsten Jahr dauern. Pohle hatte früher einmal den Wert der Beteiligung auf rund 1,5 Mrd. ? veranschlagt. Über den Preis verhandle er noch mit Bayer, sagte Pohle nun.

Insgesamt verfüge Schering einschließlich seiner Kreditlinien über eine "Kriegskasse" von zwei bis drei Mrd. ? für Firmenzukäufe. Akquisitionen von kleineren Firmen aus dem Biotech-Bereich für 2001 seien wahrscheinlich, sagte Pohle. Namen nannte er jedoch keine. "Wahrscheinlich werden wir dieses und jenes noch in diesem Jahr bekannt gegeben, aber nur mit Auswirkungen auf die Bilanz 2002", sagte der Schering-Finanzchef.

Erwartungen "übererfüllt"

"Wir können uns das leisten", sagte Pohle zu den Expansionsplänen seines Konzerns. "Eine der Überraschungen für viele Analysten ist gewesen, dass wir das Betriebsergebnis trotz unserer Marketing-Aufwendungen halten konnten, und das wird ja nun im vierten Quartal erheblich besser, weil wir dann die Umsätze aus den Marketing-Aufwendungen bekommen", sagte er weiter. Ob es im Jahr 2001 letztlich zu dem kürzlich von ihm vorausgesagten Anstieg des Betriebsergebnisses um etwa drei Prozent kommt, ließ der Manager offen. Ebenfalls nicht beziffern wollte er, wie weit der inzwischen erwartete Konzerngewinn 2001 über dem genannten Zielwert von 400 Mill. ? liegen dürfte.

"Wir haben ja doch wirklich fast alles, was von uns erwartet wurde, übererfüllt", sagte Pohle zu den Geschäftsergebnissen des ersten Halbjahres. Dabei habe Schering im zweiten Quartal auch noch 28 Mill. ? auf Beteiligungen an Biotech-Firmen abgeschrieben.

Schering hatte am Morgen für das erste Halbjahr 2001 einen Umsatzanstieg um neun Prozent, ein Plus des Konzerngewinns von 26 % und - wegen hoher Marketing-Aufwendungen für neue Arzneimittel - einen nur leichten Zuwachs des Betriebsergebnisses von einem Prozent mitgeteilt.

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