Akquisititionspläne sind gescheitert
GTS verkauft Esprit und wagt einen Neustart

Die Firmennamen haben sich fast im Jahrestakt geändert, die Strategien, die Chefs und die Schwierigkeiten ebenfalls. Nur die Adresse erinnert noch an alte Zeiten: August-Thyssen-Straße 1. Im Thyssen-Hochhaus in der Düsseldorfer Innenstadt arbeitet bis heute ein Teil der Global Tele Systems Deutschland GmbH (GTS), ehemals Esprit Télécom, ehemals Plusnet und Teil der Thyssen Telecom AG. Demnächst gibt es wieder einen neuen Namen und neue Zukunftspläne. Der Telekomanbieter will einen Neustart wagen.

HB DÜSSELDORF. Der Plan dazu ist aus der Not geboren: Die Muttergesellschaft GTS Inc. trennt sich von ihrer Tochter Esprit, weil sie die Schulden dieser Sparte nicht mehr bezahlen kann, nicht mal die Zinsen darauf. Im vergangenen Jahr überstiegen, vorläufigen Zahlen zufolge, die konsolidierten Verluste von rund 1,6 Mrd. Euro den Umsatz der GTS-Gruppe von 1,11 Mrd. Euro.

Der ausgegliederte Unternehmensteil mit einem Umsatz von rund 570 Mill. Euro soll mehrheitlich an die Eigentümer von Esprit - Anleihen übergehen, die im Gegenzug auf die Auszahlung der Schulden verzichten sollen. Die Mehrheit der Geldgeber hat diesem Plan zugestimmt. Sie wollen Schulden von 500 Mill. $ gegen 90 % des neuen Unternehmens tauschen. Die Rest-Anteile bleiben bei GTS.

"Ein reichlich kühner Deal für die neue Esprit", sagt ein Londoner Analyst. Das Unternehmen müsse sich allein mit dem am wenigsten profitablen Teil des Telekom-Marktes herumschlagen: der Sprachtelefonie.

Dieser Begriff fällt jedoch kaum mehr, wenn Mark Goossens, heute GTS-Deutschlandchef, demnächst hier zu Lande Herr des neuen Unternehmens, über seine Pläne spricht. Er redet von IP-Access, VPN, ASP-Services - von Diensten für Geschäftskunden. Die neue Esprit will alles, was sich um Datendienste und das Internet dreht, anbieten. Call-by-Call für Privatkunden werde zwar weiterhin betrieben. "Es wird aber kein strategisches Geschäft", sagt Goossens.

Neben Esprit gliedert GTS auch die Telefongesellschaften Netsource aus Skandinavien und Omnicom aus Frankreich und damit die gesamte Sparte Business Services in das neue Unternehmen aus. Der Verbund wird in zehn europäischen Ländern aktiv sein. Für den Neuanfang gibt es von GTS bis zu 35 Mill. Euro sowie Breitband-Kapazitäten im Wert von 20 Mill. Euro. Dennoch wird es nach Ansicht von Experten kein leichter Start; denn es fehlt die eigene Netzinfrastruktur - eine wichtige Voraussetzung, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Esprit will deshalb in erster Linie als Wiederverkäufer Geld verdienen. Goossens erhofft sich Gewinnmargen im zweistelligen Bereich. "Wir sind kein Startup. Wir haben in Deutschland schon rund 10 000 Geschäftskunden, und auch die Nachfrage nach Datendiensten ist da." 2002 will er in Deutschland ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erreichen.

Die ambitionierten Akquisitionspläne von GTS sind mit der Abspaltung der Sprachtelefonie endgültig gescheitert. Vor etwa zwei Jahren sind die Amerikaner angetreten und wollten einen europäischen Komplettanbieter für Telekom-Dienste aufbauen. Sie kauften viele Unternehmen auf und verschuldeten sich dafür. Das brachte sie zunehmend in Bedrängnis, als die Preise für Sprachdienste fielen und Anleger der Branche den Rücken kehrten. "Das war für uns ein ungünstiger Zeitpunkt", sagt Mark Goossens, denn GTS habe die Integration der Unternehmen nicht beenden können.

Kritiker meinen: GTS habe sich verzettelt, weil es zu viele unterschiedliche Kunden ansprechen wollte: Privat- und Geschäftskunden, Telekom-Konzerne und kleinere Carrier. Zudem habe das Unternehmen den Landesgesellschaften zu wenig Verantwortung übertragen. "Wir waren ein Durchreichorgan für die Produkte aus London", sagt auch Goossens heute.

GTS will sich jetzt wieder auf sein ursprüngliches Geschäft konzentrieren: den Verkauf von Bandbreite an Telekom-Anbieter und große Unternehmen.

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