Aktie am Einführungstag unter Ausgabepreis gesunken
Orange-Börsengang verpatzt

Der Börsengang der Mobilfunktochter Orange hat sich für France Télécom als Schlag ins Wasser erwiesen. Obwohl die Preisspanne noch vergangene Woche deutlich gesenkt und der Aktienpreis dann am untersten Ende festgesetzt wurde, kam am ersten Handelstag keine Freude auf.

afp PARIS. Der Mobilfunkriese Orange hat einen schlechten Börsenstart erwischt. Der Aktienkurs sank am Dienstag kurz vor dem Pariser Börsenschluss unter den Ausgabepreis für Privatanleger. Als Schlussnotierung wurde am Abend ein Kurs von 9,40 Euro (18,38 DM) festgestellt, der damit um 1,05 % unter dem Ausgabepreis von 9,50 Euro (18,58 Mark) lag. Die Tochtergesellschaft von France Télécom hatte den institutionellen Anlegern, denen drei Viertel des Pakets zugeteilt wurden, sogar einen Ausgabepreis von zehn Euro abverlangt. Die Notierungen waren im Laufe des Nachmittags allmählich von 9,90 Euro gesunken. Darüber hinaus sackte die Aktie von France Télécom stark ab - sie fiel um 6,31 % auf 78,70 Euro, den niedrigsten Stand seit 16 Monaten.

France Télécom brachte zunächst 633 Millionen Orange-Aktien an den Markt, was 13 % des Orange-Kapitals entspricht. Die institutionellen Anleger hatten zu Beginn der Zeichnungsfrist kaum Interesse gezeigt und dadurch einen weit niedrigeren Ausgabepreis erzwungen als ursprünglich geplant. In der vergangenen Woche setzte der französische Konzern die Preisspanne von den geplanten 11,50 bis 13,50 Euro auf 9,50 bis 11 Euro herab. Wenige Stunden vor dem Börsenstart wurde dann der unterste Wert dieser Spanne als Ausgabepreis für private Anleger gewählt. Die Einnahmen durch den Börsengang fielen daher um rund 4 Mrd. Euro geringer aus als erwartet.

Die Orange-Aktie war zweieinhalbfach durch Anleger in Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien überzeichnet. Mit einem internationalen Werbefeldzug wurden 1,4 Millionen Privatanleger gewonnen. France-Télécom-Chef Michel Bon konnte damit zumindest das selbst gesteckte Ziel von einer Million Privat-Aktionären erreichen. France Télécom hielt sich die Option offen, den Anteil der ausgegebenen Aktien auf 15 % zu erhöhen. Der Unternehmenswert für Orange wurde beim Börsengang mit 48,6 Mrd. Euro beziffert. Noch zu Beginn des Jahres hatten Analysten mit bis zu 87 Milliarden Euro gerechnet.

Der France-Télécom-Chef gab zu, dass er angesichts der schwachen Nachfrage nach Telekom-Werten zunächst eine Verschiebung des Börsengangs erwogen habe. Schließlich sei aber die Preissenkung vereinbart worden. In der schwierigen Marktsituation untätig zu bleiben, hätte erhebliche Risiken für die Orange-Aktie bedeutet, betonte Bon. France Télécom stand bei der Wahl des Termins unter Zugzwang. Das Unternehmen muss Schulden beim britischen Mobilfunkkonzern Vodafone begleichen und bis zum 31. März eigene Aktien im Wert von 7 Mrd. Euro von Vodafone zurückkaufen. Die Franzosen hatten Orange im Mai 2000 von Vodafone für 33,15 Mrd. Euro gekauft und sich davon den Durchbruch auf dem europäischen Mobilfunkmarkt versprochen.

Der Börsengang des zweitgrößten europäischen Mobilfunkanbieters gilt als Test für die Aufnahmefähigkeit der Aktienmärkte und weitere Mobilfunk-Emissionen in diesem Jahr. Nächster Kandidat für einen Börsengang ist voraussichtlich die Tochterfirma von British Telecom, BT Wireless.

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