Aktie auf Berg- und Talfahrt
Kirch will EM.TV kaufen

Für das tief in der Krise steckende Medienunternehmen EM.TV & Merchandising scheint sich überraschend eine Lösung abzuzeichnen. Nach Informationen unternehmensnaher Kreise strebt die Mediengruppe des Unternehmers Leo Kirch eine Übernahme der Mehrheit bei EM.TV an.

DÜSSELDORF. Ein Abschluss der auf Hochtouren laufenden Verhandlungen könnte unter Umständen bereits in den nächsten Tagen zustande kommen, hieß es in München. Weder die Kirch-Gruppe noch EM.TV wollten diese Informationen offiziell kommentieren. "Es würde zusammen wachsen, was gut zusammen passt", hieß es dagegen informell aus der Kirch-Gruppe. Die Kirch-Gruppe ist einer der weltweit größten Film- und TV-Lizenzhändler und kontrolliert den größten deutschen privaten Fernsehkonzern Pro Sieben Sat1. EM.TV ist im Bereich Kinder- und Jugendunterhaltung aktiv und hat vor kurzem eine 50- %-Beteiligung an der Formel 1 übernommen.

Für die Kirch-Gruppe wäre nach dem beispiellosen Sturzflug der EM.TV-Aktie zudem ein günstiger Zeitpunkt für den Einstieg.

Die EM.TV-Aktie, eines der Schwergewichte am Neuen Markt, hatte bis gestern Nachmittag heftige Kursverluste einstecken müssen. Das Papier, einst ein Börsenliebing am Neuen Markt, verlor in der Spitze bis zu 20 % auf unter 18 Euro. Nach Gerüchten um einen Einstieg der Kirch-Gruppe holte die Aktien einen großen Teil der Verluste wieder auf, schloss aber noch mit einem leichten Minus von 6,4 %.

Mit einem möglichen Einstieg von Kirch bei EM.TV überschlagen sich die Ereignisse bei dem TV-Rechtehändler. Denn am Tag zuvor hatten Spekulationen, dass EM.TV kurz vor einer Gewinnwarnung stehe, das Papier einbrechen lassen. Am Tag davor waren es Gerüchte, das Unternehmen stecke in massiven Liquiditätsproblemen, die für einen herben Kursrückgang sorgte. Dies war allerdings von einem EM.TV-Sprecher dementiert worden: "Wir sind alles andere als pleite."

Bereits am Mittwoch arbeiten Kirch und EM.TV eng zusammen. So betreiben beide das Joint-Venture Junior, das auf Kinder- und Jugendprogramme spezialisiert ist. Zudem war Thomas Haffa bei der Kirch-Gruppe beschäftigt, bevor er sich 1989 selbstständig gemacht hat. Offen ist, wie die Transaktion im Detail finanziert würde. Thomas Haffa könnte die Mehrheit der Anteile an Kirch geben. Im Gegenzug würde er entweder ausgezahlt werden oder eine Beteiligung an der Kirch Media KGaA erhalten. Auf diese Weise wurde zuletzt auch die Pro-Sieben-Gruppe in die Kirch-Gruppe integriert.

In Analystenkreisen herrschte Überraschung über einen möglichen Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV. Dies wäre nur dann sinnvoll, wenn es ernsthafte Probleme bei EM.TV gebe, hieß es. Gleichzeitig hieß es aber, die Einzelteile des EM.TV-Konzerns seien insgesamt mehr wert als der derzeitige Marktwert (knapp 3 Mrd. Euro). EM.TV ist seit dem Hoch von 120 Euro im Februar auf steilem Abwärtskurs. Im Oktober mussten Bilanzfehler bei der Integration der jüngsten Akquisitionen eingeräumt werden. zudem heißt es immer wieder, EM.TV habe die Jim-Henson-Gruppe ("Sesamstraße") sowie die Beteiligungen an der Formel 1-Holding SLEC (50 %) sowie an der Tele-München-Gruppe (45 %) zu teuer eingekauft.ruppe könnte vom Merchandising-Know-How von EM.TV profitieren, den Rechtestock ausbauen und zudem ein weiteres börsennotiertes Unternehmen in den Verbund aufnehmen. EM.TV auf der anderen Seite hätte den Zugriff auf die Kirch-TV-Sender (Pro Sieben, Sat 1, Premiere etc.).



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