Aktie auf Jahrestief
Kurzarbeit bei Comdirect soll 200 Stellen retten

Der Online-Broker Comdirect führt auf Grund einer schlechten Geschäftslage als bundesweit erste Direktbank Kurzarbeit für die Hälfte seiner Mitarbeiter ein und will damit Entlassungen abwenden. "Damit sparen wir Personalkosten und müssen niemanden entlassen", sagte Comdirect-Sprecher Andreas Bartels am Freitag.

Reuters FRANKFURT/HAMBURG. Betroffen sind Comdirect zufolge vom 1. Oktober an rund die Hälfte der 1 300 Mitarbeiter. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die die Maßnahme mitträgt, werden damit bei Comdirect rund 200 Entlassungen verhindert. Grund sei die derzeit schlechte Geschäftslage. Die im Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes notierte Comdirect-Aktie fiel zeitweise um rund zehn Prozent auf ein Jahrestief von 6,05 Euro.

Die Gewerkschaft geht bisher von einem Einzelfall in der Branche aus. "Das ist aus unserer Sicht noch kein Trend für die Bankenbranche", sagte ein Verdi-Sprecher in Hamburg. Bei anderen Unternehmen der Branche sei bisher keine Kurzarbeit in Sicht. Allerdings hatte erst am Vortag auch Consors mitgeteilt, im Rahmen seines Effizienzprogramms sein Call Center in Berlin verkaufen zu wollen. Ebenfalls am Donnerstag hatte der größte US-Broker Charles Schwab einen weiteren Stellenabbau angekündigt.

Für die Kurzarbeit werde Comdirect finanzielle Hilfe des Arbeitsamtes in Anspruch nehmen, sagte der Comdirect-Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Die Hälfte der Mitarbeiter würde nur noch vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten. Das Arbeitsamt werde für rund 60 % des Verdienstausfalls der Mitarbeiter aufkommen. Im Gegenzug habe Comdirect zugesichert, keine Mitarbeiter zu entlassen. Mit dieser auf sechs Monate angelegten Vereinbarung würde zum ersten Mal ein deutscher Online-Broker mit dem Arbeitsamt zusammenarbeiten, um Entlassungen zu vermeiden.

Geringes Kundenwachstum

Wie andere Brokerhäuser leidet die Commerzbank-Tochter angesichts der schwachen Kapitalmärkte derzeit am allgemein niedrigen Handelsvolumen sowie an geringem Kundenwachstum. Bereits Mitte August hatte die Firma angekündigt, möglicherweise ihre Geschäfte in Frankreich, Italien und Großbritannien einzustellen. Für das zweite Quartal hatte Comdirect einen Verlust vor Steuern von 26,6 Mill. Euro nach 19,8 Mill. Euro im Vorquartal ausgewiesen.

Wettbewerber Consors will nach eigenen Angaben seine Mitarbeiterzahl auf 800 von im Februar noch 1 090 Beschäftigten reduzieren. Für das Gesamtjahr hatte das Nürnberger Brokerhaus Mitte August einen Verlust von bis zu 70 Mill. Euro in Aussicht gestellt.

Der größte US-Online-Broker Charles Schwab hatte am Donnerstag angekündigt, bis zu 2 400 Stellen zusätzlich zu dem bereits im März angekündigten Abbau von 3 400 Arbeitsplätzen streichen zu wollen. Anfang des Jahres hatte Schwab nach eigenen Angaben noch 26 700 Mitarbeiter.

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