Aktie auf Jahrestief
Umbau von EM.TV verzögert sich

Die Neuausrichtung von EM.TV kommt nicht so schnell voran wie geplant. Der Verkauf der Henson-Gruppe zieht sich hin. EM.TV-Chef Haffa will den verlustreichen Deal auf jeden Fall bis Jahresende abschließen.

DÜSSELDORF/LOS ANGELES. Der Versuch, die angeschlagene Filmrechtefirma EM.TV auf das Kerngeschäft gesund zu schrumpfen, verzögert sich. Der wahrscheinlich sehr verlustreiche Verkauf der Jim-Henson-Gruppe in den USA gestaltet sich kompliziert und wird noch Monate dauern. EM.TV-Vorstandsvorsitzender und Großaktionär Thomas Haffa erklärte dem Handelsblatt: "Ich bin davon überzeugt, dass der Verkauf der Jim-Henson-Gruppe bis zum Jahresende abgewickelt wird." Entscheidend sei der Preis. Angesichts der hohen Verluste und des niedrigen Aktienkurses steht der Ex-Star des Neuen Marktes unter großem Druck. Neben dem Preis seien ihm auch die künftigen Synergien zwischen Investor und EM.TV wichtig, fügt Haffa an. Die Aktie des am Neuen Markt notierten Medienunternehmens stürzte gestern in Frankfurt auf ein neues Jahrestief um 2,72 ?.

Dass die Neuausrichtung nicht richtig vom Fleck kommt, dafür sorgt auch der Münchner Filmrechtehändler Herbert Kloiber. Haffa, der einst 45 % an Kloibers verschachtelter Tele-München-Gruppe (TMG) für 860 Mill. DM erworben, muss diesen Anteil möglichst schnell aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen. Bereits bei der Ankündigung des Einstiegs der Kirch-Gruppe im Dezember letzten Jahres war klar, dass für Haffas TMG-Anteil ein Interessent gefunden werden muss, mit dem Kloiber einverstanden ist. Haffa erklärte, dass es derzeit drei Interessenten gebe. Namen wollte der EM.TV-Chef aber nicht nennen.

Großes Interesse an Jim-Henson-Gruppe

In den USA bemühen sich derzeit mehrere Unternehmen um den Erwerb von Henson. "Es gibt großes Interesse an der Jim-Henson-Gruppe. Interessenten kommen aus den USA, Australien, Europa und China", erklärte Haffa. Die Suche nach Investoren erfolge in enger Absprache mit Jim-Henson-Chef Charles Rivkin. Er telefoniere oft mehrmals täglich mit ihm. Für Haffa kommen drei Optionen in Frage: Management-Buy-Out, Verkauf oder Teilverkauf. Derzeit sei vieles möglich, sagte der Chef des auf 120 Mitarbeiter geschrumpften Medienunternehmens mehrdeutig.

"Die Muppets kommen zurück nach Amerika", kommentierte die Los Angeles Times unlängst die Ankündigung von EM.TV, dass das erst vor einem Jahr für 680 Mill. $ erworbene Jim-Henson-Imperium wieder verkauft werden solle. Die Entscheidung fällt aber nicht in Los Angeles, sondern in München. Haffa und sein Vize Rainer Hüther haben in enger Absprache mit der Kirch-Gruppe das letzte Wort. Für Miss Piggy und Kermit sucht die New Yorker Investmentbank Allen & Co. derzeit im Auftrag Haffas einen Käufer. Für Henson verlangt EM.TV angeblich nur zwischen 200 und 250 Mill. $, heißt es in US-Investorenkreisen.

Henson kann sich Rückkauf vorstellen

Bei diesem "Sonderangebot" wird auch das Henson-Management selbst, angeführt von Brian Henson und Vorstandschef Charles Rivkin, neugierig. "Natürlich können wir uns vorstellen, die Firma in einem Management-Buyout zurückzukaufen", heißt es in der Henson-Zentrale. Disney und Viacom werfen schon seit einigen Jahren ein Auge auf Henson. Disney legte sogar schon ein konkretes Angebot vor. Disney-Chef Michael Eisner will nur zwischen 200 und 250 Mill. $ bezahlen. Einige Experten glauben sogar, dass Eisner bereit wäre, bis zu 400 Mill. $ zu bieten. Das ist wesentlich weniger als das, was EM.TV vor knapp einem Jahr hinblätterte. Aber "der Wert von Henson wird derzeit auch auf ,nur? noch 310 Mill. $ geschätzt", sagt ein Disney-Sprecher.

Unterdessen formieren sich die privaten Kläger gegen EM.TV neu. Der Prozessfinanzierer Foris erklärte, dass die Zusammenarbeit mit der Kanzlei Tilp & Kälberer bei der Vertretung von geschädigten Privatanlegern beendet worden sei. Die Treuhänderklage vertritt jetzt vor Gericht die Frankfurter Kanzlei Polt & Schank. Foris finanziert eine Schadensersatzklage gegen EM.TV und die Brüder Thomas und Florian Haffa. Insgesamt haben laut Foris bei dieser Klage 880 Anleger ihre Ansprüche an den Treuhänder-Anwalt Josef Willmeroth-Hohenadl abgetreten.

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