Aktie auf Rekordtief
Daimler trennt sich von weiteren Chrysler-Managern

Die Daimler-Chrysler AG hat sich als Konsequenz aus der schlechten Ertragslage bei Chrysler von weiteren Topmanagern ihrer US-Sparte getrennt. Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie sackte zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit der Gründung des Konzerns.

rtr FRANKFURT. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte am Montag in Stuttgart, Vertriebschef Theodor Cunningham, Verwaltungschefin Kathleen Oswald und Kommunikationschef Tony Cervone würden das Unternehmen verlassen. Cervone wird nach Angaben aus Firmenkreisen durch Ken Levy, einem früheren Sprecher des Autokonzerns General Motors, ersetzt. Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie sackte wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung bei Chrysler zeitweise auf ein neues Rekordtief ab. Unterdessen lehnte Daimler-Chrysler einen Kommentar zu Presseberichten ab, wonach auch 2001 hohe Verluste bei Chrysler zu erwarten seien.

Daimler-Chrysler - Intraday-Chart

Noch im Verlauf des Montag wollte sich die neue Chrysler-Führung per Videoübertragung an die 128 000 Beschäftigten von Chrysler wenden. Konzernchef Jürgen Schrempp und der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche waren nach Angaben aus Firmenkreisen zum Chrysler-Sitz nach Auburn Hills gereist, um dort vor mehreren hundert Führungskräften über das weitere Vorgehen zu sprechen. Daimler-Chrysler hatte am Freitag die Führung bei ihrer US-Tochter Chrysler ausgewechselt und angekündigt, die Ergebnisse von Chrysler würden schlechter ausfallen als bisher erwartet. Ursprünglich war geplant gewesen, dass Chrysler nach einem Verlust von 579 Mill. Euro im dritten Quartal im Schlussquartal des Jahres wieder Gewinne erreichen würde. Nach Angaben aus Firmenkreisen wurde der bisherigen Führung vorgeworfen, mehrfach zu optimistische Prognosen gemacht und zu wenig zur Beseitigung der Probleme getan zu haben.

Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie sackte im Xetra-Handel zwischenzeitlich auf 46,90 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit der Gründung des Konzerns im November 1998 ab. Am Abend wurde die Aktie für 47,53 Euro gehandelt, 4,6 % weniger als bei Börsenschluss am Freitag. Die Aktie litt unter anderem unter einer Herabstufung der US-Investmentbank Lehman Brothers, die das Kursziel für die Aktie auf 39 von zuvor 43 Euro senkte.

Mit den derzeitigen Kursen ist die DaimlerChrysler-Aktie nur noch etwa so viel wert wie die Aktie des Vorgängerunternehmens Daimler-Benz im November 1996. Seit Frühjahr 1999 hat die Daimler-Chrysler-Aktie etwa die Hälfte an Wert verloren.

Die Analysten der Investmentbank Lehman Brothers begründete ihre Herabsetzung des Kursziels damit, dass die schwierigen Zeiten für den Konzern nun erst begännen. Chrysler werde es mit einem neuen Management schwer haben, die Kosten so schnell zu reduzieren wie die Umsätze in den kommenden zwei bis drei Jahren fallen würden. Zuvor hatten bereits die Investmentbanken Goldman Sachs, Merrill Lynch und Schroder Salomon Smith Barney ihre Kursziele und Gewinnschätzungen für Daimler-Chrysler gesenkt.

Auch die Analysten der Deutschen Bank korrigierten am Montag ihre Gewinnprognosen für den Stuttgarter Konzern für dieses und die kommenden beiden Jahre nach unten. Für das laufende Jahr werde nun mit einem Gewinn je Aktie von 4,50 Euro statt bisher erwarteter 4,80 Euro gerechnet. Für 2001 werde ein Gewinn je Aktie von 3,70 (zuvor 4,70) Euro und für 2002 von 3,70 (5,20) Euro erwartet, hieß es. Die Wurzel für die Probleme bei Chrysler liege in der insgesamt sinkenden Profitablität auf dem US-Markt für Geländewagen, Großraumlimousinen und so genannten Pick-up-Lastwagen, der den überwiegenden Teil des Geschäfts von Chrysler ausmacht.

Zu Presseberichten über angebliche weitere Verluste bei Chrysler sagte ein Konzernsprecher, zu Spekulationen gebe er keinen Kommentar ab. Sicher sei Chrysler in einer schwierigen Situation, jedoch müsse diese erst einmal genau untersucht werden. Daimler-Chrysler hatte angekündigt, die neue Führung werde nach einer gründlichen Analyse im ersten Quartal 2001 ihr Konzept für eine grundlegende Neuausrichtung von Chrysler vorlegen. Das "Wall Street Journal Europe" berichtete, im vierten Quartal könne der Verlust durchaus höher ausfallen als im vorherigen Quartal, und für 2001 gingen interne Schätzungen von Verlusten bis hin zu einigen Mrd. $ aus.

Hans-Joachim König von der Fondsgesellschaft Union Investment sagte, das Management von DaimlerChrysler müsse ein wenig Zeit eingeräumt bekommen. Binnen weniger Monate sei bei großen Umstrukturierungen noch kein durchgreifendes Ergebnis zu erwarten. Finanzmärkte handelten bei solchen Vorgängen etwas zu kurzfristig orientiert. "Man sollte der Führung ein wenig Zeit geben", sagte König. Union Investment tendiere bei Lagen wie der von Daimler-Chrysler eher dazu, seine Anteile zu erhöhen.

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