Aktie bricht auf Jahrestief ein
Hugo Boss senkt Gewinnprognose erneut

Zum zweiten Mal senkt der schwäbische Modekonzern seine Prognose für das laufende Jahr: Die Konsumflaute und das schlechte US-Geschäft belasten das Geschäft des Unternehmens. Doch damit steht Hugo Boss nicht alleine da: Viele Luxusgüterhersteller kämpfen mit der Kauf-Unlust ihrer Kunden.

HB/sts DÜSSELDORF. Der Modekonzern Hugo Boss hat nach einem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr seine Gewinnerwartungen für 2002 zum zweiten Mal in zwei Monaten deutlich zurückgeschraubt. Die Vorzugsaktien brachen daraufhin um gut 20 % ein. Boss rechne für das laufende Jahr nun mit einem Ergebnis von 70 Mill. Euro nach Steuern, teilte das Unternehmen am Montag in Metzingen mit. Erst vor zwei Monaten hatte Boss die Prognose auf 95 Mill. Euro gesenkt.

Der neue Vorstandschef des Modeherstellers hat die Flaute im Mode-Einzelhandel für die erneute Korrektur der Erwartungen für das laufende Jahr verantwortlich gemacht. "Der Mann hat schlicht aufgehört, Bekleidung zu kaufen", sagte Bruno Sälzer am Montag. Die Absatzschwierigkeiten träfen Boss, Marktführer für hochwertige Herrenbekleidung, nicht allein.

Experten rechnen für 2002 mit einem Rückgang der Textilausgaben um 2 bis 3 %, bevor der Markt im Jahr 2003 wieder leicht steigen werde. "Viele Modehersteller im Luxusbereich mussten im ersten Halbjahr Einbußen hinnehmen", sagt Reto Börlin, Analyst bei Vontobel. Die Wettbewerber - wie beispielsweise LVMH mit der Marke Donna Karan - seinen jedoch stärker diversifiziert und damit nicht im gleichen Maße von der Textilwirtschaft abhängig wie Hugo Boss. Auch die italienischen Modemarken meldeten zuletzt sinkende Ergebnisse: Bei Gucci sank der Ertrag im ersten Quartal um 42 %. Prada meldete 15 % weniger Umsatz und verschob wegen der schlechten Marktlage Ende Juni den geplanten Börsengang.

Hugo Boss begründet die neuerliche Korrektur der Zahlen weiter mit Absatzproblemen in den USA. Dort hat das Unternehmen im ersten Halbjahr die Zahl der eigenen Boutiquen von sieben auf 21 erhöht. Seit Juni zeichnete sich jedoch ab, dass die neue Sommer-Kollektion schlechter läuft als geplant. Daher habe man den Händlern Rabatte einräumen und die eigenen Bestände in den vollen Lägern abwerten müssen. Dies mache allein 18 Mill. der 25 Mill. Euro aus, die Boss 2002 im Vergleich zur bisherigen Prognose fehlten, sagte der Sprecher. Die restlichen 7 Mill. Euro sieht Boss vor allem hier zu Lande schwinden. Für den deutschen Mode-Einzelhandel sei das erste Halbjahr das schlechteste seit 1949 gewesen, sagte der Sprecher.

Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen ratlos. Daniela Dörr vom Bankhaus Metzler hatte die Aktie bisher auf "Verkaufen" eingestuft, jetzt wolle sie das Papier weiter beobachten. Reto Börlin von Vontobel empfiehlt dagegen das Papier zum Kauf: "Boss ist eine starke Marke. Das Unternehmen wird im nächsten Jahr steigende Erträge erzielen." Während das Gewinnwachstum der europäischen Luxusgüterhersteller nach seinen Schätzungen im Schnitt bei 20 % läge, würde Boss sogar um 25 % zulegen. Auch Peter Hasler von der HypoVereinsbank hält an seiner Bewertung als "Outperformer" angesichts des Kurssturzes fest. Er setze seine Hoffnungen auf die neue Kollektion von "Boss Woman", die Anfang August vorgestellt werden und die Damenmode-Sparte aus den roten Zahlen holen soll. Nach früheren Unternehmensangaben wird die Verlust bringende Damenkollektion voraussichtlich erst für das zweite Halbjahr 2003 ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen.

Der Überschuss der Boss AG schrumpfte im ersten Halbjahr fast um die Hälfte auf 30 Mill. Euro (Vorjahr 58,9), im zweiten Quartal geriet Boss tief in die Verlustzone. Auch von einem bisher erwarteten Umsatzzuwachs von 3 bis 5 % für 2002 hat Boss Abschied genommen. Der Konzern erwarte nun einen Umsatz auf Vorjahresniveau in Höhe von 1,1 Milliarden Euro.

Die Aktien erlebten zum zweiten Mal in diesem Jahr eine drastische Talfahrt. Die im MDax notierten Titel brachen auf ein Jahrestief von 13 Euro ein. Ende Mai war das Papier um nahezu 20 % eingebrochen, nachdem Sälzer einen Tag vor der Übernahme seines Amtes von Unregelmäßigkeiten und zu hohen Bewertungen des Warenbestandes in den USA berichtete. Boss korrigierte daraufhin die Gewinnerwartungen um 11 % auf 95 Mill. Euro nach unten.

US-Vertriebschef Marty Staff und dessen Stellvertreter Vincent Ottomanelli mussten ihren Hut nehmen. Anwälte werfen Hugo Boss vor, schon im November von den Differenzen gewusst zu haben, und kündigten vergangene Woche eine Sammelklage von Anlegern an.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%