Aktie bricht ein
D. Logistics droht das Geld auszugehen

Nach der drastischen Verfehlung seiner Gewinnprognose 2001 ist der Logistikdienstleister D.Logistics AG nun auch in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

rtr HOFHEIM. "Auf Grund eines absehbaren Liquiditätsengpasses wird die D.Logistics AG umgehend Gespräche mit den finanzierenden Banken des Konzerns anberaumen", teilte die im Nemax 50 gelistete Firma am Donnerstag mit. Ziel der Gespräche sei die Überbrückung des Engpasses sowie eine langfristige Neuordnung der Finanzstruktur. Die D.Logistics-Aktie fiel über 40 % auf 1,96 ?.

Viele Fragen bleiben offen

Der Liquiditätsengpass belaufe sich auf einen niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Betrag, der in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen benötigt werde, um den Engpass zu schließen, sagte D.Logistics-Sprecherin Judith Huppert der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sind optimistisch, dass die Gespräche erfolgreich abgeschlossen werden." Mit welchen Banken gesprochen werde, wollte Huppert nicht sagen. Über mögliche Konsequenzen, die sich aus einem Scheitern der Gespräche für D.Logistics ergeben könnten, konnte Huppert keine Angaben machen. Auch über den aktuellen Stand der liquiden Mittel könne sie nichts sagen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, um Klarheit zu schaffen." Zum 30. September 2001 hatte D.Logistics über Zahlungsmittel von 43,8 Mill. ? verfügt.

Der Liquiditätsengpass ist den Angaben zufolge durch Einmaleffekte im Zusammenhang mit der Rückabwicklung defizitärer Beteiligungen und nicht aus dem operativen Geschäft entstanden. Er beruhe auf einer grundsätzlichen, den normalen Volatilitäten des Geschäfts nicht angepassten Finanzierungsstruktur. Die Höhe des Einmaleffektes konnte die Sprecherin nicht beziffern. Sie sagte aber, es handele sich um Beteiligungen aus den Bereichen IT/E-Commerce und Consulting wie B-Log, Quantum und Transcare.

Der Vorstand habe auch mit den Großaktionären seit der vergangenen Woche intensive Gespräche geführt, teilte D.Logistics weiter mit. Trotz grundsätzlicher Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung hätten aber ausreichend liquide Mittel nicht kurzfristig bereit gestellt werden können. Im Rahmen der Gespräche habe der Großaktionär, ehemalige Vorstandschef und Firmengründer Detlef Hübner seine Loyalität zu D.Logistics bekundet und erklärt, dass er seine maßgebliche Beteiligung an der Firma weiter aufrecht erhalten und das Unternehmen auch künftig unterstützen werde.

Die Firma hatte am Montag mitgeteilt, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern habe 2001 nach vorläufigen Zahlen bei null bis vier Mill. ? gelegen und der Umsatz werde sich wohl auf 660 bis 680 Mill. ? belaufen. Im Frühjahr 2001 war noch ein Umsatz von 774 Mill. ? und ein Ergebnis von 46,9 Mill. ? angepeilt worden.

Analysten stufen Aktien herab

"Die Lage ist in meinen Augen schockierend", sagte Analyst Nils Machemehl vom der Bank M.M. Warburg. Der neue D.Logistics - Vorstandschef Ernst Gumrich decke rigoros die Fehler der Vergangenheit auf, die durch scheinbares Fehlmanagement des alten Vorstands entstanden sind. Gumrich hatte Anfang Februar Detlef Hübner als Vorstandschef abgelöst. Die bisherigen Meldungen dürften erst der Anfang der negativen Neuigkeiten darstellen, sagte Machemehl. M.M. Warburg stufte die Aktie auf Verkaufen von Halten zurück.

Harry Markl von Concord Effekten stufte die Aktie auf Strong Sell von Hold herunter. Die kurzfristigen Risiken herrschten bei D.Logistics derzeit vor. Auf einem niedrigeren Niveau sei die Firma ein potenzieller Übernahmekandidat. Ein weiterer Analyst sagte, sollte der Liquiditätsengpass geschlossen werden und die Restrukturierung im operativen Geschäft erfolgreich verlaufen, sei die Aktie ein vielfaches ihres derzeitigen Kurses wert.

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