Aktie bricht nach dem Verkauf des HDW-Pakets ein
Babcock bleiben nur die Kessel

Babcock Borsig geht schweren Zeiten entgegen: Der Konzern muss sich nach dem Verkauf seiner Werftenbeteiligung auf das umkämpfte Geschäftsfeld Energietechnik fokussieren - und einen neuen Chef suchen.

DÜSSELDORF. Was ist Babcock Borsig ohne die Mehrheitsbeteiligung an der Kieler Handelsschiffbau- und Marinewerft Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) noch wert? Kann der finanzschwache Konzern mit dem Erlös für sein Aktienpaket von 25 % - Branchenkenner sprechen von 200 bis 250 Mill. Euro - einen Neubeginn als Hersteller konventioneller Kraftwerke schaffen? Werden die Erträge in diesem riskanten, kapitalintensiven und margenarmen Geschäft ausreichen, um den Aktionären in Zukunft eine Dividende zu zahlen?

Während Analysten noch nach Antworten auf all diese Fragen suchen, haben die Anleger bereits gehandelt: Die Aktien der Oberhausener Babcock Borsig AG gehörten am Dienstag zu den größten Verlierern an der Börse. Bei ungewöhnlich hohen Umsätzen brach der Kurs des im M-Dax notierten Papiers um 13 % auf 7,51 Euro ein.

Der plötzliche Strategiewechsel und das gescheiterte Vorhaben, den HDW-Anteil auf 100 % aufzustocken, sind "seit Jahren die schlechtesten Nachrichten, die von Babcock kommen", zieht Jutta Rosenbaum, Analystin bei der Investmentbank CAI Cheuvreux, ein ernüchterndes Fazit. Die angekündigte Rückbesinnung auf den Anlagenbau klinge nicht überzeugend.

Denn ausgerechnet im künftigen Kerngeschäft Energietechnik zeichne sich, so ein Analyst einer Hamburger Bank, "ein erneuter Restrukturierungsbedarf ab". Bislang konnte Babcock diese Löcher zum einen durch den Verkauf von Tafelsilber stopfen. So brachte der Börsengang des Windkraftanlagenherstellers Nordex im Jahr 2001 200 Mill. Euro Buchgewinn. Zum anderen griff der Konzern immer wieder in die HDW-Kasse. Anzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe für U-Boot- Aufträge sind in der Vergangenheit nach Oberhausen geflossen. Als Minderheitsaktionär von HDW hat Babcock diese Möglichkeiten nun nicht mehr. Den Erlös für das HDW-Paket dürfte der Konzern deshalb vorrangig zum Ausgleich von Verlusten einsetzen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001/2002 (zum 30.9.) hat Babcock einen Konzernverlust von 76 Mill. Euro eingefahren, 14 Mill. Euro mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Zu den bilanziellen Problemen kommen personelle hinzu. "Babcock wird schon bald ein neues Management mit Erfahrungen in der Kraftwerkstechnik bekommen", sagt ein Analyst. Dieses werde sich sogleich auf die Suche nach einem strategischen Partner begeben müssen. Denn auf sich allein gestellt dürfte Babcock kaum eine Überlebenschance haben.

An der Ruhr wird bereits die Essener RAG (früher Ruhrkohle AG) als möglicher Babcock-Aktionär gehandelt. Die RAG-Tochter Steag baut und betreibt schließlich Kraftwerke. RAG könne, so heißt es in Gewerkschaftskreisen, die Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Ruhrgas-Anteile zum Einstieg nutzen und dadurch einige tausend Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen retten - vorerst wenigstens.

Denn ob diese Lösung auch wirtschaftlich trägt, steht auf einem anderen Blatt. Babcock-Chef Klaus Lederer freilich braucht sich um seine eigene Zukunft nicht zu sorgen. Zwar wird er sein Amt in Oberhausen "zu gegebener Zeit niederlegen". Doch der neue HDW-Großaktionär One Equity Partners "legt Wert darauf, dass Herr Lederer weiter als HDW-Chef zur Verfügung steht".

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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