Aktie bricht um bis zu 60 Prozent ein
Cargolifter-Chef stellt Zukunft des Unternehmens in Frage

Die im MDax gelistete Aktie des Luftschiffbauers Cargolifter ist nach Berichten über finanzielle Schwierigkeiten des Unternehmens am Mittwoch drastisch eingebrochen. Der Kurs der Titel stürzte am Mittwochnachmittag um 60 % auf ein Rekordtief von 2,04 ? ab. Vorstandsvorsitzender Carl von Gablenz hatte zuvor laut einem Pressebericht den Fortbestand des Unternehmens ohne staatliche Hilfen in Frage gestellt. Er war von der Financial Times Deutschland mit den Worten zitiert worden: "Das Cargolifter-Projekt (ist) im veränderten Umfeld ohne Staatshilfe nicht mehr zu machen."

rtr/dpa BERLIN. Eine Firmensprecherin war am Nachmittag um Schadensbegrenzung bemüht. Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen, sagte sie. "Natürlich wäre eine staatliche Hilfe sehr willkommen, aber wenn sie nicht kommt, gibt es auch noch andere Möglichkeiten." Gespräche über eine Kreditfinanzierung, Kapitalerhöhungen oder den Einstieg von Investoren liefen weiter. Das Unternehmen befände sich unter anderem mit Bund und Ländern im Gespräch, sagte die Sprecherin. Daneben würden aber auch andere Möglichkeiten zur Finanzierung gesucht.

Die Aussagen des Firmenchefs seien als Appell an Bund und Länder zu verstehen, auch andere Luftfahrtprojekte zu fördern, sagte die Sprecherin weiter. Sofern sich keine Alternativen zur Finanzierung böten, seien auch staatliche Hilfen eine Möglichkeit. Die Bundesregierung ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mit Cargolifter in Kontakt. "Wir sprechen mit dem Unternehmen über eine Bürgschaft", sagte ein Sprecher des Ministeriums. "Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen." Ein Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums sagte, derzeit könnten noch keine Aussagen über mögliche Landeshilfen gemacht werden.

Wegen der angespannten Finanzlage werden bei Cargolifter derzeit Investitionen verschoben, sagte die Cargolift-Sprecherin weiter. Ob dies zu einer weiteren Verzögerung bei der für das Geschäftsjahr 2004/05 (31. August) angekündigten Serienreife des geplanten Luftschiffs CL 160 führen wird, steht noch nicht fest. "Das können wir nicht ausschließen", sagte die Sprecherin.

Die liquiden Mittel würden, wie bereits im November bekannt gegeben, noch mindestens bis zum Ende des ersten Quartals 2002 reichen, sagte die Sprecherin. Aufgrund von Sparmaßnahmen könnten die Mittel aber noch etwas länger reichen. Details zum Sparprogramm sollen am 25. Januar vorgestellt werden. Eventuell könnten dann auch schon neue Informationen zur Finanzierungslage von Cargolifter bekannt gegeben werden.

Mit dem mit unbrennbaren Helium gefüllten Luftschiff sollen schwere Lasten wie Brückenpfeiler über weite Strecken transportiert werden. Nach Angaben vom November fehlen dem Unternehmen bis zur Serienreife noch mehr als 180 Mill. ?. Im November hatte Cargolifter über eine Kapitalerhöhung 34 Mill. ? eingenommen. 2002 würden für die Entwicklung des Schwertransporters CL 160 weitere 100 Mill. ? benötigt, hatte es damals bereits geheißen.

Die seit Dezember 2000 im MDax gelistete Aktie des Unternehmens stürzte am Mittwochnachmittag um rund 60 % auf ein Rekordtief von 2,04 ? ab. "Ich würde mich bombastisch schnell aus der Aktie verabschieden", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Das Unternehmen sei de facto pleite. "Ohne staatliche Hilfe kann es nicht überleben. Das sagt doch alles", fügte der Händler hinzu.

Börsenhändler in Frankfurt berichteten, ein Großinvestor hätte am Nachmittag unter allen Umständen und zu jedem Preis aus der im MDax notierten Aktie aussteigen wollen. Allerdings sei dies erst am Nachmittag geschehen, obwohl der Pressebericht bereits am Morgen vorgelegen habe. "Mich wundert nur, dass dies mit einer zeitlichen Verzögerung geschah", sagte einer der Börsianer. Nach der Bestätigung des Ministeriums, Gespräche mit Cargolifter über staatliche Hilfen zu führen, machte das Papier einen Teil der Verluste wieder wett, notierte aber immer noch mit 37,55 % im Minus bei 3,31 ?.

Neben dem Schwertransporter CL 160 entwickelt Cargolifter auch den Transportballon CL 75. Der erste Prototyp sei bereits fertig, sagte die Sprecherin. Die kommerzielle Einführung ist für 2002/03 geplant. Die 1996 gegründete Firma betätigt sich in der Entwicklung, dem Bau, dem Betrieb und der Vermarktung von Großluftschiffen zum weltweiten Transport großer und schwerer Güter und beschäftigt derzeit 489 Mitarbeiter.

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