Aktie des Back-Konzerns seit Jahresbeginn eingebrochen
Viele Investoren haben sich bei Kamps verkrümelt

Der Aufstieg des Heiner Kamps zum gefeierten Börsenstar verlief Atem beraubend schnell - und währte nur kurz. In wenigen Monaten wandelte sich das Image des bulligen Chefs von Europas größtem Back-Konzern vom Liebling der Investoren zum Verlierer-Typen.

tmo DÜSSELDORF. Seit Februar ist die Kamps-Aktie stark gesunken: Zuletzt notierten die Titel des Brötchen-Giganten unter 20 Euro, das ist weniger als die Hälfte des Jahreshochs von 47 Euro.

Das Beispiel der in Düsseldorf ansässigen Kamps AG zeigt, wie extrem die Investoren bei enttäuschten Erwartungen reagieren. Nach Einschätzung kritischer Analysten hat der Kurseinbruch vor allem zwei Ursachen: Zum einen realisieren immer mehr Anleger, dass der Düsseldorfer Backwaren-Konzern nicht ewig im gleichen Tempo weiterwachsen kann. Zum anderen hinterlässt die aggressive Übernahmestrategie zunehmend Spuren in der Bilanz.

Chef-Bäcker Heiner Kamps hat die Börsen-Euphorie kräftig angefacht, mit dem Fernziel einer Dax-Aufnahme und mit Anspielungen auf die Logistik-Kompetenz seines Unternehmens, das nach eigenen Angaben täglich rund 27 000 Lebensmittelhändler beliefert.

Die Finanzszene war beeindruckt und trieb die Aktie nach dem Börsengang 1998 um zwischenzeitlich über 1 000 Prozent nach oben. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen immer höher. Die Ertragsprognosen der Analysten lagen bis vor kurzem meist über den Schätzungen des Unternehmens selbst. Doch kaum eine Firma übertrifft auf Dauer die eigenen Prognosen.

Der gelernte Bäckermeister Kamps selbst äußert sich erstaunt über den Kursverfall seiner Aktie. "Das ist ganz klar eine Übertreibung der Börse nach unten", sagte Kamps kürzlich auf der Internationalen Anlegermesse in Düsseldorf.

Das sehen viele Analysten inzwischen anders: Sie reduzierten reihenweise ihre Ertragsprognosen, vor allem wegen der hohen Belastungen durch die jüngsten Akquisitionen. Christian Bruns, Experte für die Nahrungsmittelbranche bei der DG Bank, stufte die Kamps-Aktie herab auf "Reduzieren". "Auch nach dem Kursrückgang ist die Aktie keineswegs billig", sagt Bruns. Im Vergleich zum Branchenschnitt sei Kamps immer noch hoch bewertet.

Die Ratingagentur Fitch senkte ihr Urteil zur Kreditwürdigkeit von Kamps und nannte als Grund die "schwache finanzielle Struktur" der Übernahme des französischen Brotgiganten Harry s. Andere Häuser, darunter die WestLB und die Vereins und Westbank, - beurteilen den Wert positiver. "Man sollte Kamps nicht unterschätzen", heißt es bei der WestLB. Dennoch liegt ihr Kursziel mit 25 Euro weit unter den Rekordständen der Kamps-Aktie.

Für den Einbruch sorgen Analysten zufolge auch amerikanische Anleger. Sie sind seit dem Börsengang unter Federführung der US-Bank Merrill Lynch stark bei Kamps vertreten und gelten als rücksichtslose Verkäufer, wenn sie das Vertrauen in einen Wert verloren haben.

Der Konzern expandiert unterdessen munter weiter. Durch den Kauf von handwerklich betriebenen Bäckereien und industriellen Brot-Herstellern will Kamps Kosten sparen und so den Profit steigern. Vor wenigen Tagen erst kündigte das Unternehmen den Einstieg in Italien an. Inzwischen ist der Backriese fast doppelt so groß wie sein nächster europäischer Konkurrent.

Doch das bislang erfolgreiche Konzept ist von zwei Seiten bedroht: Zum einen geht Kamps nach Analystenmeinung langsam das Geld aus. Zudem ist Kamps inzwischen so groß, dass die gewohnten Wachstumsraten kaum noch zu schaffen sind.

Bisher finanzierte der Bäcker sein Wachstum oft durch Ausgabe neuer Aktien, doch nach dem Kurseinbruch wird dies immer schwieriger. Deshalb ging Kamps auf den Anleihemarkt und gab Schuldverschreibungen über 250 Mill. Euro (488,96 Mill. DM) aus. Die Papiere wurden vor zwei Wochen mit der happigen Rendite von über 8 % emittiert. Nach Aussage von gut informierten Bankkreisen musste Kamps die zunächst geplante Verzinsung erhöhen, um Käufer zu finden.

Zudem kann Kamps mit einem erwarteten Umsatz von rund vier Mrd. DM im Jahr 2001 kaum noch die Wachstumsraten der Vergangenheit erreichen. Kleinere Akquisitionen fallen mittlerweile kaum noch ins Gewicht, und die großen Brocken werden zumindest in Europa langsam knapp.

Die Börse bewertet stabile Unternehmen aber viel niedriger als einen heißen Wachstumswert. "Die Wachstumsstory dauert eben nur so lange, wie das Wachstumtempo anhält", sagt DG-Analyst Bruns.

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