Aktie des Mobilfunkunternehmens nach Kurssturz vom Handel ausgesetzt
Gerüchte über Insolvenz lösen bei Mobilcom Panikverkäufe aus

Im Streit mit dem Mobilfunkunternehmen Mobilcom und dessen Chef Gerhard Schmid zieht Großaktionär France Télécom einen Schlussstrich. Der Konzern habe den deutschen Partner davon unterrichtet, dass die im März 2000 getroffene Vereinbarung beendet werde, teilte der France Télécom-Vorstand am Dienstag in Paris mit.

lip/dpa HAMBURG. France Télécom ist mit 28,5 % an Mobilcom beteiligt. Die Franzosen sind nicht mehr bereit, die notwendige Umschuldung von Bankkrediten für den Aufbau des UMTS-Netzes in Höhe von 4,7 Mrd. Euro zu tragen. Damit droht Mobilcom die Insolvenz.

Zuvor hatten bereits Gerüchte über den bevorstehenden Rückzug den Mobilcom-Kurs zeitweise um mehr als ein Drittel abstürzen lassen. Die Notierung des Mobilfunkanbieters aus Büdelsdorf sackten zeitweise um bis zu 40 % auf 8,30 Euro. Um 18.10 Uhr wurde das Papier vom Handel ausgesetzt.

Der Pariser Staatsriese sieht offenbar keine Chance mehr, den 40-prozentigen Anteil von Mobilcom-Vorstandschef Gerhard Schmid zu einem akzeptablen Preis zu erwerben. France Télécom hatte auf einer Aufsichtsratssitzung am Freitag vergangene Woche vergeblich versucht, Schmid als Vorstandsvorsitzenden abzusetzen und sein Aktienpaket für deutlich unter 20 Euro zu erwerben. Sprecher von France Télécom hatten das als "sehr enttäuschend" und "schwerwiegenden Vorgang" bezeichnet. Zuvor hatte die Mobilcom-Hauptversammlung Schmid die Entlastung verweigert. Gemeinsam halten der Mobilcom-Gründer und seine Ehefrau sogar knapp 50 % der Aktien und wollen sie zu einem Kurs von 22 Euro abgeben. Diesen Preis wollen die Franzosen offenbar nicht zahlen. Doch der Rauswurf Schmids scheiterte Gerüchten aus Unternehmenskreisen zufolge an der notwendigen Mehrheit im Kontrollgremium.

Ein Sprecher von Mobilcom übte sich am Dienstag in Schadensbegrenzung. "France Telecom kann seine Anteile nicht ohne Zustimmung von Herrn Schmid über die Börse verkaufen. Dies sieht eine gemeinsame Vereinbarung vor", erklärte ein Firmensprecher. Der französische Konzern habe gerade 30 Mill. Euro an Mobilcom überwiesen und komme damit seiner vertraglichen Verpflichtung nach, die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen, behauptete er. Dirk Unrau, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, kritisierte den Verhandlungspoker. "Der Machtwechsel bei Mobilcom wird auf dem Rücken der Kleinaktionäre ausgetragen", so Unrau.

Quelle: Handelsblatt

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