Aktie des Sportartikelherstellers brach ein
Puma setzt zum nächsten Sprung an

Den Kursrückgang der Puma-Aktien halten Beobachter für irrational. Der Sportartikel-Hersteller leidet unter den Problemen anderer Unternehmen der Branche.

FRANKFURT/M. Wann immer Fondsmanager von "irrationalen Märkten" sprechen, müssen Investoren aufpassen. Zwar wird kaum jemand bestreiten, dass die Börsen oft verrückt spielen. Aber noch öfter dient "Irrationalität" nur als billige Ausrede, wenn die Kurse sich nicht so entwickeln wie erwartet.

Doch vielleicht sind ja Anko Beldsnijder und sein Favorit Puma AG Rudolf Dassler Sport die Ausnahme, welche die Regel bekanntlich bestätigt. "Der jüngste Kursabschlag für Puma ist irrational", meint Beldsnijder, Partner und Manager zweier Aktienfonds beim Fondshaus Griffin. Investoren erhielten durch den Kursrutsch eine günstige Einstiegsgelegenheit.

Am Freitag brach der Kurs des Sportartikel-Herstellers von knapp 59 auf 54 Euro ein. Am Vortag hatte die Aktie ebenfalls kräftig verloren. Der Grund für den Schwächeanfall ist klar: Die US-Sportartikel-Ketten Footstar und Finish Line veröffentlichten vorige Woche Gewinnwarnungen. Sie begründeten dies mit dem schlechten Augustgeschäft. Traditionell gilt der Sommermonat für Sporthersteller als zweitwichtigste US-Verkaufszeit nach dem Weihnachtsgeschäft im Dezember.

Investoren nahmen Puma, und übrigens auch Adidas, in Sippenhaft. Wenn die Handelsketten weniger Schuhe verkaufen, dann leiden auch die Hersteller - so das Kalkül. Irrational? Im Fall Puma ja, meint Beldsnijder. Denn das Herzogenauracher Unternehmen wachse weiterhin rasant, unabhängig von der Gesamtbranche.

Bislang stimmte diese Aussage. Trotz weltweiter Wirtschaftsflaute steigerte der Hersteller von Sportschuhen, Kleidung und Taschen im ersten Halbjahr 2002 seinen Gewinn um phänomenale 233 %. Seit 2000 hat sich der Gewinn je Aktie fast verfünffacht. Der Aktienkurs stieg im gleichen Zeitraum um mehr als das Dreifache.

Grenzbereich zwischen Sport und Mode

Puma hat sich neu erfunden - vom reinen Sportartikelhersteller wurde Puma zur Lifestyle-Firma im Grenzbereich zwischen Sport und Mode. Mittlerweile gilt die einst angestaubte Marke weltweit als chic. In den USA trägt Superstar Madonna Puma-Schuhe - angeblich ohne Werbehonorar. Gerade in Amerika sind die Chancen riesig. Dort ist Puma mit einem Marktanteil von 1,5 % noch eine exklusive Nischenmarke. In Europa beträgt der Marktanteil dagegen 8 %. Auf dem alten Kontinent wächst Puma besonders in Italien und Frankreich rasant. In der deutschen Heimat gewinnt der neue Trend erst langsam an Fahrt.

Wie sich das künftige Geschäft entwickeln wird, lässt sich an den Auftragseingängen gut ablesen. Und hier stehen die Zeichen weiter auf Wachstum, sagt Analyst Ralf Stromeyer von ABN Amro. Er rechnet für das Geschäftsjahr mit einen Umsatzplus um 40 % auf 885,9 Mill. Euro. "Über neunzig Prozent davon sind durch Aufträge abgesichert", sagt Stromeyer. Der Gewinn je Aktie dürfte nach seiner Schätzung 4,85 Euro betragen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,5 wäre Puma dann günstiger bewertet als die meisten Konkurrenten.

Dass die Aktie trotz des bereits rasanten Kursanstieges billig aussieht, hat einen einfachen Grund. Bislang wachsen die Gewinne bei Puma schneller als der Aktienkurs. Doch die "irrationale" Marktreaktion auf die negativen US-Branchennachrichten zeigt: Die Investoren sind nervös. Viele haben mit der Puma-Aktie hohe Gewinne gemacht. Und die werden mitgenommen, sobald die glänzende Investmentstory auch nur scheinbare Kratzer erhält.

Andererseits springen immer wieder neue Investoren auf den fahrenden Zug auf. So geschehen bei der Vorlage der Quartalszahlen am 25. Juli: Als Puma mal wieder positiv überraschte, stieg der Kurs zeitweise um 10 %. Ähnliches könnte am 6. November passieren, wenn die Zahlen für das dritte Quartal erscheinen. Das Unternehmen bleibt jedenfalls optimistisch. "Sowohl Umsatz als auch der Auftragseingang auf dem amerikanischen Markt entwickeln sich weiterhin sehr positiv", erklärte Puma in Anspielung an die US-Gewinnwarnungen.

Fondsmanager Beldsnijder traut der Aktie einen Kurs von 90 Euro zu. Das wäre ein Plus von über 50 % gegenüber dem gestrigen Stand. ABN-Amro-Analyst Ralf Stromeyer ist mit seinem Kursziel von 75 Euro vorsichtiger. Dabei sei noch Luft für positive Überraschungen, sagt er.

Klingt nach einer interessanten Wette. Allerdings sollten Investoren ihre Puma-Aktien genau beobachten, rät Beldsnijder: "Sobald das Wachstum abflaut, muss man verkaufen." Ein guter Indikator dafür wird die Entwicklung der Auftragseingänge sein.

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