Aktie deutlich im Minus
Gold-Zack-Führung heftig kritisiert

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung des angeschlagenen Finanzdienstleisters Gold-Zack sind Anteilseigner und Aktionsvertreter mit der Führungsspitze hart ins Gericht gegangen.

rtr METTMANN. Der bis März amtierende Vorstandschef Christian Stolorz habe die Aktionäre mit seinen Gewinnprognosen getäuscht und der amtierende Vorstandschef Dieter Walther habe zu spät eingegriffen, sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag. Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK), Markus Kienle, sagte, "nicht die Aktionäre haben die Gesellschaft in den Ruin gebracht, sondern Vorstand und Aufsichtsrat." Da Gold-Zack keine Ertragsprognose vorgelegt habe, sei es "unzumutbar", über die geplanten Kapitalschritte abzustimmen, sagte Kienle. Walther zeigte sich von den Vorwürfen fast unbeeindruckt und warb immer wieder für die geplanten Kapitalschritte.

Auf der Hauptversammlung des im MDax notierten Unternehmens soll eine Herabsetzung des Kapitals in Verbindung mit einem erneuten vorzeitigen Umtauschangebot für eine Wandelschuldverschreibung entschieden werden. Eine Entscheidung wird frühestens am Abend erwartet. Im Kern ist eine Herabsetzung des Kapitals im Verhältnis sieben zu eins geplant.

Private Anleger formulierten ihre Kritik direkter als die professionellen Aktionärsvertreter auf der am Nachmittag recht turbulenten Hauptversammlung. Insbesondere der dramatische Kursverfall der Gold-Zack-Aktie wurde angemahnt. Mitte 1999 war das Papier noch über 40 ? wert. Seit Jahresbeginn verlor der Anteilsschein über 88 %. Am frühen Montagabend lag die Aktie bei 0,22 ? in einem schwächeren Gesamtmarkt mit rund 18 % im Minus. Im Verlauf der Hauptversammlung warb Vorstandschef Dietrich Walther eindringlich um Zustimmung für notwendige Kapitalschritte bei dem überschuldeten Unternehmen. "Uns drückt, wenn die Kapitalmaßnahmen nicht umgesetzt werden, eine mögliche Überschuldung, zudem eine angespannte Liquiditätslage." Finanzvorstand Rolf Rickmeyer sagte: "Gold-Zack steht auf dünnem Eis." 2003 hoffe er auf ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), sagte der Finanzvorstand und deutete an, Gold-Zack werde 2002 mit einem Verlust abschließen. Aus Unternehmenskreisen hieß es, durch den Verlauf mehrerer Beteiligungen könnten rund 30 Mill. ? zufließen.

Die Fortführung des Unternehmens setze "zwingend" die Realisierung der geplanten Kapitalschritte voraus, bekräftigte Walther. Finanzchef Rickmeyer bezifferte die frei verfügbaren Bankguthaben auf 1,4 Mill. ?. Walther hält mit seiner Familie rund 30 % der Aktien, weitere fünf Prozent gehören dem Management, der Rest liegt im Streubesitz.

Walter gestand ein, die Eigenkapitaldecke sei so dünn, dass ohne die notwendige Restrukturierung ein weiterer Verzehr des Eigenkapitals und eine Insolvenz nicht auszuschließen sei. Im Zusammenhang mit der Mitte Mai erfolgten Insolvenz der Gontard&MetallBank räumte er weitere finanzielle Risiken ein. Es existiere gegenüber dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) eine Verpflichtungserklärung für die Bank. Der Vereinbarung von 1996 zufolge müsse Gold-Zack als Gegenleistung 25 % der Ergebnisse im gewöhnlichen Geschäft von 2004 bis 2006 abführen. Sollten nicht mindestens 50 % der Wandelanleihe in Eigenkapital gezeichnet werden, müsse die schon jetzt überschuldete Gold-Zack zahlen. Die Insolvenz der Bank belaste das Unternehmen mit rund 100 Mill. ?, sagte Walther. Gold-Zack hält 45 % an dem Institut.

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