Aktie erreichte mit 45,72 Euro ein Rekordtief
Neuer Chrysler-Chef kündigt schmerzhafte Schnitte an

Der neue Chef der US-Tochter von Daimler-Chrysler, Dieter Zetsche, hat "schmerzhafte Maßnahmen" als unausweichlich bezeichnet. um eine Ertragswende bei Chrysler zu erreichen.

Reuters AUBURN HILLS. Der neue Chef der US-Tochter von Daimler-Chrysler , Dieter Zetsche, hat "schmerzhafte Maßnahmen" als unausweichlich bezeichnet, um eine Ertragswende bei Chrysler zu erreichen. "Einige der Maßnahmen, die wir für eine Rückkehr von Chrysler auf den richtigen Weg ergreifen müssen, werden schmerzhaft sein, aber sie sind notwendig", sagte Zetsche in einer per E-Mail an alle 128 000 Chrysler-Mitarbeiter verbreiteten Erklärung. Konzernchef Jürgen Schrempp bekräftigte vor 400 Chrysler-Managern am Firmensitz in Auburn Hills, es gebe keine Pläne, Chrysler zu verkaufen. An der Börse gab der Kurs der DaimlerChrysler-Aktie am Dienstag weiter nach und erreichte mit 45,72 Euro zeitweilig ein Rekordtief.

Daimler-Chrysler - Intraday-Chart

Der bisherige Nutzfahrzeug-Vorstand Zetsche war am Freitag zum neuen Chef von Chrysler ernannt worden. Er löste James Holden abgelöst, der mit sofortiger Wirkung ausgeschieden war. Nach Angaben aus Firmenkreisen wird der bisherigen Führung von Chrysler vorgeworfen, zu optimistische Prognosen gemacht und zu wenig zur Lösung der Probleme unternommen zu haben. Am Montag hatte sich der Stuttgarter Konzern noch von drei weiteren Spitzenmanagern von Chrysler getrennt, darunter Vertriebschef Theodore Cunningham und Verwaltungschefin Kathleen Oswald.

Chrysler hatte im dritten Quartal 2000 einen Verlust von 579 Mill. Euro erwirtschaftet, sollte nach ursprünglichen Prognosen im vierten Quartal aber wieder Gewinne erzielen. Im Zusammenhang mit dem Führungswechsel bei Chrysler hatte DaimlerChrysler mitgeteilt, die Ergebnisse der US-Tochter würden schlechter ausfallen als erwartet.

Zetsche teilte in der E-Mail an die Beschäftigten weiter mit, Chrysler sei in einer schwierigen Situation, die sich zuletzt noch verschlechtert habe. "Ich weiß, dass es eine Menge unbeantworteter Fragen gibt. Wir wollen so schnell wie möglich Antworten darauf geben", sagte er. Die neue Chrysler-Führung - neben Zetsche hat DaimlerChrysler den bisherigen Mercedes-Manager Wolfgang Bernhard als für das Tagesgeschäft verantwortlichen Chief Operating Officer zu Chrysler entsandt - will im ersten Quartal 2001 ihre Pläne für eine umfassende Umstrukturierung von Chrysler vorlegen.

Zetsche und Schrempp diskutierten am Montagnachmittag amerikanischer Zeit mit rund 400 Chrysler-Managern über das weitere Vorgehen. Schrempp sagte nach Angaben von Teilnehmern mit Blick auf die Entlassung mehrerer Top-Manager, es seien harte Entscheidungen getroffen worden. Er sei jedenfalls nicht in die USA gekommen, um Schuld abzuladen. Die Probleme bei Chrysler seien struktureller und operationaler Art und stünden nicht im Zusammenhang mit der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler zur DaimlerChrysler AG vor zwei Jahren. Zugleich entschuldigte sich Schrempp für Aussagen, die zu der Interpretation geführt hatten, dass der Zusammenschluss mit Chrysler von vorneherein nicht als Fusion unter Gleichen, sondern als Kauf von Chrysler geplant gewesen sei.

Mitarbeiter von Chrysler zeigten sich verunsichert über die neue Lage, in der Gerüchte über einen Stellenabbau in der Verwaltung oder zeitweise Werksschließungen kursierten. "Die Gerüchteküche brodelt", sagte ein Mitarbeiter. "Tatsache ist, wir wissen überhaupt nichts." Ein anderer Mitarbeiter sagte: "Würde man nachdenken, könnte man nur noch am Schreibtisch sitzen und weinen."

Die DaimlerChrysler-Aktie ist nach den jüngsten Kursrückgängen nur noch etwa so viel wert wie die Aktie des Vorgängerunternehmens Daimler-Benz im November 1996. Im Vergleich zum Frühjahr 1999 hat die DaimlerChrysler-Aktie bis heute etwa die Hälfte ihres Wertes verloren. Das Unternehmen ist an der Börse derzeit nur noch mit etwa 46 Mrd. Euro bewertet. Nach dem Erreichen eines neuen Tiefstandes erholte sich die Aktie am Dienstagnachmittag ein wenig, wurde jedoch mit 46,68 Euro immer noch um zwei Prozent schwächer als am Vortag gehandelt. Nach mehreren anderen Investmentbanken hatte zuvor auch UBS Warburg ihr Kursziel für die Daimler-Aktie gesenkt. Als neues Kursziel setzte die Bank 40 statt bisher 45 Euro fest.

Unterdessen wies der größte japanische Autohersteller Toyota Gerüchte zurück, wonach er an einer Übernahme der Anteile der Deutschen Bank an DaimlerChrysler interessiert sei. Darüber denke Toyota nichteinmal nach, sagte ein Firmensprecher in Tokio. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte berichtet, an der Börse seien Gerüchte aufgekommen, Toyota wolle den Anteil der Deutschen Bank von zwölf Prozent an DaimlerChrysler übernehmen. Die Bank ist der größte Aktionär des Stuttgarter Konzerns und will ihre Industriebeteiligungen künftig abbauen. Zuletzt hatte die Bank erklärt, es gebe keine konkreten Pläne für einen Verkauf des Daimler-Anteils.

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