Aktie fiel um weitere 41 Prozent
Enron stellt Stromlieferungen in Europa ein

Der finanziell angeschlagene Energiehändler Enron hat nach Angaben aus Kreisen am Freitag alle seine Stromlieferungen in Kontinentaleuropa eingestellt. Enron habe alle seine Positionen in den Stromnetzen geschlossen und den Großhandels-Verkauf an seine Kunden in der Region gestoppt, hieß es in Handelskreisen am Freitag. Zudem würden sich Enron-Firmenvertreter am Freitagmittag treffen und voraussichtlich Entlassungen ankündigen.

Reuters LONDON/WASHINGTON. Parlamentarische Gremien des US-Parlaments haben Untersuchungen zur Finanzkrise des Energiekonzerns Enron Corp. eingeleitet. Es werde eine Anhörung zu der Auswirkung des "virtuellen Zusammenbruchs" des Energieriesens Enron auf den Strommarkt geben, sagte der Vorsitzende des Energie-Ausschusses der Demokraten im US-Senat, Jeff Bingaman, Donnerstagabend in Washington. Auch der Vorsitzende des Energie- und Handelskomitee der Republikaner im Repräsentantenhaus, Billy Tauzin, ordnete eigenen Angaben zufolge eine Anhörung an. Enron ist der größte US-Energiehändler.

Der US-Konzern Dynegy hatte am Mittwoch mitgeteilt, nicht mehr an der geplanten Fusion mit Enron festzuhalten. Daraufhin hatten Kreditagenturen ihre Enron-Ratings gesenkt, wodurch Enron nach Einschätzung von Beobachtern in den Konkurs getrieben werden könnte. Die Aktien des Konzerns fielen am Donnerstag im Vergleich zum Vortag um 41 Prozent und schloßen an der New Yorker Börse mit 36 US-Cents pro Aktie. Den Höchststand erreichten die Enron-Aktien im August 2000 mit 90,56 Dollar.

Während die Auswirkung auf die Konsumenten noch unklar sei, werde das Komitee die Situation genau beobachten, sagte Bingaman. Zudem müsse sicher gestellt werden, dass im Falle eines Konkurses, die von Enron betriebene Energiezufuhr weiter funktioniere. Die Anhörung zu Enron werde voraussichtlich im Januar stattfinden, sagte ein Sprecher des Senats-Komitee. Sollte das Parlament sein Sitzungen um eine Woche verlängern, dann könne die Anhörung bereits kommende Woche stattfinden.

Experten: Konkurs kann noch abgewendet werden

Obwohl Enron kurz vor dem Konkurs steht, könnte der Konzern durch direkte Gespräche mit den Gläubigern nach Ansicht von Experten den Konkurs möglicherweise abwenden. "Konkursanmeldung ist in der Regel eine Reaktion auf jemanden, der handelt, um Schulden einzutreiben", sagte Lynn M. LoPucki, Professorin für Konkursrecht an der Universität von Kalifornien. Sollten Gläubiger ihre Kredite zunächst nicht zurück verhandeln, könnte Enron weiter arbeiten und somit Zeit gewinnen, um sich von der Krise zu erholen.

Ferner könnte sich Enron mit seinen Hauptgläubigern und Anteilshabern auf einen vor-verhandelten Konkurs einigen und somit ebenfalls Zeit gewinnen. "Wenn man genug Zeit hat, versucht man mit den Gläubigern Zahlungsmöglichkeiten auszuhandeln und meldet dann Konkurs an", sagte Barry Ridings von der Investmentbank Lazard. Der koreanische Autohersteller Daewoo habe beispielsweise ein Jahr mit Gläubigern bei Banken weltweit verhandelt. Dadurch sei Zeit gewonnen worden und der Konzern habe die Konkursanmeldung ganz vermeiden können, sagte Ridings.

Sollte Enron in Konkurs gehen, wäre dies einer der größten Firmenzusammenbrüche in der Geschichte der USA.

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