Aktie gewinnt mehr als fünf Prozent
EM.TV weitet im Kerngeschäft Verluste aus

Der Rechtehändler EM.TV & Merchandising AG hat in den ersten neun Monaten durch Abschreibungen und Zinszahlungen weiter rote Zahlen geschrieben, sieht im abgelaufenen Vierteljahr aber eine Aufwärtstendenz. "Wir haben im dritten Quartal im Vergleich zu den beiden vorherigen in allen Bereichen den Umsatz gesteigert und die Kosten gesenkt", sagte EM.TV-Sprecherin Stefanie Schusser am Freitag.

Reuters MÜNCHEN. Im dritten Quartal lag das Ergebnis des Rechtehändlers und Produzenten von Kinderprogramm vor Steuern wegen gesunkener Zinszahlungen mit knapp 13 Millionen DM im Plus. In den ersten neun Monaten verbuchte EM.TV bei 1,24 Milliarden DM Umsatz aber einen Verlust vor Steuern von 115 Millionen DM, nach Steuern waren es 249 Millionen DM.

Die im Auswahlindex Nemax 50 des Neuen Marktes notierten EM.TV-Aktien kletterten am Vormittag mehr als fünf Prozent auf 2,05 Euro. Analysten kritisierten erneut die mangelnde Transparenz der Zahlen sowie einen fehlenden Ausblick für das vierte Quartal.

EM.TV war unter der Führung des Mitgründers Thomas Haffa im vergangenen Jahr wegen überteuerter Zukäufe in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Nun will der seit September amtierende neue Vorstandschef Werner Klatten das Vertrauen der Investoren wieder herstellen und hat dem Unternehmen einen massiven Sparkurs und eine Bereinigung des Portfolios verordnet. "Die eingeleiteten Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen zeigen erste Resultate. Das beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind", zeigte sich Klatten zuversichtlich.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) der ersten neun Monate bezifferte EM.TV mit 521 Millionen DM, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) mit 104 Millionen DM. Die Zahlen aus dem Vorjahr sind nicht vergleichbar, da sich der Konsolidierungskreis erheblich verändert hat. Der Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit lag bei 289 Millionen DM.

In dem negativen Vorsteuerergebnis seien Abschreibungen von insgesamt 418 Millionen DM enthalten, von denen knapp die Hälfte auf das Engagement in der Rennsportserie Formel 1 entfielen, erläuterte EM.TV. Zudem weise EM.TV ein negatives Finanzergebnis von 218 Millionen DM aus, das maßgeblich durch Zinsbelastungen aus der Formel 1 beeinflusst worden sei. Die Zinsverpflichtungen seien aber durch die Abgabe der Mehrheit an der Rennsportserie an die Kirch-GruppeEnde August erheblich reduziert worden, erklärte eine Sprecherin das positive Vorsteuerergebnis im dritten Quartal.

Dass EM.TV operativ schwarze Zahlen schreibt, hat das Unternehmen nur der profitablen Formel 1 zu verdanken, die aber schon im dritten Quartal nur noch zwei Monate voll konsolidiert wurde und im vierten Quartal nur noch als Finanzbeteiligung bestehen bleibt. Im Geschäftsbereich Events, der vor allem das Formel-1-Engagement enthält, erzielte EM.TV einen operativen Gewinn von 291,6 Millionen DM. Dagegen weitete das Kerngeschäft Rechtehandel seine operativen Verluste im dritten Quartal gegenüber den Vorquartalen erheblich aus. In den ersten neun Monaten lag der Fehlbetrag vor Zinsen und Steuern in dieser Sparte bei 186,8 Millionen DM. Im ersten Halbjahr hatten die Verluste noch bei 58,9 Millionen DM gelegen.

Diese Entwicklung führte die EM.TV-Sprecherin auf Produktionkosten bei der US-Tochter Jim Henson, berühmt durch "Sesamstraße" und "Muppet Show", und auf Abschreibungen bei der Beteiligung Tele München Gruppe (TMG) wegen des schwächeren Dollars zurück. Der Umsatz im Rechtehandel habe sich aber mit 362 Millionen DM in den ersten drei Quartalen erfreulich entwickelt. Dazu hätten Lizenzverträge für Charaktere wie "Pokemon", "Digimon" und die "Biene Maja" beigetragen.

Bei der angekündigten Portfoliobereinigung versprach Klatten Fortschritte: "Wir werden in den kommenden Monaten die Konzentration auf die Kernbereiche konsequent fortsetzen." EM.TV befindet sich seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Käufer für Jim Henson, und will auch die 45-prozentige Beteiligung an TMG abgeben. Mit der Kirch-Gruppe verhandelt EM.TV immer noch über einen Tausch der restlichen Formel-1-Anteile gegen Pakete an der Rechtebibliothek Junior und and dem Filmproduzenten und-verleiher Constantin. Ein Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV war an kartellrechtlichen Bedenken gescheitert.

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