Aktie haussiert
Schwarz Pharma gewinnt Patentstreit

Die Aktien des Medikamentenherstellers Schwarz Pharma sind am Montag rasant gestiegen, nachdem das Monheimer Unternehmen in den USA den Patentstreit um das umsatz- und gewinnstarke Magen-Darm-Medikament Prilosec von Astra Zeneca gewonnen hat. Astra Zeneca sowie weitere unterlegene Unternehmen prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen das Urteil.

Reuters DÜSSELDORF. Die im MDax notierten Papiere von Schwarz Pharma legten um mehr als 80 % auf 19,20 Euro zu. Nach Angaben des Unternehmens ist durch das Generikum (Nachahmer-Medikament) mit dem Wirkstoff Omeprazol in den ersten zwölf Monaten nach der Markteinführung ein Zuwachs sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe möglich. Wahrscheinlich werde das Mittel spätestens in sechs Monaten vermarktet, möglicherweise aber auch noch in diesem Jahr, hieß es. Schwarz Pharma muss noch mit der US-Gesundheitsbehörde FDA klären, ab wann das Generikum Omeprazol in den USA verkauft werden darf.

Gleichzeitig kletterten aber auch die Aktien von Astra Zeneca am Montag in London um knapp 13 % auf 23,35 Pfund. Weil Schwarz Pharma zunächst das einzige von insgesamt vier Generika-Unternehmen ist, das den Wirkstoff auf den Markt bringen darf, bedeutet das Urteil für den zweitgrößten europäischen Pharmakonzern Analysten zufolge einen Teilsieg. Jeder Tag, an dem das Medikament ohne Generikakonkurrenz verkauft werden kann, bedeutet früheren Angaben zufolge für AstraZeneca einen Umsatz von 10 Mill. $. Der Konzern machte mit dem Magen-Darm-Mittel 2001 allein in den USA einen Umsatz von rund 3,7 Mrd. $, weltweit sechs Mrd. $. Astra Zeneca erklärte indes, die Gerichtsentscheidung zu Gunsten von Schwarz Pharma zu überprüfen und geeignete Schritte zu überlegen.

Der Konzern hatte neben Schwarz Pharma die US-Firma Andrx, die Merck-Tochter GenPharm und die indische Reddy Cheminor verklagt. Er wirft den Konkurrenten vor, das Medikament zu kopieren. In dem seit langem erwarteten Urteil eines New Yorker Gerichts sind nach Firmenangaben die Patente von AstraZeneca auf die Zusammensetzung der Kapsel für gültig befunden worden. Damit wurde allen anderen generischen Versionen, die diese Patente verletzen, zunächst der Marktzugang verwehrt.

Das Patent für den Prilosec-Wirkstoff Omeprazol lief in den USA bereits im Oktober 2001 ab, zwei so genannte Formulierungspatente auf die Zusammensetzung laufen dagegen noch bis 2007. Schwarz Pharma besitzt als einzige der vier Beklagten ein eigenes Patent auf die Zusammensetzung der Kapsel, die sich im Gegensatz zu den Mitteln der Konkurrenten in der Formulierung unterscheidet.

Andrx kündigte am Montag an, möglicherweise gegen das Urteil des New Yorker Gerichts Einspruch einzulegen. Auch bei GenPharm würden weitere mögliche Schritte derzeit geprüft, teilte der Mutterkonzern Merck mit.

Markteinführung noch ungewiss

Nach Angaben von Firmensprecherin Antje Witte ist der Zeitpunkt noch ungewiss, ab wann Schwarz Pharma sein Generikum vermarkten kann. Dies sei mit der US-Gesundheitsbehörde FDA zu klären. Doch auch eine Partnerschaft mit dem Konkurrenten Andrx werde erwogen, dem von der FDA bereits ein exklusives Vermarktungsrecht über 180 Tage eingeräumt worden war. Andrx teilte dazu am Montag in Florida mit, das Exklusivrecht möglicherweise mit einem Partner zu nutzen.

Die FDA hatte den beiden im Patentstreit unterlegenen Firmen Andrx und GenPharm ein exklusives Vermarktungsrecht für Omeprazol von 180 Tagen eingeräumt, wobei nur Andrx bislang eine Zulassung für Omeprazol hat. Diese Vorgehensweise ist in den USA üblich, um eine rasche Vermarktung von billigen Medikamenten zu ermöglichen.

Schwarz Pharma prüft derzeit, ob Omeprazol auch auf den Markt gebracht wird, falls AstraZeneca gegen das Urteil Einspruch einlegt. Unter Umständen könnten Schwarz Pharma dann hohe Schadenersatzforderungen drohen. "Wenn wir das Urteil gelesen haben und feststellen, es ist ein wasserdichtes Urteil, würden wir es riskieren und Omeprazol auf den Markt bringen, auch wenn AstraZeneca Einspruch einlegt", sagte Witte weiter.

Aktien von Schwarz Pharma hochgestuft

Die Aktien sowohl von Schwarz Pharma als auch von Astra Zeneca wurden am Montag hochgestuft. Die WestLB und die Investmentbank Merril Lynch stuften die Schwarz Pharma-Papiere auf "Buy" von zuvor "Neutral" hoch und hoben das Kursziel auf 20 Euro beziehungsweise 15 Euro an. Die Investment Goldman Sachs wertete das Gerichtsurteil für Astra Zeneca als Teilsieg und stufte die Aktien des Unternehmens auf "Market outperformer" von zuvor "Marketperformer".

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