AKTIE IM FOKUS
Infineon-Aktie fällt unter Ausgabekurs

ddp-vwd MÜNCHEN. Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon Technologies AG hat die Börse am Mittwoch mit einer Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr in Aufregung versetzt. Nach einem Verlust vor Steuern von bis zu 600 Millionen Euro (rund 1,17 Milliarden Mark) im dritten Quartal seien auch für das Gesamtjahr rote Zahlen nicht auszuschließen, sagte Vorstandsvorsitzender Ulrich Schumacher auf einer Telefonkonferenz: «Derzeit ist vollkommen unklar, wie sich der Markt verhalten wird», betonte er. Daher könne keine Prognose für das vierte Quartal abgegeben werden. Infineon-Aktionäre reagierten auf die Ankündigung mit massiven Verkäufen: Das Papier verbilligte sich bis 10.30 Uhr um fast elf Prozent auf rund 31,20 Euro. Damit notierte die Aktie, die bei der Emission im März 2000 vor allem von Kleinanlegern euphorisch aufgenommen worden war, erstmals deutlich unter dem Ausgabepreis von 35 Euro.

Die Gewinnwarnung fiel nach Einschätzung von Marktteilnehmern schlimmer aus als befürchtet. «Es war klar, dass Infineon Probleme hatte, aber dass sie so schwer waren, haben wir nicht erwartet», sagte Analyst Klaus Iltgen von der Investmentbank WestLB Panmure in Düsseldorf. Das Unternehmen habe den Markt offenbar überschätzt. Infineon nannte als Begründung für die düsteren Prognosen die schwierigen Marktbedingungen, mit denen die meisten Geschäftsbereiche seit April konfrontiert seien. So zeichne sich am Mobilfunkmarkt keine Belebung ab. Zudem seien die Preise für Speicherbausteine weiter stark gefallen, hieß es. Einmalige Abschreibungen auf Lagerbestände würden das Ergebnis zusätzlich belasten.

Für das laufende dritte Quartal (bis 30. Juni) prognostizierte die Siemens-Tochter neben dem Vorsteuerverlust auch einen Umsatzrückgang um 30 Prozent gegenüber dem Wert von 1,65 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Als Reaktion auf die verschlechterte Geschäftsentwicklung kündigte das Unternehmen einen Einstellungsstopp und eine Kürzung der für 2001/2002 geplanten Investitionen an. Für das laufende Geschäftsjahr sei die Investitionssumme bereits von 2,8 auf 2,3 Milliarden Euro gesenkt worden.

An der für die kommenden Wochen geplanten Kapitalerhöhung hält Schumacher aber fest. Zwar sei der Zeitpunkt «nicht optimal», die zusätzlichen Mittel würden jedoch für Investitionen in neue Chip-Technologien benötigt. Auch Zukäufe seien nicht auszuschließen, sagte er. Die Schulden sollten dabei «im Rahmen gehalten» werden. Die Muttergesellschaft Siemens AG werde sich an der Kapitalerhöhung zwar nicht beteiligen. Dennoch bleibe das Unternehmen nach Ausgabe der neuen Aktien Mehrheitsaktionär bei Infineon, hieß es.

Intraday-Chart: Aktienkurs bricht ein

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